Ich bin genervt. Wohnung aufräumen stand heute auf meinem Zettel. Im Keller stand, noch, von meinem Vormieter, ein Schrank von Ikea. Noch eingepackt, und ich dachte, den benutze ich jetzt für meine Abstellkammer. Da bewahre ich meine Kleidung derzeit in aufgestapelten Kartons auf. Jetzt steht diese Schrankattrappe aufgebaut im Keller. In der Wohnung habe ich ihn hin und hergeschoben und festgestellt, dass meine Provisorien, praktischer, solider und auch ästhetischer sind.
Den Schwachsinn hätt ich mir sparen können. Hab meinen Müll rausgebracht und konnte mich wieder über meine Mitbewohner freuen. In diesem Haus gibt es zwölf Mietparteien. Da ich für mich allein eigentlich nichts koche, habe ich als Biomüll praktisch nur meine Kaffee-Filter. Jedes mal wenn ich sie runterbringe, stelle ich fest, der einzige Biomüll dieses Hauses sind meine Kaffee-Filter. Aber immer sind in zwei von drei Biomülltonnen Plastik-Müllbeutel und es hängt ein Zettel dran: “Tonne konnte nicht geleert werden, weil…” Vor einiger Zeit klingelte es bei mir.
Es war alles andere als aufgeräumt und ich hätte guten Grund gehabt nicht zu öffnen. Es war ein Handwerker, der die Gegensprechanlage der Haustür reparieren wollte. Dazu musste er die Summer in den Wohnungen checken. Frustriert sagte er, ich sei der einzige, der aufgemacht habe. Die Haustür weist diverse Einbruchsspuren auf (sehr hilflose Versuche und der Frust über diese zwecklosen Bemühungen hat denke ich die Gegensprechanlage gekostet) und des öfteren versuchen sich Leute durch Storys wie, ich muss das Kellerschloss von Frau Wohnt-Hier-Nicht auswechseln, könnten sie bitte die Tür öffnen. Nachdem ich dann heute einen Plastikmüllbeutel aus der Papiertonne in die Restmülltonne praktiziert habe, fiel mir ein Stapel Papiere auf. Verfassungsschutzbericht über den Kannibalen von (?). Na wenigstens bilden sich die Leute hier. Ich habe da nicht weiter in der Tonne rumgewühlt, obwohl das sicherlich ganz interessant gewesen wäre, habe mein Papier dazu gestopft und die Klappe schnell wieder zu gemacht.
Geht mich alles nichts an. Reintegration ist, womit ich mich befassen muss. Und wenn ich dann schön spare kann ich mir bestimmt bald auch mal nen Urlaub leisten. Vielleicht kommen mir dabei ja auch Aldi, Lidl, Plus und Co entgegen. Es wäre doch eine gute Idee, die Abschiebehäftlinge nach Afrika zurückrudern zu lassen. Dann könnte man besonders günstige Kreuzfahrten anbieten. Würde man den Strafvollzug privatisieren, würde so etwas bestimmt bald zum Gemeinwohl betragen. Und ne Klimaengel gibts für so eine Innovation bestimmt auch.
In Entlassungsurkunden einer Therapie steht eigentlich grundsätzlich: “XY hat wesentliche Schritte für ein zufriedenstellendes Leben gemacht und ausgebaut.” Mit meiner Therapie bin ich sehr zufrieden gewesen und meine Sichtweisen haben sich verändert. Mit 20 hätte ich zu diesem Satz gesagt: “Verarscht euch doch selber!”