Rainer S.
Rainer S.
Peter S.
SigridH
MuseSuse
Rainer S.

Mit ‘therapie’ getaggte Artikel

Urlaubsreif

Dienstag, 04. August 2009

UrlaubEs ist regelmäßig so, dass ich mich erstmal hinlege, wenn ich von der Arbeit komme. Auch heute war es nicht anders, obwohl es nicht mehr als fünf Stunden waren. Die Arbeitswoche war keine schlechte. Nachdem das Mühlrad wieder läuft, ist auch die Francis-Turbine wieder in Betrieb. Aber ich denke mir gerade: „Ich bin urlaubsreif.“ (weiterlesen…)

Wie ist Heroin eigentlich?

Dienstag, 28. Juli 2009

spritzeWie ist Heroin eigentlich? Eine schwierige Frage – auch für einen Ex-Junkie wie mich. Doch die beiden neugierigen Kellner in der Eisdiele wollen es genau wissen. Der Therapieerfolg liegt bei ungefähr 30 Prozent. Meine Erfahrungen lehren mich, daran nicht zu glauben, denn für die meisten ist der Umgang mit Heroin wie russisches Roulette… (weiterlesen…)

Eingesperrt im menschenwürdigen Folterkörper

Dienstag, 14. Juli 2009

Ist es nicht grausam, einen Menschen über Jahre in einen Klokäfig einzusperren? Soll dadurch der bessere Mensch erzeugt werden? Ist das Strafe in Menschenwürde? Wohl nicht. Wird dadurch die Verachtung und Entfremdung des Sozialen erworben? Werde ich günstigenfalls zu einem kuriosen Sexisten? Ich verachte diese Struktur des Gefängnisses. Ich verachte auch die mir zugewiesene Zelle. Das ist Dreck, Müll, Abfall. Das Letzte.

Mir soll seelisches Leid über Jahre zugefügt werden. Mit Absicht wird mir angemessener soziale Kontakt verwehrt. Es wird über mich als Sache kommuniziert und bestimmt. Ich werde vorgeführt, zentral mit irgendeinem Schweinefraß gefüttert. Ich werde verwahrt, bewegungslos, wie die letzte kleine Puppe einer ineinander verschachtelten Matroschka.

Die Straftechnik besteht erst im Erzeugen von seelischem Leid, indem ich auf ein Einzelklo reduziert werde. Dann wird mein Zustand ab und an begleitet oder behandelt. Wenn es mir schlecht geht, so sagen die Verwalter, kann ich ja in Nahdistanzobservation 14-täglich eine dreiviertel Stunde Besuch bekommen, das sei menschenwürdig, oder mit Gruppenbetreuer, Seelsorger oder Sozialarbeiter sprechen oder zum Psychiater gehen.

Die versorgen dann mein Leid. Sie mildern es sozusagen. Dazu gehört auch, dass sie mir liebevoll Ruhigsteller und Neuroleptiker geben würden, bis ich abwinke oder wenn mir auch das nicht mehr gelänge. Den Rest darf ich aber nicht vom Drogendealer nehmen. Aus all diesen Gründen verachte ich diesen Folterkörper in Menschenwürde: das Gefängnis, in das ich eingesperrt bin.

Ich will nie wieder abstürzen

Dienstag, 07. Juli 2009

Familie HundHallo an euch da draußen. Der Sommer ist da, die Ferien sind angekommen, wir genießen es. Nach meinem Unfall geht es mir langsam besser, vier Wochen ging es mir sehr schlecht. Mein Doc hat die Dosis vom Morphium ein wenig runtergesetzt. Jetzt habe ich Schmerzen und gleichzeitig ein Gift in meinem Körper. Tja, wäre schön, wenn man zaubern könnte, aber wir sind ja nicht bei “Wünsch dir was”. Leider sieht das reelle Leben komplett anders aus.

Ich habe nachdem ich mich zurückgezogen habe, lange Zeit gehabt zu überlegen, wie ich da wieder rauskomme. Mutig habe ich mich durchs Telefonbuch gekämpft und habe jemanden gefunden von der autonomen Frauenberatung. Eine tolle Frau, mit der ich reden kann und die mir hilft meine Träume zu verarbeiten.

Hatte schon zwei Sitzungen, seit dem geht es mir schon ein wenig besser. Ich glaube, ich muss noch viel lernen. Vor einigen Jahren hatte ich gedacht, nie wieder eine Therapie machen zu müssen, aber mit meiner Vergangenheit geht es nicht anders. Denn ich möchte nie wieder abstürzen und stark sein. Vor einer Woche rief mich eine frühere Klassenkameradin an, die meine Berichte in der Zeitung und hier auf dieser Seite gelesen hat. Sie möchte mir gerne in einigen Dingen helfen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich gefreut habe. Nicht weil sie mir behilflich ist, sondern einfach nur, weil ich mich so gefreut habe, wieder Kontakt mit ihr zu haben. Mein Umfeld hat sich in den letzten Jahren immer mehr verändert und das ist gut so, denn früher waren da fast nur Leute, die selber abhängig waren.

Seit letzter Woche habe ich mein Bürokram erledigt, selbst meine Rechnungen sind fast alle bezahlt, aber ich weiß jetzt schon, dass ich nur noch für zwei Wochen Haushaltsgeld habe. Im Moment versuche ich nicht in Panik zu verfallen oder mich wieder zurück zu ziehen. Wo ich gar nicht klarkomme ist, dass die Kids nicht viel unternehmen können, weil dafür kein Geld da ist!

Letzten Mittwoch haben ich und Momae, seinen Bruder zur Nordsee gefahren, er hatte eine Eignungsprüfung zum Informatiker. Diesen Test hat die Arge angefordert, in der Hoffnung, dass sie die Umschulung nicht bezahlen brauchen. Aber “oh Wunder ” ;-) Er hat bestanden. Ich bin so stolz auf ihn, aber geschafft hat er es immer noch nicht. Jetzt fehlt der Behörde noch ein Augentest… Mal sehen, wie lange die das noch heraus ziehen. Für diese Umschulung kämpft er schon ein Jahr, denn seinen Beruf darf er nach der Lehre, aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausführen. Von wegen, in Deutschland wird man gefördert! Der Tag an der Nordsee war zwar stressig und mein Rücken hat sehr geschmerzt, aber ich habe ihn genossen. Ich liebe die Nordsee fast so wie die Niederlande.

So, ich wünsche euch eine tolle Ferienwoche liebe Grüße Sigrid.

Meine Träume lasse ich mir nicht beschneiden

Donnerstag, 25. Juni 2009

Eine tiefe Benommenheit sitzt mir in den Knochen aufgrund dieser scharfen Kritik am Montag. Immer wieder drehen sich meine Gedanken um das, was da gesprochen wurde, um Vorwürfe, die eigentlich nicht so gerechtfertigt waren. Um Ruhe vor meinen kreisenden Gedanken zu haben, schreibe ich meine Wünsche zum Sommer ab, die jetzt schon in 86 Briefen Platz gefunden haben und dankbare Abnehmer. Da muss man abschalten und sich konzentrieren beim Schreiben. Eine herrliche Therapie, zur Ruhe zu kommen und andere noch mit diesen Briefen zu erfreuen.

Auch die Arbeit in der Gärtnerei tut gut, topfen von Balkonpflanzen in größere Töpfe. Meine Anpflanzungen vom Mai gedeihen prächtig. Die Tomatenpflanzen fruchten fleißig, Salat und Dill warten aufs Abschneiden, der Zucchini wächst prächtig neben den bunten Blumen im Kasten. Diese Arbeit ist beschaulich, sieht man doch das Wachsen und Werden. Ab und zu ein nettes Gespräch mit den Kollegen. Da kommt Ruhe in den Geist, bei der Beschäftigung. Ich wünsche den Blumen noch alles Gute, dass sie schön wachsen und blühen mögen.

Meine Träume lasse ich mir nicht beschneiden, für die lebe ich. Solche Angelegenheiten von Mensch zu Mensch lehren halt auch, das nächste Mal vorsichtiger zu sein, mit dem Erzählen von seinen Erlebnissen. Sei die Kritik aus Neid, berechtigt oder sonstiges. Mein Leben war bisher bunt, viele Höhen und Tiefen, gutes und weniger gutes. Es ist ein stetiges Wachsen, wenn ich es mir recht überlege. Als Jugendliche hat das gestottert, ich war gehemmt und verklemmt, hatte Minderwertigkeitskomplexe und mehr. Heute ein frei schwimmen, drauf zu gehen, überwinden, ein Werdegang über die Jahrzehnte auch durch den Verkauf der Straßenzeitung. Dadurch habe ich Selbstbewusstsein erlangt, ängste überwunden, andere Aufgaben angenommen und mich ausprobiert.

Herzliche Grüße
von Susi L. aus Jena

Fremde Hilfe oder alles auf die Selbstheilung setzen?

Montag, 22. Juni 2009

Die Ideen bleiben mir völlig aus. Ziellos leiere ich meinen Alltag herunter. Die seichten Stimmungsschwankungen, die in mein Bewusstsein schwappen, öden mich an. Meinen Gemütszustand von heute könnte man durchaus depressiv nennen.

Während meiner Drogenzeit habe ich mehrfach den Versuch unternommen, eine Psychotherapie zu machen. Dabei bin ich immer wieder auf die Tatsache verwiesen worden, dass eine solche Therapie nicht von der Krankenkasse getragen wird, wenn ein Drogenproblem besteht.

Na ja, dieses Ausschlusskriterium besteht nicht mehr. Also könnte ich mir die gelben Seiten schnappen, mir einen Therapeuten wählen und ein Vorgespräch vereinbaren. Dann könnte ich sicherlich in etwa einem halben bis einem Jahr eine Gesprächstherapie beginnen. Dieser Gedanke hellt diesen regnerischen Tag gleich richtig auf.

Die Rentenversicherung hat mir bei meiner letzten Kostenzusage für eine Drogentherapie mitgeteilt, dass es meine letzte ist. Ein Vorstrafenregister habe ich nicht, aber eine recht dicke Akte bei meiner Versicherung. Will ich diese Akte erweitern? Mir einen Arzt suchen, von dem ich nicht weiß, welche Vorbehalte er gegenüber Drogis hat?

Statistisch gesehen bin ich geheilt – mich da auf ein therapeutisches Glücksspiel einzulassen hat auch etwas Dummes. Da brauche ich nicht lange überlegen. Ein klares Nein für einen solchen Weg.

Es gibt die Selbsthilfegruppe und ich habe zu einigen Leuten aus der Drogenarbeit Kontakt. Könnte sein, dass ich dort etwas über einen zielgerichteteren Weg in Erfahrung bringen kann. Ziel in meinem jetzigen Alltag ist es, erstmal etwas rauszukriegen: Was will ich? Was will ich nicht?