Es ist zehn Minuten nach Mitternacht. Eben habe ich meine abendfüllende Beschäftigung aus der Hand gelegt. Vorbereitung meiner sieben Kalender, die zu Weihnachten und im Advent verschenkt werden. Diesmal gibt es etwas Besonderes: Vorder- und Rückseite des Kalenders mit Fotos und hinten drauf noch ein eigener Text dazu handschriftlich abgeschrieben. Das Gestalten des ersten Kalenders auf der Rückseite erfüllt mich auf das Wunderbarste. Gestern dagegen musste ich weinen, weil mich jemand ganz unverblümt angegangen ist. (weiterlesen…)
Mit ‘straßenzeitung’ getaggte Artikel
Lichtpunkte im Dunkel
Donnerstag, 12. November 2009Ich habe mich aus der Not gesungen
Freitag, 06. November 2009
Rückschau: Angefangen habe ich in bitterer Not, verschuldet, kaum Geld zum Überleben, die Bank im Nacken. Aber ich habe Hilfe gesucht und bekommen. Mein Schritt kreativ zu werden, die musikalischen Gaben hervorzukramen, etwas zu tun, hat mich gestärkt. Vor 11 Jahren hat mich eine liebe Bekannte an ein Seniorenheim vermittelt. Ich sollte die Leute ein bisschen mit Liedern erfreuen, die ich damals noch aus dem Liederbuch sang. Und was ist daraus geworden? Ein wachsendes Repertoire an Liedern und Gedichten. (weiterlesen…)
Meine Lebensphilosophie: Stell dich mitten in den Regen
Samstag, 20. Juni 2009Heute ist wettermäßig ein durchwachsener Tag. Jacke aus bei Sonnenschein, Jacke wieder an bei Regen und kühler Brise. Ich stehe auf der Johannisstraße mit den Zeitungen auf dem Arm. Vor mir sind Bauarbeiter damit beschäftigt, neues Pflaster zu legen, das alte Potschwarz-Pflaster auszutauschen, gegen etwas Ordentliches. Der Motor der Kreissäge singt in einer bestimmten Tonlage. Mir fallen intuitiv Melodien ein zu diesem Motorakkord. Dastehend, summend, Vorbeieilenden nachschauend, Wolken fliegen sehen, meine Zeit füllende Beschäftigung.
Eine Studentin nimmt eine Zeitung. Für sie Gedichte, darunter Wolfgang Borcherts “versuch es”:
Stell sich mitten in den Regen. Glaub an seinen Tropfensegen. Hüll dich in sein Raunen ein und versuche gut zu sein.
Dieses Gedicht begleitet mich schon bald 30 Jahre. Meine Lebensmaxime, wie das Glaubensbekenntnis, wichtig für mich dieses auch zu leben. Die Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft – ständige Begleiter unseres Seins in gestern, heute und morgen. Nun weiter mit Wolfgang Borchert:
Stell dich mitten in den Wind, glaub an ihn und sei ein Kind. Lass den Sturm in dich hinein und versuche gut zu sein. Stell dich mitten in das Feuer, liebe dieses Ungeheuer in des Herzens rotem Wein und versuche gut zu sein.
In diesem Sinne, Grüße aus Jena von der Musesuse
Modell stehen für fünf Liter Apfelsaft
Freitag, 12. Juni 2009
Heute gab es etwas Besonderes für mich. In der Musik und Kunstschule Jena Modell stehen bei den Zeichenklassen, mit Gesang und Geschichten über mein Leben berichten. Ja, 48 Jahre haben Spuren hinterlassen, erfreuliche, weniger erfreuliche, Erfahrung mit Gewalt und anderen Dingen. Das Leben schreibt seine Geschichten und für jeden ist etwas dabei. Lernenswertes, Nachdenkliches, Hoffnungsvolles.
Im Halbkreis saßen die Malschüler vor ihren Staffeleien und zeichneten, die Lehrerin mit dabei. Vor zehn Jahren habe ich das letzte Mal Modell gestanden. Wo ist nur die Zeit beblieben? Die Kunstwerke durfte ich bestaunen. Sehr schöne Porträtstudien von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gemalt. Zwischendurch gab es mal einen leckeren Kuchen. Jemand Liebes brachte mir drei Riesenstängel Rhabarber mit, der nächste ein schönes Buch und kulinarische Kostbarkeiten. Von der Musikschule hatte ich mir fünf Liter Apfelsaft gewünscht.
In einer Woche darf ich noch mal Modell stehen. Darauf freue ich mich schon. Werde einige Briefe mit Wünschen zum Frühling und Sommer von mir erdacht, da verschenken. Bis dahin möchte ich noch einige Strophen von dem schönen Paul Gerhardt Lied lernen, “Geh aus mein Herz und suche Freud”.
Der Sommer gewinnt immer mehr an Raum, die Ferien, die Freuden der warmen Monate. Lassen wir uns verzaubern und bei allen eventuellen Schieflagen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
Herzliche Grüße aus Jena von der Musesuse
Literarisch verpackte Lebensinhalte
Freitag, 12. Juni 2009Gestern war Buchvorlesung in einem Kirchenzentrum in Jena. Arbeitslose, Schreibende vom MobB e. V. (Menschen ohne bezahlte Beschäftigung) stellten ihr neuestes Buch vor, gesponsert von jenawohnen GmbH. Der Saal war voll mit Menschen, die den gelesenen Geschichten lauschten. Einen Dichter, der zwei Lieder umgedichtet hatte, begleitete ich auf der Gitarre. Den Refrain sangen alle mit. Für mich ist das Schreiben auch ein wichtiger Lebensinhalt. Eigentlich noch wichtiger als das Fotografieren. Momente festhalten, Stimmungen. Immer ist Papier und Stift im Rucksack dabei.
So lese ich gern meine Reisebeschreibungen von unterwegs, Wandereindrücke, Gedanken. Den lesenden Schriftstellern ist das auch ein wichtiges Anliegen, meist kritisch ihr Dasein kommentieren oder in herrlichen Gedichten besondere Momente zaubern, wie der Zyklus am Meer von Reinhard Doberenz. Ein Komponist und Dichter, der mit ganz viel Herzblut all seine Gedichte auswendig vorträgt. Nach einer kleinen Diskussion und dem Verkauf einiger Bücher, gingen alle erfüllt ihre Wege.
Für mich Anlass, die Gitarre in den Rucksack zu stecken und noch ein wenig den Straßenzeitungsverkauf zu frönen. Immerhin fünf Zeitungen verkauft in zwei Stunden. Jemand Liebes schenkte mir zehn Euro. Das verdiente Geld reichte für Spargel und wichtige Einkäufe im DM-Markt. Gestern hat der Verdienst für ein gelbes Baumwolltuch gereicht, das alte war halb zerfallen. Jeder gelebte Tag ist ein Geschenk.
Eine erfüllte Zeit wünscht
Suse L aus Jena
Wie die Straßenzeitung in die Wirtschaft kommt
Donnerstag, 28. Mai 2009Letzte Woche war ein Benefizlauf zugunsten der Telefonseelsorge, in der Stadt. Es gab am Start Bratwurstmarken und T-Shirts mit Aufdruck Telefonseelsorge, die ein Einkaufszentrum spendierte. Die Strecke belief sich auf ca. drei Kilometer rund um Jenas Innenstadt, Läufer, Radfahrer und Spaziergänger formierten sich unübersehbar durch die Straßen.
Ich war auch dabei. Gut, dass es diese Einrichtung gibt. Habe dort schon Hilfe erfahren. Manchmal gibt es doch Fragen oder Lebensgeschichten, die man loswerden möchte. Jemand der zuhört oder nützliche Tipps bereit hat, da ist die Telefonseelsorge gerade richtig. Beim Pfarrer oder lieben Freunden kann man sich auch gut austauschen.
Nach der Wanderung im Zug mit dem leuchtenden T-Shirts, nahm ich dankbar die Bratwurst in Empfang und ein Becher mit Wasser. Eine Jazzkapelle spielte zur Unterhaltung. Später traf ich liebe Musenschwester. Sie lud mich ein, in ihrer Gaststätte zu verweilen, bei guten Kaffee und Würzfleisch. Herrlich, die gelbe Farbe des Mangosaftes, passend zu meinen bunten Sachen.
Kerstin kauft immer fünf Straßenzeitungen und legt sie dann im Gatto Bello aus, zum Lesen. Wir erzählten miteinander und freuten uns über den schönen Tag. Reich beschenkt mit Eindrücken, Bildern, gut gespeist und getrunken zu haben, nette Gespräche, eine dicke Umarmung von Kerstin und einige Zeitungen verkauft, ging es nach Hause.


