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SigridH
Rainer S.
SigridH
Rainer S.
Thorsten Bathe

Mit ‘schmerzen’ getaggte Artikel

Ströme abscheulicher Bilder und Töne

Montag, 20. Juli 2009

Sigrid und Markus (beiden vielen Dank) haben mir zu den Bildern in meinem Kopf ein paar Tipps gegeben. Wohltuende Worte. Wochen danach plagen mich immer noch diese Ströme abscheulicher Bilder und Töne. Es ist im Glauben an Gott sicher respektabel, sich das Ende dieser Störungen zu wünschen. In so vielen Fürbitten habe ich das auch schon getan.

Ich denke diese Zeiten haben auch etwas mit meinem Zustand zu tun. Wenn ich mich gut fühlen kann, bin ich offen für Weiches und Hartes. In meiner gänzlichen Verwundbarkeit schmerzt eben fühlbar mehr.

Der jüngste Auslöser war die Geschichte einer Kollegin, die von ihrer Familientrennung berichtete. Im Nachsinnen darüber hörte ich noch Kindergeschrei in der Nachbarschaft. Mir kam Gänsehaut und Angst erfüllte mich. Um mich abzulenken ging ich in den Garten um großen Mengen Brennnesseln den Garaus zu machen. Es brannten die Arme von der Berührung, die Bremsen bissen schmerzhaft – es ging mir gut.

Wie ein schwerer Rucksack

Montag, 20. Juli 2009

Heute ist wieder einer der Tage, an denen ich nur noch heulen kann. Ich habe das Gefühl, ich könnte schreien und keiner hört es. Es ist erst der 20. Juli und doch bin ich pleite, diesen Monat geht gar nichts mehr. Habe zwar meine Versicherung, die Schulbücher und die Haushaltshilfe nach meinem Unfall bezahlt. Für eine Geburtstagsfeier für Nicky hat es dann aber nicht mehr gereicht. Er sagt zwar, es macht ihm nichts, aber das glaube ich ihm nicht.

Die Versicherung des Unfallgegners lässt sich Zeit. Viel hatten meine Kids noch nicht von den Ferien, es gibt hier zwar Ferienpässe, aber auch das kostet Geld. Selbst mein Wohngeld fehlt mir seit drei Monaten. Dieses Leben am Minimum und mit der Behinderung, nie wieder arbeiten zu können, ist wie ein schwerer Rucksack auf meinem Rücken.

Wie soll man sich auf das Leben freuen, wenn immer mehr an Scheiße passiert. WER KANN MIR HELFEN? Ich muss diese Zeit, als Zeit meines Lebens ansehen, wo ich mich kennenlerne und versuche, die Zeit und auch mich zu verstehen und damit fertig werden.

Wenn man dann unsere Politiker hört, könnte ich zusätzlich kotzen. überall wird vertuscht und sich gegenseitig gefetzt, statt nach Lösungen zu suchen. Es wird gemogelt, wo es geht. Angeblich ist die Talfahrt der Wirtschaft gestoppt ;-) . Die Arbeitslosenzahlen halten sich noch in Grenzen. Klar, wenn die Arge oder das Arbeitsamt jeden aus dem Verhältnis raus nimmt, der eigentlich nur einen Bewerbungskurs oder sonstige Kurse besucht. Es werden Debatten über Rente geführt, aber ein neues System kann man nicht erstellen.

Man wundert sich, dass jeder dritte erwirtschaftete Euro für Soziales ausgegeben wird. Man sollte sich mal fragen, warum das so ist. Wenn eine Familie sich mit zwei Einkommen nicht über Wasser halten kann, woran kann das liegen? Mindestlöhne? Wie kann es sein, dass es Familien gibt, die noch nie gearbeitet haben und selbst deren Kinder Hartz IV bekommen während andere um jeden Cent kämpfen müssen? Warum bekommen unsere Politiker Diäten? Wer bezahlt denn deren Renten? Fragen über Fragen, aber die größte Frage ist: Wann wird sich etwas ändern?

Eine Yacht bereitet mir Zahnschmerzen

Donnerstag, 02. Juli 2009

Yacht OctopusSoeben habe ich die dritte Penicillin Packung angebrochen. Diese Zahngeschichte ist ärgerlich. Und, es ist mir jetzt erst aufgefallen: Sie ist es schon seit zwei Jahren. Ich muss dringend eine Zusatzversicherung für Zahnersatz abschließen und hoffen der Zahn gibt Ruhe, für die Zeit bis die Versicherung wirksam wird.

Am Wochenende bin ich auch auf etwas gestoßen, was wie ein langer Zahnschmerz wirkt. Ba war in Cannes, kurz vor den Filmfestspielen, und hat mir ein paar Fotos gezeigt. Auf drei Fotos habe ich die Octopus wiedererkannt. Die Yacht war der letzte Job in meinem Beruf (etliche Polstermöbel, deren Zeichnungen, Konstruktion, Bemusterungen…). Von der Innenausstattung gibt es keine Bilder, vertraglich ausgeschlossen, aber einige Fotos von der Außenansicht des Schiffes habe ich doch.

Ein Kampf in Körper und Seele

Montag, 22. Juni 2009

Hallo an alle da draußen, habe lange nicht mehr geschrieben. Nach meinem Unfall habe ich mich zurückgezogen, drei Wochen ging es mir richtig schlecht. Meine Freude über das Auto ist verflogen, denn die Realität hat mich wieder eingeholt. Moma ist auch so ein Ding passiert. Er wollte mein Auto richtig vor die Garage stellen und statt Bremse drückt er aufs Gaspedal. Eine Beule und der Abfluss der Regenrinne ist demoliert, zum Glück ist ihm nichts passiert. Dachte an meine Jugend, war mir früher auch sicher, dass ich Auto fahren konnte, wurde auch eines Besseren belehrt. Vorletzte Nacht steht mein Auto an der Straße und mein Spiegel wurde abgetreten. Manchmal kann ich selber nicht glauben, was für eine Scheiße nach der anderen passiert.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera: Schmerzen oder Opiate

Mein Geld neigt sich zu Ende, der Kampf im Alltag geht weiter. Mein Bürokram wächst mir über den Kopf, meine offenen Rechnungen geben mir den Rest. Nach über 14 Jahren habe ich Kontakt zum BTM, habe letzte Woche ein Schmerzpflaster bekommen. Die ersten Tage waren am Schlimmsten, musste mich andauernd übergeben, als wenn ich auf Shore wäre.

Das Schleudertrauma gab mir den Rest an Schmerzen, die ich noch ausgehalten habe. Meine Schmerzen sind zwar weniger, aber in meinem Körper Opiate zu spüren, ist nicht leichter. Mein Kampf findet im Moment in meinem Körper und in meiner Seele statt. Muss meine Depressionen in Schach halten. Jeden Tag kämpfe ich mit mir sogar um ganz einfache Erledigungen. Gerade jetzt sind so viele Sachen, die ich erledigen muss.

Müsste eine Bank überfallen um Schulbücher bezahlen zu können

Mein “kleiner Sohn” kommt auf die Realschule und Moma in die 10. Klasse. Beide haben gute Zeugnisse und ich bin sehr stolz auf sie. Habe schon die Bücherbestellung bekommen, weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll, mal eben so locker 100 Euro dafür, dann kommen noch die Hefte und alles andere dazu. Bin echt am überlegen wo die Gelder herkommen sollen, kann ja eine Bank überfallen :-) .

Wenn die Wirtschaft noch mehr runtergeht, und das wird sie, dann hoffe ich nicht mit uns. Im Moment kann ich noch nicht einmal beten, habe jeglichen Mut verloren. Ziehe mich von all meinen Bekannten und Freunden zurück, ich weiß dass, das nicht richtig ist. Möchte jemand am meine Seite haben, der mich auffängt und meine bzw. unsere Sorgen gemeinsam teilt. Aber so jemanden zu finden ist genauso schwer, wie ein Sechser im Lotto. Und ich gebe zu, eine kleine Hexe zu bändigen ist auch nicht leicht :-) .

Puh, war gar nicht so einfach mich wieder zu öffnen, aber es tat richtig gut.
Liebe Grüße
Sigrid

Nur nicht umkippen in Amsterdam

Sonntag, 14. Juni 2009

Am zweiten Tag des Segeltörns bekam ich Zahnschmerzen. Die Schmerzen nahmen ständig zu und ich bin dann in Terschelling zu einem Zahnarzt gegangen. Rezeptfreie Schmerzmittel schlugen nicht mehr wirklich an und als mir der Zahnarzt dann lediglich Penicillin verschrieb, war ich an meiner Grenze.

Ich beschloss nach Osnabrück zu fahren um schnellstens zu meinem Zahnarzt zu kommen. Am Mittwoch sind wir dann aber erst so spät im Hafen angekommen, dass es keine Zugverbindung mehr gab. Donnerstag habe ich es mir dann nicht mehr zugetraut die Strecke zu fahren, ohne einfach umzukippen. Umkippen. Hätte ich im Bahnhof Amsterdam meinen Anschlusszug verpasst, und mir wäre jemand begegnet der Heroin, Metadon oder Codein im Angebot hat, ich hätte nicht garantieren können was passiert. Mit Aussicht auf Behandlung und ein absehbares Ende der Schmerzen denke ich schon, da wäre nichts passiert. Aber wenn ich mir vorstelle, ein Ende wäre nicht in Sicht gewesen???

Gestern war ich dann beim Notdienst und dort konnte mir auch geholfen werden, aber jedes Bücken vermeide ich im Augenblick noch tunlichst. Aber die Woche Segeln war auch nicht nur eine Strapaze, Erholung war es allerdings auch nicht. Mir graut vor der nächsten Woche. Da steht noch eine Behandlung an. Leider eine, die nach meinen bisherigen Erfahrungen, das unangenehmste ist, was ein Zahnarzt zu bieten hat. An der Stelle bin ich mit mir ganz zufrieden. Es gelingt mir, mich nicht zu verspannen, gehe zu einem solchen Termin und erst wenn ich dann auf dem Stuhl sitze, denke ich Scheiße”.

Notate eines hauptberuflichen Menschenverstehers I

Freitag, 29. Mai 2009

11.05.09
Gerenne und Gequatsche – der Tag so aufregend wie ein Stapel schmutziges Geschirr. Zu bewältigen zwar, aber wo bleibt die gute Laune? Alles so beiläufig und normal. Die Lektüre von Chateaubriand der einzige Thrill zwischendurch. Und das war auch noch ein fiktionaler.

“Augenblicke der Krise bewirken eine Steigerung der Lebenskräfte” (Francois-René De Chateaubriand)

13.05.09
Wir sitzen in der Nachbesprechung kuschelig zusammen, zu neunt verteilt auf fünf Sitzgelegenheiten. Kollegiale Beschreibungspower ohne Punkt und Komma. Abschließend fordert der Sozialarbeiter: “Erzähl doch jemand noch was Lustiges.” Antwortet die Praktikantin: “Dieses Büro”. Wahrheit oder Witz, wer will das schon wissen?

“We’re just ordinary people, we don’t know which way to go” (John Legend)

19.05.09
Große Nachfrage, viele Gespräche unterwegs. Monika lästert über Lenas lackierte Fußnägel. Die berichtet mir ausführlich von ihrer Pediküre. Und ich frage mich: Wo ist das Heilige im profanen Reich der Süchtigen?

“Junkies brauchen keine Fußpflegerin. Es gibt bei ihr nichts, was sich zu klauen lohnt. Wie viel kann man schon für eine Schachtel Hühneraugenpflaster und Warzensalbe rausschlagen?” (Mark Billingham)

22.05.09
Ein Leben ist ja dann interessant, wenn es viel Glück enthält, und auch ein bisschen Schmerz. Aber wie interessant ist erst ein Leben, in dem der Schmerz überwiegt? Wenn ich mir Karl-Heinz vor Augen führe, kenne ich die Antwort: gar nicht.

“Because when the smack begins to flow I really don’t care anymore” (The Velvet Underground)

27.05.09
Wieder Gerenne und Gequatsche. Aber bevor ich mich im deskriptiven Leerlauf ergehe, zu dem Tag heute nur soviel: gut überstanden. Gleiches gilt übrigens auch für meinen Kater Hubert.

“Von einer Katze lernen, heißt siegen lernen. Wobei siegen locker durchkommen meint, also praktisch: liegen lernen” (Robert Gernhardt)