Anna Maria Haas
Anna Maria Haas
Rainer S.
LutzS
Bauschert
Bessy

Mit ‘polizei’ getaggte Artikel

Alles war perfekt …

Donnerstag, 22. Oktober 2009

„Für was soll ich noch leben?“, fragte uns ein Mann, der seit einigen Jahren ohne festen Wohnsitz lebt. Seine Lebens- und Leidensgeschichte ist tragisch.  Eine glückliche Ehe, zwei gesunde Kinder, ein kleines Reihenhaus und einen festen Job als Lehrer. Alles war perfekt, bis an jenen verschneiten Wintertag, der sein Leben aus den Fugen riss. (weiterlesen…)

Der Weihnachts-Blinddarm

Freitag, 25. September 2009

Der Vater von drei erwachsenen Töchtern war regelmäßiger Besucher unserer Beratungsstelle. Die Jüngste wohnte noch bei den Eltern. In der letzten Zeit war sie in zweifelhafte Gesellschaft geraten und hatte deshalb auch Kontakt mit der Polizei. Als sie zu uns kam, waren wir erstaunt. Hatten wir sie doch als sehr schlankes Mädchen in Erinnerung und jetzt war sie so um die Taille , na – etwas unförmig. Bei uns läutete eine Alarm-Glocke. (weiterlesen…)

Ein bisschen Risiko bereichert das Leben

Montag, 20. Juli 2009

Samstag habe ich mit Micha geredet. Per Telefon. Skype macht’s möglich. Von Micha hatte ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört und das Gespräch gestern war sozusagen mein Wochenend-Highlight. Bei dem, was er so erzählte, bekam ich etwas Fernweh. So berichtete er zum Beispiel etwas von einem Kurzurlaub an der koreanischen Grenze. Er ist dort mit seinem russischen Reisebegleiter in eine Schlägerei geraten. Hörte sich recht turbulent an. Festnahme, ein Tag bei der chinesischen Polizei, ein üppiges Essen mit den Polizisten, die sie eingeladen hatten und das Angebot die Krankenhausrechnung zu übernehmen – oder 10 Tage Haft

Gewalt ist das Letzte, so habe ich das hier mal geschrieben und so meine ich das auch. Und weder Micha noch ich haben da irgendwelche Ambitionen. Wirklich geprügelt habe ich mich das letzte Mal mit zwölf.

Fernweh? Mir fehlen die Situationen, in denen man nicht mit Vorsicht und überlegung heraus kommt. Ich denke da an einen Urlaub in Spanien. Während ich Auto fuhr, wurde mir ein Bong gestopft. Anders als sonst wollte ich anhalten um ihn zu rauchen und sah mich nach einer Haltemöglichkeit um. Die Einfahrt passt, sieht aus wie ein Schlachthof. Direkt vorm Tor hielt ich und rauchte den Bong, blies den Rauch aus und sah mich um. Ein Schlachthoftor hat nicht diese Sehschlitze, ist denn wohl doch eher ein Knast. Ich stellte mir den Beamten auf der anderen Seite des Tores vor und fuhr amüsiert weiter. Bisschen mehr Risiko würde mein Leben schon bereichern.

Du bist ja nie erreichbar

Dienstag, 16. Juni 2009

So vieles habe ich zu schreiben. Mittendrin im Upload von neuen Informationen auf meiner Homepage versagte das DSL den Dienst. Störung! Ein paar Tage hat es gedauert, ungeachtet dessen lief die Arbeit mit der Selbsthilfe weiter. Nun bin ich wieder online.

Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wie viel Online ist eigentlich erforderlich um sich uneingeschränkt zu fühlen. Manchmal beunruhigt es mich, wenn ich telefonieren kann. Wegen Notarzt und Polizei und so. Aber alles andere ist hin und wieder ein amüsanter Zustand. Während ich die Leute toben sehe und voller Unruhe immer hektischer in ihren Bemühungen bloß wieder mit der Welt verbunden zu sein, genieße ich die Stille. So ist der Computer ein wahrlich interessantes Instrument um Gedanken zu verbreiten, wenn er aus ist – ist er aus.
Auch mein Handy kennt meine Gelassenheit, wenn der Akku mal wieder leer ist. Manchmal ist es mein Akku, manchmal ist es der vom Funktelefon. Ich lade es dann sorgsam auf und habe zuweilen ein wenig Angst, wenn es dann wieder klingelt. Oft ist dann jemand dran, der vor dem ersten Grußwort erstmal einen niederschmetternden Vorwurf loswerden muss. “Du bist ja nie erreichbar!” Ich staune, fühle mich verletzt und denke so bei mir: “Wenn Du wüsstest WIE SEHR ich erreichbar bin.”

Liebe Grüße aus der Offline-Zeit
Lutz

Der Problembär

Mittwoch, 18. März 2009

Kurz nach seinem 18. Geburtstag kam Herr R. mit seiner frisch bestellten Betreuerin zum Vorstellungsgespräch wegen Aufnahme in den Jakobushof. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er eine Menge Probleme hat. Er ist zu 60 Prozent schwer behindert, hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, aus allen möglichen Jugendhilfemaßnahmen ist er rausgeflogen oder hatte diese selbst abgebrochen.
Herr R. hatte eine auffällige Jacke an, die farblich und vom Kunstfell her sehr nach Problembär aussah. In einer Hilfekonferenz mit Jobcenter, Kreissozialamt, Jugendamt und uns besprachen wir, ob wir ihn aufnehmen sollen oder ob nicht eine Hilfsmaßnahme des Jugendamtes in Frage kommt.

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes sagte, Herr R. sei “austherapiert”
, sie sähen keine Möglichkeit mehr für ihn, als eine Maßnahme bei uns. Somit kam er ein paar Tage später zur Aufnahme und wohnt seither in einem Einzelzimmer, in dem sich die leeren Pizzapackungen ebenso wie die verschmutzte Wäsche und anderer Unrat stapeln. Das Zimmer ist einfach völlig verräumt. Dazwischen sitzt er vor dem Fernsehgerät beispielsweise morgens gegen halb neun, wenn er schon längst im Arbeitsbereich seine Gerichtsstunden ableisten sollte.

Gestern fand eine Vernehmung der Polizei statt. Es ging um Diebstahl. Um einer weiteren Strafanzeige zu entgehen, entriss er sich der Verkäuferin in einem Drogeriemarkt, wo er gerade die DVD Batman II geklaut hatte. Schon vor der Vernehmung fragte der Beamte am Telefon, ob er so eine auffällige Felljacke habe. Natürlich war es Herr R. mit seiner Problembärjacke, die ihn zusätzlich verriet.
Herr R. braucht sehr viel Zuspruch und Begleitung, um nicht weiter abzurutschen. Immerhin hat er ein sonniges Gemüt und hat fast immer ein Lächeln im Gesicht.

S.O.S – wer ist ist vor meiner Tür?

Samstag, 14. März 2009

Freitag auf Samstagnacht. Uhrzeit 0:36. Ich würde S.O.S. senden an jemanden, da ich seit ca. 30 Minuten etwas an meiner Türe höre. Da ich hier alleine bin, und um diese Uhrzeit keiner zur Stelle sein kann, bin ich jetzt total verunsichert, da ich zwar jetzt gerade durch den Türspion gesehen habe oder doch nicht? So möchte ich aber die Person, die ich gesehen habe beschreiben; Helle, braun-blonde, gelockte Haare, mittel-lang und eine weinrot-braune mit zwei gelben Streifen, einer je Arm. Größe nicht zu erkennen.

Zittere wieder so sehr und weiß jetzt gar nichts mehr. Soll ich die Polizei rufen oder ist da doch jetzt gerade keiner? Was mach ich jetzt, anrufen oder nicht … und keiner telefonisch zu erreichen, der es mir sagen kann. Habe gerade nämlich … weil ich denke, wenn ich die Polizei jetzt anrufe kann ich nicht weil in mir die Gedanken, die ich hier aufschreibe, muss mir die Lösung in Angst – Panik – Unsicherheit – und die Gedanken, dass die Polizei wenn ich nicht bald eine Antwort bekommen.

Totale Verzweiflung gerade
Ist da jemand oder nicht???
Was weiß ich jetzt um 0:54
Ist da jemand oder nicht

Mache Musik an, laut, Uhrzeit egal und versuche mich davon weg zu denken, was ich weiß oder nicht.