LutzS
Thorsten Bathe
SigridH
Rainer S.
SigridH
Bessy

Mit ‘panik’ getaggte Artikel

Ich will, dass es aufhört

Montag, 25. Mai 2009

Immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem mich bestimmte Bilder in meinem Kopf stören. Diese “Baustelle” kenne ich schon seit Jahren. Nichts, was ich nicht schon versucht hätte, damit das vorbeigeht. Zulassen, einordnen, als einen Teil von mir akzeptieren, … Es gibt so manchen Ansatz – die für mich beruhigende Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Bilder beschreiben immer wieder das Horrorszenario aus meinem frühen Leben. Der Umgang mit ihnen ist mir ein Greul.

Am Wochenende kam wieder so ein Schub. An diesem Wochenende hätten meine Eltern Geburtstag gehabt. Es war der Gang am Kalender in der Küche vorbei zum Garten. Ein wenig Ruhe am Nachmittag, und plötzlich begann die innere Vorführung von ganz allein. Ich spreche oft über diese Problematik mit einer Vertrauensperson. Diese Frau (eine Suchttherapeutin) geht manchmal ungewöhnliche Wege mit mir, um diesen Bildern das Störende zu nehmen. Sie hat bis hierher einen Weg mit mir gefunden den ich gehen kann, ohne vor mir und dem, was da in mir geschieht, davonzulaufen. Alles im Griff? Eher nicht, denn ich will das es aufhört!

Liebe Grüße
Lutz

Unreines Treibgut

Dienstag, 05. Mai 2009

Außen und innen.
Außen Gelassenheit, innen Chaos. Ein hartes Knäuel unerfüllter Wünsche. Und
eine Kraft, die Jonas regelmäßig packt und einholt, wenn sich das
innere Meer mal wieder zurückzieht. Wie ein Fisch am Haken. Bei der Flut zuvor
war es wunderschön. Allerdings verdünnt die das Gift in seinem Körper. Und sie
führt jede Menge unreines Treibgut mit sich, das zurückbleibt, wenn die Ebbe
einsetzt.

Jonas kennt die
inneren Gezeiten nur zu gut. Er weiß, dass seine Rezeptoren, an die das Heroin
andockt, wieder frei gespült werden und die Endorphine verschwinden.
Sie lösen
den Kick aus und halten den Schmerz fern. Bloß keine körperlichen Qualen – das
ist heute für Jonas die Hauptmotivation
Drogen zu konsumieren: “Ich kann mich nur noch gesund machen. Kopfkino kannste’
sowieso vergessen. Ich bin schon froh, wenn’s mir ein kleines bisschen wärmer
wird. Hauptsache nicht affig sein”.

“Gesund machen” und
“nicht affig sein” heißt für Klienten, keine Entzugserscheinungen zu erleiden. Keine
übelkeit, keine Gliederschmerzen oder Krampfanfälle. Der Schmerz strömt dann in
ihren Körper wie eiskaltes Wasser durch einen aufgerissenen Schiffsrumpf. Die
panische Angst davor ist oft der Grund für die wahnsinnigsten Reaktionen.

Anders lassen sich der Verlust jeglicher Hemmungen und der Abzock untereinander
nicht erklären. Die logische Konsequenz für viele Heroinabhängige:
Hop-oder-top. Oder wie Jonas zu sagen pflegt: “Scheiß doch der Hund drauf.”

Bei Jonas setzt das
Fluten des inneren Meeres immer seltener ein, das unreine Treibgut nimmt stetig
zu
. Aber diese Erkenntnis reicht bei weitem nicht aus, ihn davon abzuhalten,
zu tun, was er glaubt, tun zu müssen. Irgendwo habe ich einmal aufgeschnappt,
dass das Chaos die gleichzeitige Anwesenheit verschiedener Ordnungen sei.
Einerseits. Andererseits denke ich: Das Chaos ist wie das Meer. Weltumspannend
und immer in Bewegung.

Hilfe, kann es noch viel tiefer gehen?

Donnerstag, 16. April 2009

Ich kann nicht schlafen und versuche mich mit Schreiben abzulenken. Das Tagebuch ist mir wichtig geworden und in der “Stille der Nacht” gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Fast schon zu viele, mir geht es nicht so gut! Ich erzähle erst mal meinen weiteren Tagesablauf, vielleicht kann mich jemand verstehen oder hat die gleichen Gefühle auch schon mal erlebt.

Nachdem ich es geschafft habe, einem Frisörtermin (als Model) zu bekommen, habe ich mich nur kurz gefreut. Bin danach nochmals spazieren gefahren mit dem Rollstuhl. Wir wohnen am Stadtrand, da kann ich noch die Natur genießen. Selbst der Abend war schön und doch … Das Fernsehen interessiert mich auch nicht.
Spüre einen Druck in meiner Brust …einfach beklemmend. Ich weiß warum, und kann doch mein schlechtes Gefühl nicht abstellen. Durch meine Therapien habe ich gelernt, herauszufinden, warum es mir selbst in guten Situationen doch nicht gut geht.

In meinem ganzen beschissenen Leben musste ich trotz Beziehungen oder Ehen, Sucht, Kids, etc. immer alleine klar kommen. Leute mit meinem Sternzeichen Wassermann – Ratte sind meistens Einzelkämpfer. Bis zur Sekretärin habe ich mich hochgearbeitet, die Schulden waren noch überschaubar und dann wird man krank, sodass man nicht mehr arbeiten gehen kann. Mein Exmann spielt seit der Trennung mit den Unterhaltsgeldern (er schuldet mir jetzt noch sehr viel Geld).

Und jetzt schaffe ich es einfach nicht mehr alleine. Ich fühle mich so hilflos, so allein gelassen. Ich weiß im Moment nicht damit umzugehen, dass ich solche Schritte gehen muss. Habe in der Form noch nie um Hilfe gebeten. Ich habe immer hart im Leben gearbeitet und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als um Hilfe zu bitten. Und das Schlimmste für mich, ich muss es einfach machen, denn ich weiß, wenn ich es nicht mache, dann werden wir ziemlich bald untergehen. Und meine ängste steigen, dass es keine Hilfe geben wird. Mein Gott, und was mache ich dann? Wo geht unser weiterer Weg hin, kann es noch viel tiefer gehen?

Versuche es doch noch mal aufs Neue und schäle mich aus meinem Rollstuhl. Höre noch ein wenig Musik. Peter Fox “Alles neu” passt sogar …

Ohne Restwärme kein Überleben

Mittwoch, 01. April 2009

In den Webtagebüchern habe ich gerade den aktuellen Eintrag von Frau Dr. Maria Goetzens gelesen. Upps, ich habe die Webseite noch auf und es macht pling “your raiting has been registrated”, und fünf Sterne erscheinen. War mir bisher noch nicht klar wie man Bewertungen abgibt. Glücklicherweise sind fünf Sterne aber auch die Bewertung, die ich bewusst gewählt hätte.
Der Eintrag spricht mich sehr an, mit diesem Thema habe ich meine eigenen Erfahrungen. Und es sind keine guten. Der Eintrag geht mir sogar richtig unter die Haut. Mir hat da in der Zeit, in der ich eine Psychose hatte, sehr wenig geholfen. Als letzten Kontakt zur Welt hatte ich eigentlich nur Micha und seine Freundin. Geholfen hat mir auch ein Pfleger, zu dem ich einen guten Zugang hatte, der mir ganz einfach menschlich begegnet ist.

Haldol ist wie drei Promille ohne Brechreiz

Sonst war da nicht mehr viel. Nach einem Psychiatrieaufenthalt hat mir ein Neurologe ein Rezept ausgestellt, er hat mich noch nicht einmal gesehen, der Entlassungsschein hat ihm genügt. Haldol. Ich habe das Rezept gesehen und konnte es nicht fassen. Der Sprechstundenhilfe sagte ich, dass ich damit schon mal einen Selbstversuch gemacht hätte und ich mir nichts Schlimmeres vorstellen könnte. Die Medikamente haben sich ja doch verbessert, ich brauchte mir da keine Sorgen machen. Ich wusste, dass sich die Medikamente verbessert haben und ich war auf einem solchen verbesserten Medikament eingestellt. Ganz ohne Medis komme ich nicht zurecht, wusste ich, aber Haldol ist Haldol, wie Aspirin eben Aspirin ist.
Haldol ist wie drei Promille ohne Brechreiz, wie Emotion zum Sezieren in Formalin eingelegt. Wie Seele, die erlebt aber gefesselt ist. Ein Bewusstsein, das bemerkt, dass die Zunge angeschwollen aus dem Mund hängt und sabbert und eine Motivation, die gerade noch dazu ausreicht aufs Klo zu gehen.
Chemischer stereotaktischer Eingriff (siehe: Einer flog übers Kuckucksnest). über Heilung habe ich mir früher schon oft Gedanken gemacht. Was macht Heilung aus, welche Faktoren gibt es da und warum kann ein Placebo oder ein Schamane manchmal besser helfen als klassische Medizin?

Die Umwelt heilt mit – wenn sie es kann

Körper, Geist, Seele? Es gibt einen eigenen Willen, den es braucht um geheilt zu werden. Es gibt Mittel, die meinen Körper beeinflussen (Obst, Wohnung und manchmal Medikamente). Und es gibt eine Umwelt, die an einer Heilung beteiligt ist. Ein Schamane setzt sich mit dem Kranken sehr persönlich, menschlich auseinander. Er bringt manchmal eine ganze Dorfgemeinschaft dazu Anteil zu nehmen und als Mittel kann dann auch ein Hokus Pokus ausreichen, einen Placebo-Effekt auslösen.
Wir haben klinisch belegt wirksame Mittel und der Rest ist Kostenfaktor. Es gibt viele, die nur noch wenige Funken menschlicher Wärme in ihrem Leben bekommen. Das Lächeln einer Verkäuferin beim Brötchenkaufen, oder eine Apothekerin, der man anmerkt, dass sie etwas verwirrt und betroffen ist, wenn sie merkt, dass es nicht 10mg sondern 100mg Tabletten sind, die auf dem Rezept stehen.
Ich glaube, diese Restwärme ist überlebenswichtig. Und ich glaube, es ist hilfreich die Dinge die quälen zu überwinden, auf sie einzugehen und sie zu bearbeiten. Psychopharmaka ist pure Leidenskonservierung (meine ungefilterte Meinung). Sicher, sie kann davor bewahren sich nicht aufzuhängen, aber wenn ich mir ein Leben mit Haldol vorstelle, würde ich das als Fehler betrachten. In den Einträgen von Frau Goetzens finde ich viel von dieser Wärme, die für mich mal überlebenswichtig war. Dafür ganz dicke fünf Punkte.

Angst und Panik – Es bleibt so viel zurück

Dienstag, 31. März 2009

Heute Nachmittag kam meine zweite Haushaltshilfe. Die eine hilft mir in der Pflege und im Haushalt und die andere hilft mir bei meinem Bürokram und bei “Außergewöhnlichem”. Vor einem Jahr hatte ich noch eine vom Gericht zugewiesene Betreuerin für das Schriftliche, aber ich bin stolz, dass ich es mit “kleiner Hilfe” schon relativ alleine schaffe.
Meine Panik- und Angstattacken habe ich ein wenig besser im Griff. Die bekomme ich bei Behörden, im Supermarkt, an Stellen wo sich viele Menschen aufhalten. Und an Tagen, wo ich merke, es reicht das Geld wieder mal nicht oder ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen. Das ist auch so was, was von meiner Drogen- und Tablettenabhängigkeit zurückgeblieben ist, es bleibt soviel zurück… Depressionen, ängste bis hin zur Panik. Schade dass man das nicht vorher glaubt.

GefühlsgedankenPANIK-ANGST

Samstag, 14. März 2009

Die heute Nacht unfreiwillig gemachte Erfahrung im Zusammenhang mit der Tatsache, dass es gestern zu spät war um Hilfe zu kontaktieren und ich heute immer noch ganz ganz allein bin (ohne eine andere Person zum Kontaktieren, Beruhigen, Spiegeln etc.) würde ich als eine Art gedanklicher Gefühlspanik beschreiben.

GefühlsgedankenPANIK-ANGST. Unsicherheit? Unsicherheit, auch weil ich mich ganz allein mit dieser Situation auseinandersetzen musste, dem, was ich sehe und höre … Für mich gefährliche Gedankenströme werden in einer totalen Hundertstelsekunden-Schnelle zu verwirrten Gedanken im Sinne von: “Was mach ich jetzt, oder nicht?”

Mit allem, was ich jetzt in meinem Alleinsein an Angst und Panik merke, ohne Rückkoppelung mit einer Freundin oder irgendjemand sonst, bin ich innerhalb von einer Stunde nicht in der Lage, auf andere Gedanken zu kommen bzw. mich langsam da weg zu denken. Mit so einer Erfahrung und mit diesem gefühlten Parameter in meinem Kopf kann es meiner Meinung nach binnen einer Stunde letztlich zu einer nicht mehr rückgängig zu machenden Gedankenvernetzung kommen. AUF JEDEN FALL VERMEIDEN!