Rainer S.
LutzS
SigridH
Rainer S.
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Mit ‘ohnmacht’ getaggte Artikel

Positive Entwicklung vs. negative Vergangenheit

Samstag, 04. Juli 2009

Letzten Montag hatte eine Frau aus unserer Selbsthilfegruppe einen Gerichtstermin. Es ging um die Rückführung ihrer beiden Kinder, die während der letzten zweieinhalb Jahre in einer Pflegefamilie lebten. Ich kenne sie seit zweieinhalb Jahren und ich habe es selten erlebt, dass jemand sich ähnlich positiv weiterentwickelt.

Das Gericht hat ihr, mit dem Hinweis dass man ihr das Sorgerecht entzieht, falls sie nicht einwilligt, geraten ihre Klage zurückzuziehen. G. hat sich notgedrungen darauf eingelassen. Die Pflegemutter hat gute Kontakte zum Jugendamt, es ist nicht die erste Pflege, die sie durchführt. Von diesem Verlauf habe ich einiges mitbekommen und ich denke, beim Taktieren der Pflegemutter seit längerer Zeit schon, dass das ein Vorgehen ist, das man in einem Scheidungskrieg erwarten würde.

Letzten Freitag musste G. dann im Beisein der zuständigen Sachbearbeiterin des Jugendamtes ihren Kindern mitteilen, dass sie erstmal nicht zu ihr nach Osnabrück kommen können. Erklären, dass es so besser ist. Begründet wurde diese Amtshandlung damit, dass die Kinder sich noch stabilisieren und den Vertrauensverlust bewältigen müssen. Die kleinere Tochter hat einfach nur geweint und mit dem Kopf geschüttelt, die größere stumm vor sich hin geblickt. Sie sollte nach den Sommerferien hier in OS eingeschult werden.

Mich hat mit drei Jahren ein weniger einschneidendes Erlebnis dazu gebracht, Erwachsenen pauschal nicht mehr zu trauen. Mag sein, dass ich befangen bin, mag sein, dass bei solchen Entscheidungen jeder befangen ist. Aber ich sehe das so: Ein Richter und eine Frau vom Jugendamt, die keine anfechtbaren Entscheidungen treffen wollen. Eine Kinder-Psychologin, die bestens mit der Pflegemutter kann. Eine Gutachterin, die sich dann doch lieber den Meinungen anschließt. Kinder, die nicht gefragt werden und eine Mutter, die eine Vergangenheit hat.

Bei dieser Sache fällt mir diese Seite ein http://hoerstdumich.wordpress.com/category/die-punkerin. Darin kommt auch ein Entscheidung über eine Pflegefamilie vor. Mir geht dazu mehr durch den Kopf, als ich hier jetzt schreiben will. Außerdem ich wollte mir heute ja ne schönen Tag machen. 45ster Geburtstag. 4. Juli – Unabhängigkeits-Tag.

Ich will, dass es aufhört

Montag, 25. Mai 2009

Immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem mich bestimmte Bilder in meinem Kopf stören. Diese “Baustelle” kenne ich schon seit Jahren. Nichts, was ich nicht schon versucht hätte, damit das vorbeigeht. Zulassen, einordnen, als einen Teil von mir akzeptieren, … Es gibt so manchen Ansatz – die für mich beruhigende Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Bilder beschreiben immer wieder das Horrorszenario aus meinem frühen Leben. Der Umgang mit ihnen ist mir ein Greul.

Am Wochenende kam wieder so ein Schub. An diesem Wochenende hätten meine Eltern Geburtstag gehabt. Es war der Gang am Kalender in der Küche vorbei zum Garten. Ein wenig Ruhe am Nachmittag, und plötzlich begann die innere Vorführung von ganz allein. Ich spreche oft über diese Problematik mit einer Vertrauensperson. Diese Frau (eine Suchttherapeutin) geht manchmal ungewöhnliche Wege mit mir, um diesen Bildern das Störende zu nehmen. Sie hat bis hierher einen Weg mit mir gefunden den ich gehen kann, ohne vor mir und dem, was da in mir geschieht, davonzulaufen. Alles im Griff? Eher nicht, denn ich will das es aufhört!

Liebe Grüße
Lutz

Auf der Autobahn der Gefühle allein am Steuer

Donnerstag, 14. Mai 2009

Auf der Autobahn - ©  sk_design - Fotolia.comWie immer: Ich kann nicht schlafen, habe Kopfschmerzen. Eigentlich müsste ich schlafen wie ein Bär, aber leider auch in dieser Nacht … nichts. Es ist wie verhext. Eigentlich kein Wunder, denn was ich in letzter Zeit hinter mir gelassen habe, finde ich zumindest enorm. Mein Leben dreht sich in einer Schnelligkeit, die ich im Moment gar nicht so in Worte fassen kann. Tausende von Gedanken und Gefühlen, die durch mich hindurchrasen.

Klar habe ich einige Menschen um mich herum, mit denen ich mich austauschen kann, aber es fehlt mir mit einem Mal etwas, das ich selbst nicht so ganz verstehe. Im Moment hätte ich gerne jemanden, der mich blind versteht und mich auffängt in diesem Gefühlschaos. Ich habe ab und zu in Selbsthilfegruppen und kleineren Seminaren von mir und meine Vergangenheit gesprochen, aber nicht in solcher öffentlichkeit.

Ich meine, bewusst dazu zu stehen und einen ganz neuen Anfang zu wagen, noch mal einen neuen Abschnitt zu begehen. Ich weiß, er wird nicht schlecht sein, aber es macht halt auch ein wenig Angst. Und heute Nacht, dachte ich zum ersten Mal darüber nach, wie es halt wäre, wenn ich doch jemand vertrauen könnte. Das mit mir und dem Vertrauen ist halt auch so eine Sache. Wer weiß schon, was das Leben für überraschungen bringt und ich denke, mit ein wenig Gottesvertrauen … Ist auf jeden Fall besser, wie wenn ich mich, wie “zu meinen besten Zeiten” tätowiert habe.

Wie ein Telefonat mit einem anderen Stern

Freitag, 24. April 2009

Mir fliegen die Gedanken nur so durchs Hirn. Die Eindrücke dieses Tages bringen mich an meine Grenzen. Ich komme gerade von einem Termin mit dem Veranstalter des Workshops und einem Mitarbeiter der Gemeinde-Unfallversicherung. Ich fühle mich wie ein Alien. Reden kann ich schon mit allen, aber oft merke ich, das ist wie mit einem anderen Stern zu telefonieren.
Ich steige hier jetzt gar nicht auf die Sachen ein die mich im Einzelnen genervt haben, wäre zu ausufernd. Als Eindruck, der zu dem passt, nur die folgende Beobachtung:

Im Regionalbus fiel mir auf, dass da pro Sitz eine Radio angebracht ist. Die meisten jüngeren haben Handy, MP3-Player und sind versorgt. Die meisten älteren haben – denke ich – meistens kein Interesse sich auf der Fahrt berieseln zu lassen. Also ein Angebot für die Leute dazwischen, die natürlich alle einen Kopfhörer dabei haben. Wie schön, dass hier 0,05 Prozent Minderheiten berücksichtigt werden. Macht dann auch nichts, wenn man die Knöpfe für den Haltewunsch kinderfreundlich an die Decke montiert, weil die Radios eben den Platz einnehmen, wo die sonst sitzen.

Kann ich alles sehr gut verstehen. Den Verkäufer der Radios, den Busunternehmer und den PR-Idioten, der ihn gut aussehen lässt. Alles hochintelligente, engagierte Menschen, die ja schließlich auch leben wollen. Dummheit tut weh. Nicht, dass es an den anderen liegt, nein, PR-Idioten kann ich wie gesagt gut verstehen. Es tut weh, in dem Bus zu sitzen und selber zu blöde zu sein, an solchen Feinheiten irgendetwas ändern zu können.

Na gut, es kann mir eigentlich auch egal sein, wenn in ein paar Jahren standardmäßig Trendberater mit zum Bus gehören. Aber wenn es um ein paar andere Dinge geht tut, mir mein Unvermögen schon weh. Wenn man sich einen Begriff von Junkieverhalten machen will, sollte man sich die Gesellschaft als Ganzes ansehen. Da kommt kein einzelner Junkie mit.

Im Kampf gegen die Armut

Freitag, 24. April 2009

Hallo an alle da draußen, die sich für diese Seite interessieren. Habe diese Woche ein wenig gebummelt mein Tagebuch zu schreiben. Mir geht es im Moment gar nicht gut. Meine Schmerzen (habe heute eine Spritze bekommen) sind diese Woche besonders schlimm und meine Depressionen kamen durch. An manchen Tagen denke ich: Als ich abhängig war, konnte ich so einen Mist besser ertragen. Aber dann erinnere ich mich auch gleichzeitig daran, wie es ist im Drogensumpf unterzugehen. Also, es hilft ja nichts. Ich muss da nüchtern durch… für mich.

Habe euch bei meinem letzten Eintrag erzählt, dass Moma Konfirmation hat. Das sollte ein schönes und wichtiges Ereignis in seinem Leben sein. Wie immer in meinem Leben geht auch dieses Ereignis nicht ohne Kampf vonstatten. Letzte und vorletzte Woche habe ich viele Unternehmen angeschrieben mit der Bitte um Hilfe. Bisher kamen nur Absagen oder gar keine Antworten. Es sind zu viele, denen es schlecht geht.

Schade, aber ich werde weiter kämpfen für ein besseres Leben für meine Kinder und für mich. Jetzt erst recht. Ich möchte euch ans Herz legen, lasst euch nicht entmutigen, sagt eure Meinung und kämpft mit anderen gegen die Armut. Was sagte ich noch vor Kurzem? Die Politiker wollen es nicht sehen, wie es in Deutschland und der Welt aussieht und was ist diese Woche? Erst jetzt kommt man dahinter. Ist doch lächerlich!

Wir Deutschen sind ja ein geduldiges Volk. Warten ab, bis es knallt und selbst dann warten wir noch ab. Die Regierung macht Schulden ohne Ende, und alles bleibt auf der Strecke. Die nächsten Jahre werden sehr hart werden. Ich möchte auch gerne Diäten erhalten, schade dass ich so blöd war und nur Alterpflegerin und Sekretärin war. Hätte in die Politik gehen sollen, denn die bekommen schon nach sechs Monaten eine Pension, wenn sie arbeitslos werden. Und die sehen ganz anders aus als meine Rente …

Hilfe, kann es noch viel tiefer gehen?

Donnerstag, 16. April 2009

Ich kann nicht schlafen und versuche mich mit Schreiben abzulenken. Das Tagebuch ist mir wichtig geworden und in der “Stille der Nacht” gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Fast schon zu viele, mir geht es nicht so gut! Ich erzähle erst mal meinen weiteren Tagesablauf, vielleicht kann mich jemand verstehen oder hat die gleichen Gefühle auch schon mal erlebt.

Nachdem ich es geschafft habe, einem Frisörtermin (als Model) zu bekommen, habe ich mich nur kurz gefreut. Bin danach nochmals spazieren gefahren mit dem Rollstuhl. Wir wohnen am Stadtrand, da kann ich noch die Natur genießen. Selbst der Abend war schön und doch … Das Fernsehen interessiert mich auch nicht.
Spüre einen Druck in meiner Brust …einfach beklemmend. Ich weiß warum, und kann doch mein schlechtes Gefühl nicht abstellen. Durch meine Therapien habe ich gelernt, herauszufinden, warum es mir selbst in guten Situationen doch nicht gut geht.

In meinem ganzen beschissenen Leben musste ich trotz Beziehungen oder Ehen, Sucht, Kids, etc. immer alleine klar kommen. Leute mit meinem Sternzeichen Wassermann – Ratte sind meistens Einzelkämpfer. Bis zur Sekretärin habe ich mich hochgearbeitet, die Schulden waren noch überschaubar und dann wird man krank, sodass man nicht mehr arbeiten gehen kann. Mein Exmann spielt seit der Trennung mit den Unterhaltsgeldern (er schuldet mir jetzt noch sehr viel Geld).

Und jetzt schaffe ich es einfach nicht mehr alleine. Ich fühle mich so hilflos, so allein gelassen. Ich weiß im Moment nicht damit umzugehen, dass ich solche Schritte gehen muss. Habe in der Form noch nie um Hilfe gebeten. Ich habe immer hart im Leben gearbeitet und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als um Hilfe zu bitten. Und das Schlimmste für mich, ich muss es einfach machen, denn ich weiß, wenn ich es nicht mache, dann werden wir ziemlich bald untergehen. Und meine ängste steigen, dass es keine Hilfe geben wird. Mein Gott, und was mache ich dann? Wo geht unser weiterer Weg hin, kann es noch viel tiefer gehen?

Versuche es doch noch mal aufs Neue und schäle mich aus meinem Rollstuhl. Höre noch ein wenig Musik. Peter Fox “Alles neu” passt sogar …