Was hat sich seit dem letzten Eintrag getan? Meine Verrichtung ist geplatzt: “Warten auf meinen Sweety“. Wir haben uns Anfang September frei gegeben und getrennt. Die Romantik ist gescheitert. Völlig unerwartet? Die Umstände der Trennung waren kurios. Wenn die Sehnsucht übermächtig wird, sucht sie bei den bedürftigen, begehrenden Menschen einen Ausweg. Doch wenn sich ein Paar trennt, ist Trauerarbeit notwendig. Isolation, um Abstand zu erzeugen. Das haben der Sweety und ich vereinbart, achtsam, liebevoll. Viele Menschen wissen nicht, wie das geht. (weiterlesen…)
Mit ‘liebe’ getaggte Artikel
Selbstmitleid ist mein größtes Talent
Montag, 21. Dezember 2009Was bleibt?
Montag, 03. August 2009Heute schreibe ich meinen letzten Beitrag hier und versuche ein abschließendes Fazit zu ziehen. Der Freiheitsentzug ist, wie ich dir ansatzweise zeigen wollte, ein „anthroposophisches Trainingslager“, so würde Sloterdijk sagen. Es ist ein egozentrisches Übungssystem, in dem jeder sich selbst überlassen ist. Doch was wird darin trainiert? (weiterlesen…)
Schöne Dinge gegen den Hartz-IV-Frust
Mittwoch, 15. Juli 2009Guten Tag, da bin ich wieder. Irgendwie komme ich nicht umhin, noch mal über meine verflossene Beziehung zur Anne zu schreiben, zumal ich ihr versprochen habe, mich diesen Samstag ein letztes Mal, von ihr zu einem Tag in Brüssel einladen zu lassen. Ihr zuliebe. Vor allem spüre ich dann, wie angenehm Hartz 4 mit dem “Privileg” Familienrückhalt sein kann. Und um wie viel entspannter, gelöster, sorgenloser und somit auch viel freier sie den Tag genießen kann.
Anne sagte zu mir: “Wenn ich den Hartz-4-Frust nicht durch schöne Dinge wie, Essen gehen, Kaffee trinken gehen, schöne Sachen einkaufen, mal ein paar Tage wegfahren und auch mal ins Kabarett zu gehen, kompensieren könnte, würde es mir auch schlechter gehen.” Na ja und genau das ist es, was uns ungleich werden lässt, wodurch das Gemeinsame verloren geht. Ich wünsche uns, dass ich mich an diesem Tag nicht von meinen Aggressionen gegen diese Ungerechtigkeit übermannen lasse.
Den Liebenden gehört die Welt
Montag, 06. Juli 2009Mit Romantik ist es ja wie mit dem Mond und der Nacht. Dem Wald oder dem Strand. Was meinst Du? Wenn ich Dir Romantik erklären müsste, also meine persönliche – das, was mich anrührt, etwa so – dann ist es die Sache mit dem Mond und dem Wald: Mein Sweety ist nah und bei mir, ich bin mit ihr verschmolzen, eins geworden. Und sie weiß: Die Nacht (und ich) sind nicht das Böse oder das Unheimliche, sondern das Mysteriöse… das uns (sie) schaudert und zugleich anzieht. Uns, den Liebenden, gehört die Welt. Tröööt!
Die Anstaltströte ist ein dunkler Grundton, er entzerrt und durchdröhnt meine Gedanken, aber nur so, dass es lediglich stört, nicht aber mich aufschreckt. Es ist das Signal, das in das Drecksloch dringt, als wenn ein Dampfer in einem mit Mistwasser verseuchten Schifffahrtskanal quer einläuft und alles beiseite hornen will. Es ist aber Zeit heißes, sauberes Wasser zu fassen, dann Schließgeräusche. Der sogenannte Aufschluss für Nichtarbeiter steht an.
Wie der Verderbte Romantik erlebt
Samstag, 04. Juli 2009Gern sage ich, die Zeit des Knastes häng ich einfach hinten dran und werde damit umso älter. Inzwischen habe ich allerdings feststellen müssen, dass ich mindestens 98 Jahre alt werden muss, um die Haftzeit auszugleichen, wenn ich von durchschnittlicher Lebenserwartung eines männlichen Wesens ausgehe. Leider ist das eine doppelte Illusion. Zum einen ist mein Opa auch ohne Knast 94 geworden. Diese Berechnung – eine typisch männliche – hätte ich mir also besser ersparen sollen.
Zum anderen entgehe ich hier nicht dem seelischen Leid und es wirkt noch nach der Haft auf mein weiteres Leben. Es wird in mir stecken, auf ewig in meinem Körper. Ich habe schon mal etliche Jahre gesessen. Ich weiß, wovon ich spreche. Wenn ich Glück habe – so genau weiß ich es nicht – bin ich sentimentaler geworden.
Die besondere Form des Gefühlsausdrucks ist eine Verzärtelung und Sensibilität den anderen Menschen und Ereignissen gegenüber – außerhalb von mit Strafe bedrohten Taten natürlich. Ob das erstere dann etwas mit Liebe zu tun hat, mit Liebesfähigkeit? Doch die böse Seite dringt in die andere. Bin ich für dich also ein Verbrecher, der dann eben in einer Spezialform rührselig sensibel sein kann? Ein bizarrer Romantiker?


