Thorsten Bathe
MuseSuse
MuseSuse
MuseSuse
MuseSuse
MuseSuse

Mit ‘kunst’ getaggte Artikel

Auf Koks ist jeder ein Künstler

Montag, 22. Juni 2009

“Thorsten? Ey, das gibt’s doch gar nicht.” Mein Blick muss mich verraten haben. Aber wenn man sich nach über 15 Jahren zufällig in der Kölner Innenstadt noch einmal über den Weg läuft, darf man das wiedererkennende Hallo auch mal vermissen lassen. Es müssen erst noch ein paar Groschen fallen, bis sich die Milliarden Neuronen in meinem Gehirn sortiert haben. Dann aber richtig. Darf ich vorstellen: Max. Maler und bildender Künstler.

Als wir uns 1993 in Hamburg kennen gelernt haben, drohte ihm akutes Nierenversagen. Sein physischer und psychischer Zustand waren besorgniserregend. Dazu beliefen sich seine Drogen-Verbindlichkeiten auf über 80.000 D-Mark, zu zahlen an die damals herrschende Telefongesellschaft. Er war auf die glorreiche Idee gekommen, seine afrikanischen Dealer über Monate für Kokain frei Haus vom eigenen Anschluss in die Heimat telefonieren zu lassen. “Ich würde sagen: Beschaffung mal kreativ gelöst”, erklärt mir Max mit einem Zwinkern. Wir beobachten zusammen das Treiben auf dem Neumarkt. “Letztendlich haben meine Eltern das dann gerichtet. Später habe ich ihnen jedoch einen großen Teil des Geldes zurückgezahlt.” Vor lauter Aufregung gehen mir viele Fragen durch den Kopf.

Als Sozialarbeiter im illegalen Drogenmilieu erlebe ich es nicht oft, dass es jemand schafft, sich langfristig wieder eine legale Existenz zu erarbeiten. Die meisten Karrieren verlaufen wie eine Treppe – leider abwärts. “Ein Wunder, dass du doch noch die Kurve bekommen hast. Was ist damals passiert?“, frage ich schließlich. “Zwei Momente Klarheit“. Max blickt mich ernst an. “Kaum hatte ich früher die Lines in der Nase, war ich der Größte. Rembrand meets Dali in Personalunion. Selbstüberschätzung und Selbstzufriedenheit ohne Maß. Schnelle Witze, spritzige Antworten, noch schnellere Ideen. Weltmeister im Bilder raushauen. Einfach lächerlich. So lächerlich, wie die Skizzenentwürfe nach jeder weiteren durchgekoksten Nacht”, ereifert er sich und fügt ruhiger hinzu: “Letztlich überzeugt hat mich dann aber die Geschichte mit Conny. Sie zog die erste Line. Plötzlich ein Schrei. Blut strömte aus ihrer Nase. Das Kokain war mit Glasstaub versetzt. Da hat es bei mir endlich Klick gemacht. So von wegen auf Koks ist jeder ein Künstler. Das ganze geheimnisvolle, euphorische Gerede – alles Geschwätz.

Heute habe ich mir einen Traum verwirklicht

Freitag, 19. Juni 2009

Der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu. Auf dem Markt ist großes Zusammenpacken angesagt, ein Klappern, Türen schlagen, Motorengeräusche, Gemurmel. Ich sitze am Fuße des Hanfrieds, unseres Universitätsgründers und schreibe. Heute habe ich mir wieder einen Traum verwirklicht. In unserer Stadtkirche spielte jemand Nettes so schön Orgel. Freies Spiel, Improvisation. Ich ging auf die Empore und bat ihn im Piano zu spielen. Dazu gab es gelesene Gedichte, Liedtexte aus dem Gesangbuch und frei Gesprochenes von mir. Das war ein Gefühl, da oben zu stehen und zu rezitieren, in die große Hallenkirche hinein.

Einige Leute waren im Gotteshaus, die sich alles ansahen. Früh war es mir schwindelig und ich habe mich zum Arbeiten gezwungen. Und mittags dieses Geschenk, dieser Moment, dieses innige Erleben – einfach toll. So etwas stärkt, macht Freude und ist lange in der Erinnerung. Davon zehre ich an Tagen, wo es mir nicht so gut geht. Wie Sternstunden der Menschheit – unvergesslich. Meinem Orgelspieler gefiel diese Aktion auch gut. Vielleicht, wenn es die Zeit hergibt, wiederholen wir dieses Experiment. Da fällt mir doch folgendes Zitat ein von Charlie Chaplin “Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum”.

Mut zu guten Taten wünscht Musesuse aus Jena

Modell stehen für fünf Liter Apfelsaft

Freitag, 12. Juni 2009

Heute gab es etwas Besonderes für mich. In der Musik und Kunstschule Jena Modell stehen bei den Zeichenklassen, mit Gesang und Geschichten über mein Leben berichten. Ja, 48 Jahre haben Spuren hinterlassen, erfreuliche, weniger erfreuliche, Erfahrung mit Gewalt und anderen Dingen. Das Leben schreibt seine Geschichten und für jeden ist etwas dabei. Lernenswertes, Nachdenkliches, Hoffnungsvolles.

Im Halbkreis saßen die Malschüler vor ihren Staffeleien und zeichneten, die Lehrerin mit dabei. Vor zehn Jahren habe ich das letzte Mal Modell gestanden. Wo ist nur die Zeit beblieben? Die Kunstwerke durfte ich bestaunen. Sehr schöne Porträtstudien von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gemalt. Zwischendurch gab es mal einen leckeren Kuchen. Jemand Liebes brachte mir drei Riesenstängel Rhabarber mit, der nächste ein schönes Buch und kulinarische Kostbarkeiten. Von der Musikschule hatte ich mir fünf Liter Apfelsaft gewünscht.

In einer Woche darf ich noch mal Modell stehen. Darauf freue ich mich schon. Werde einige Briefe mit Wünschen zum Frühling und Sommer von mir erdacht, da verschenken. Bis dahin möchte ich noch einige Strophen von dem schönen Paul Gerhardt Lied lernen, “Geh aus mein Herz und suche Freud”.

Der Sommer gewinnt immer mehr an Raum, die Ferien, die Freuden der warmen Monate. Lassen wir uns verzaubern und bei allen eventuellen Schieflagen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Herzliche Grüße aus Jena von der Musesuse

Morgenstimmung ohne Medikamente

Freitag, 12. Juni 2009

Es ist 5.30 Uhr in der Frühe. Um 4 Uhr dämmerte es und die Nacht erhellte sich langsam. Ich wurde geweckt von dem Gesang der Vögel um diese Zeit. Im Radio war das Nachtkonzert zu hören, Klassik am Morgen etwas feines und dazu schön gefrühstückt. Der gestrige Tag hatte etwas Berührendes. Bilder ziehen an mir vorüber, Gesprächfragmente.

War noch kurz am Abend beim lieben Freund, zum Geburtstag. In der WG waren etliche Gäste. Es verlief sich alles. Man merkte gar nicht so, dass ungefähr 20 Studenten da waren. Ja, 25 Jahre wird man nicht alle Tage. Mein Sohn Johannes hat dem Tobias ein Gedicht geschrieben, in kurzer Zeit, auf meine Anfrage hin. Ist sehr gut angekommen.

Heute früh um 5 Uhr habe ich noch ein fleißiges Lieschen oder auch Impatiens genannt, aus eigener Vermehrung umgetopft. Das bekommt das Geburtstagskind noch nachträglich. Nun wird der geschenkte Morgen noch genutzt mit schreiben.

Selbst wenn der Schlaf mal kurz ist, sollte man sich nicht gleich Gedanken darüber machen. Ich kenne Zeiten, wo das auch mal eine Woche anhielt, früher noch länger. Das war dann der Punkt, wo der Nervenarzt unruhig wurde und die Medikamente erhöhte. Es gibt gute Möglichkeiten sich zu beschäftigen, zu lesen, zu schreiben, aufzuräumen nur keine Angst aufnehmen. Habe die Erfahrung gemacht, dass sich das wieder einpegelt, auch mit wenig Medikamenten.

Viele schöne Momente wünscht
Susi L. aus Jena

Literarisch verpackte Lebensinhalte

Freitag, 12. Juni 2009

Gestern war Buchvorlesung in einem Kirchenzentrum in Jena. Arbeitslose, Schreibende vom MobB e. V. (Menschen ohne bezahlte Beschäftigung) stellten ihr neuestes Buch vor, gesponsert von jenawohnen GmbH. Der Saal war voll mit Menschen, die den gelesenen Geschichten lauschten. Einen Dichter, der zwei Lieder umgedichtet hatte, begleitete ich auf der Gitarre. Den Refrain sangen alle mit. Für mich ist das Schreiben auch ein wichtiger Lebensinhalt. Eigentlich noch wichtiger als das Fotografieren. Momente festhalten, Stimmungen. Immer ist Papier und Stift im Rucksack dabei.

So lese ich gern meine Reisebeschreibungen von unterwegs, Wandereindrücke, Gedanken. Den lesenden Schriftstellern ist das auch ein wichtiges Anliegen, meist kritisch ihr Dasein kommentieren oder in herrlichen Gedichten besondere Momente zaubern, wie der Zyklus am Meer von Reinhard Doberenz. Ein Komponist und Dichter, der mit ganz viel Herzblut all seine Gedichte auswendig vorträgt. Nach einer kleinen Diskussion und dem Verkauf einiger Bücher, gingen alle erfüllt ihre Wege.

Für mich Anlass, die Gitarre in den Rucksack zu stecken und noch ein wenig den Straßenzeitungsverkauf zu frönen. Immerhin fünf Zeitungen verkauft in zwei Stunden. Jemand Liebes schenkte mir zehn Euro. Das verdiente Geld reichte für Spargel und wichtige Einkäufe im DM-Markt. Gestern hat der Verdienst für ein gelbes Baumwolltuch gereicht, das alte war halb zerfallen. Jeder gelebte Tag ist ein Geschenk.

Eine erfüllte Zeit wünscht
Suse L aus Jena

Mit der Erde kannst du spielen

Sonntag, 24. Mai 2009

Ein Gewitter entlädt seine Blitze und die schweren Regenwolken am Abend dieses warmen Maitages. Das grelle Licht der Blitze erleuchtet gespenstisch die Dunkelheit. Im Radio ertönt eine mir bekannte Sinfonie. Meine Gedanken kreisen immer noch um die Erlebnisse des Tages. Die frische Erde, mit der ich Blumenkästen gefüllt habe. Dieses Gefühl, der Geruch, mit den Händen zu schaufeln. Da wird man zum Kind. Gärtnerischer wäre ja eine Schaufel zu nehmen, um die Kästen noch schneller zu füllen…

“Mit der Erde kannst du spielen.” So heißt es in einen Kirchenlied. Etwas zu schaffen, da in die Kästen zu pflanzen, Gemüsepflanzen, Kräuter, Blumen, auch zusammen. Paprika neben Basilikum und Petunie und anderes oder Pflücksalat und Dill zusammen mit Blumen. Das ist nicht nur interessant zu pflanzen, sondern auch wachsen zu sehen. Die Kästen schmücken dann unsere schöne Gärtnerei, gleich als Beispiel, was so kreativ möglich ist.
übrigens die Musik im Radio war die 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, aufgeführt in der Dresdener Frauenkirche, sagte der Sprecher. Obwohl ich zurzeit schlecht laufen kann - ich hatte mich Anfang der Woche so sehr an der Badtür gestoßen, Zehen sind angeschwollen – war es doch ein erquicklicher Tag. Werde Freitag mal einen Arzt aufsuchen deswegen. Aber dieses Gefühl in der frischen Erde herumzuarbeiten und Pflanzungen entstehen zu lassen, hat mich alle Schmerzen vergessen lassen. Möge alles schön wachsen, blühen, Früchte tragen und unsere Herzen erfreuen.