Rainer S.
Rainer S.

Mit ‘heimat’ getaggte Artikel

Die alte Falle

Montag, 29. Juni 2009

Wenn ich im Rahmen einer Therapie etwas von meinem Besuch bei Ba gesagt hätte, hätte das sicherlich einige Einzelgespräche nach sich gezogen. Doch der Besuch bei Ba war nicht alles. Ich habe noch deutlich einen drauf gesetzt: Um für die anstehende Reparatur des Mühlrades mein Schweißgerät zu holen, bin ich mit dem Auto nach Detmold gefahren. Da ich früher fertig war als geplant, und noch Zeit bis zu meiner Verabredung blieb, dachte ich, ich fahr mal bei Raske vorbei. Er ist bekennender Heroin- und Alkoholabhängiger. Bestimmt seit 25 Jahren. Er hat nicht eine stationäre Entgiftung, geschweige denn eine Therapie gemacht.

Wieso ich auf den Trichter gekommen bin, ihn zu besuchen? Schon vor einiger Zeit habe ich von Micha gehört, dass Raske angefangen hat zu schreiben. Das interessiert mich und ich habe schon öfter daran gedacht, es würde mich reizen eine Collage aus erlebten Kurzgeschichten zusammenzutragen. Raske könnte da einiges beitragen. Klar weiß ich, dass so mancher Therapeut da die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Klar weiß ich auch, was die meinen, wenn es darum geht sich abzugrenzen, Gefahren aus dem Weg zu gehen, nicht mit dem Feuer zu spielen.

Aber das ist keine Therapie, die ich im Augenblick mache. Vor einiger Zeit, mit Zahnschmerzen auf dem Bahnhof von Amsterdam rumzusitzen, das hätte mich schon überwindung gekostet nein zu sagen. Raske zu besuchen, das Shoreblech vor ihm auf dem Tisch, nein das hat mich keine überwindung gekostet.

Aber ich weiß, dass ich mich nicht allzu lange dieser Aura aussetzen will. Eine Aura die einlädt, mal die Füße auszustrecken, zu plaudern – sich zuhause zu fühlen. Die alte Falle. Die andere Falle ist, sich im eigenen Leben nicht anwesend zu fühlen. Das heute war eine Sache, die ich wollte.

Nicht nur der Besuch bei Raske und Ba haben heute Erinnerungen in mir wachgerufen. Wenn ich mit dem Auto oder auch mit dem Zug unterwegs bin, kommen mir oft Erinnerungen ins Bewusstsein. War nicht gerade wenig heute. Aber ich merke, mit diesem Tag bin ich ganz zufrieden.

Wohin mit den heimatlosen Gefühlen?

Freitag, 26. Juni 2009

Ba kenne ich schon seit 27 Jahren. Sie ist eine der wenigen, mit der ich Kontakt gehalten habe. Allerdings auch mit Unterbrechungen. Als wir in Bielefeld lebten – beide auf Heroin, beide immer mit den letzten Kröten auf der Suche nach Shore - sind wir getrennte Wege gegangen. Drogenabhängigkeit lässt keinen Platz für Freundschaft. Gerade haben wir uns für Sonntag verabredet.

Früher ist es mir schon mal aufgefallen, dass ich mich eigentlich nur dort wirklich wohl fühlte, wo es auch Tiere gab. Es sind nicht allzu viel Leute bei, oder Orte an denen ich mich zuhause fühle. Zuhause. Das besetzte Haus war Zuhause für mich. Das AJZ in Bielefeld, die alte Pauline in Detmold. Punk war ein Zuhause. Egal wo ich hingetrampt bin, ich war nicht allein. Detmold war für mich Zuhause.

Wenn ich Sonntag nach Bielefeld fahre, weiß ich, an diesen Gefühlen kann ich nicht anknüpfen. Ba ist noch mit Meta substituiert, und sie kifft noch. Wenn ich mich in das Gefühl Zuhause sinken lasse und eine Wasserpfeife steht neben mir?

Eine Ersatzsucht, die mich mit Endrorphinschüben versorgt, wie Marathon oder Segelkunstflug, habe ich bisher nicht gefunden. Ein Dogma mit Drogenersatzfunktion, so etwas habe ich auch nicht zu erwarten. Meine Gefühle werden wohl noch eine ganze Weile heimatlos sich hierhin und dorthin bewegen. Bis ich dann vielleicht irgendwann ein Zuhause in mir entdecke.