Nun bin ich wieder in Jena. Die Arbeit in der Gärtnerei und mit der Zeitung ruft. Ersteres am meisten, denn sonst nimmt kaum jemand den Besen in die Hand. Es gibt verschiedene Arbeiten, die mir angetragen sind, wie Reinigungsarbeiten, Klopapier nachlegen und anderes. Mit den schönen Erinnerungen an die Berge, am Sonnabend sind wir noch auf 2100 Meter gestiegen, mache ich mich mit Freude an meine Aufgaben. (weiterlesen…)
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Von guten Mächten wunderbar geborgen
Freitag, 31. Juli 2009Von leichten und schweren Prüfungen
Montag, 29. Juni 2009Nun ist es wieder ruhig in meiner Wohnung. Mein Sohn ist abgereist, haben ihn noch zum Bahnhof begleitet. Drei Tage war er hier und hat auch seine Freunde getroffen. Für uns kochte Johannes ein wunderbares Essen. Am Donnerstag verlas der Junge einen eigenen Text nach der Mittagsandacht und ich sprach von Dietrich Bonhoeffer das Gedicht “Von guten Mächten wunderbar geborgen”. Es ist ein Text, der uns beide betrifft und viele andere auch.
Jeder geht seinen Weg und muss doch leichtere und schwerere Prüfungen bestehen im Leben. Johannes hat in seinen jungen Jahren auch schon viel erfahren müssen. Ich hoffe, dass es bei Nikotingenuss bleibt und nicht Alkohol und Drogen wieder einen Stellenwert finden in seinem Dasein. Zurzeit schreibt er an zwei Theaterstückchen, das eine ist autobiographisch angelehnt.
Meine Schwermut ist gewichen mit diesem Unwohlsein, Beklommenheit nach harter Kritik einer Chorschwester. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr bei solchen Dingen. Ist doch Kirche auch ein offener Raum für Kunst, für Leben und für alles, was unserem Herrgott Freude macht. Ich denke im Gebet an diese Schwester mit, meinen Sohn und vieles andere. Rabidranath Tagore hat mal gesagt: “Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.”
Alles Liebe wünscht Susi L. aus Jena
Wie Alltägliches zur großen Freude wird
Dienstag, 23. Juni 2009An einem Stand auf dem Kirchentag in Bremen gab es Postkarten zum direkten Versand. Die jungen Betreuer des Standes erzählten mir am Wochenende von dieser Aktion. über 2000 Postkarten wurden verschickt. Die kurzen Worte waren Grußbotschaften nach Hause zu den Eltern, Großeltern, Kindern, Geschwistern, Freunden.
Ich kann mich gut daran erinnern wenn meine Oma sich aufmachte ihre Post aus dem Kasten zu holen. Wenn dann ein Brief oder eine Karte von mir darin war, dann hat sie ihre Rituale gehabt. Nachmittags hat sie sich eine Tasse Kaffee bereitet um dann die Karte hervorzuholen und zu lesen. Oma freute sich über diese Verbindung zu mir. Oft spielten ihre alten Hände mit der Karte noch eine ganze Weile während die Erinnerungen durch ihren Kopf zogen. Am Sonntag hat meine Tochter drei Karten gekauft um sie an Omi und Uromi zu schicken.
Als wir darüber sprachen fragte meine Tochter nach dem Spruch über der Wohnungstür von der inzwischen verstorbenen Uroma aus Niedersachsen. “Wer sich nicht jeden Tag selbst überwindet – dem ist die Lehre Gottes nicht eingegangen.” Aufstehen, und tun was getan werden muss. Da sein für die, die uns brauchen. Bescheidenheit war eine große Stärke meiner Oma. Ich habe lange gebraucht um zu erkennen, dass durch diese Haltung die kleinen Dinge des Alltags zu großen Freuden werden können. Danke Oma.
Herzlichst
Lutz
Geh aus mein Herz und suche Freud
Sonntag, 21. Juni 2009Ein Wochenende voller Farbe, Erlebnisse, Stimmungen, getragen von dem Lied “Geh aus mein Herz und suche Freud”. Als wir gestern in die Stadtkirche kamen zum Mittagsgebet, wurde mir angetragen die Andacht zu halten. Nach einer Ordnung, für jeden verfolgbar mit Liedern, Gebeten, Fürbitten. Eine Frau hatte die Bibel mit und wünschte sich einen bestimmten Text. Wir waren zu dritt in dieser Mittagsstunde. Jesus hat ja auch gesagt “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen”.
Im eigenen Gebet bitte ich um die göttliche Führung, für die Kraft und den Schutz. In diesem Fall wieder spürbar: das getragen werden, die Worte zu finden, die kleine Gemeinde im Glauben zu stärken, geeignete Texte zu lesen, von denen im Gesangbuch ein Vielzahl stehen, ob Liedtext oder Gedicht. Eine halbe Stunde dauerte die kleine Andacht, auch getragen von dem Lied “Geh aus mein Herz”. Zum Schluss um Segen gebeten und dazu etwas Schönes aus Irland gesprochen. Heimwärts ging es ein Stück zu Fuß an der Saale entlang, im Kopf acht Strophen durchgedacht vom Lied “Geh aus mein Herz”. Bei der achten Strophe meldete sich an passender Stelle eine Nachtigall im Gebüsch. Ich singe mit, wenn alles singt und lasse was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.
Alles Liebe und Gute wünscht Susi L. aus Jena
Wunder am Wegesrand
Dienstag, 09. Juni 2009
Am Abend zieht es mich hinauf zum Garten, über die Lobdeburg und Johannisberghorizontale. In freudiger Erwartung von allerlei Blütenpracht am Wegesrand. Blauer Wiesensalbei, Orchideen in vielfältiger Form erfreuen das Gemüt. Orchideenfreunde jauchzen über die großen Ansammlungen von Spinnenragwurz und Co. Mir geht es nicht so gut wegen einer Frauensache, aber es treibt mich voran. Den Weg fixierend mit leichtem Schwindelgefühl geht es dem Ziel entgegen. Sonst habe ich in der Höhe keine Schwierigkeiten, wenn es mir richtig gut geht.
Wunderschön auch der Goldregen mit seinen gelben Blütentrauben an der Stelle des Johannisberges. Dieses leuchtende Gelb, das Grün der Blätter und das grau-weiße Kalkgestein am Berg bilden einen Kontrast zueinander. Beim Abstieg begrüßt mich der Frauenschuh mit mindestens zwanzig Pflanzen.
Ich denke an die studentische Andacht von heute Mittag. Ein erfrischendes Thema nach einem Psalm “Vom Aufgang der Sonne bis zu ihren Niedergang, sei gelobet der Name des Herrn.” Der Theologiestudent berichtete in diesem Zusammenhang von seiner Pilgerwanderung im letzten Sommer. Solche Momente sind mir auch vertraut, in freier Natur oder sonstigen Lebenslagen. Schön das flotte Orgelspiel eines anderen Studiosi. Hocherfreut ging ich meinem Tagwerk nach. Auf den Bergwiesen blühen die Margeriten und meinem Garten auch so einiges. Im Tal Sirenengeheul, wer weiß was da los ist. Nun werden wir wieder absteigen, die Wunder vom Wegesrand im Herzen tragend.
Einen Blütengruß aus Jena von Musesuse
Niemand wird süchtig geboren
Dienstag, 02. Juni 2009
Letzte Woche las ich die Todesanzeige von Guido. Vor Jahren war er mein Klient. Eine schillernde Persönlichkeit mit dem Charme eines in die Jahre gekommenen Genies. Er war sehr belesen. Anspruchvolle Romane schienen zu seinem Leben zu gehören. Sein Tod zeigt mir wieder einmal: Jede Sucht hat ihre Geschichte, denn auch Guido wurde nicht süchtig geboren. Doch in seinem Leben gab es ein dramatisches Ereignis, an dem er zerbrach.[more]
Guido war schon deutlich älter als der Durchschnitt. Als er starb, muss er um die 60 gewesen sein. Seine Mutter, inzwischen schon weit über 80, hatte die Anzeige veranlasst. Trotz aller Enttäuschungen hat sie bis zum Schluss zu ihm gehalten. In der Zeit, als er zu mir in die Beratung kam, sprachen wir oft über Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft. Er kannte sich aus mit Computern, wusste interessant darüber zu erzählen. Irgendwann war damit Schluss. Gegen Heroin und Benzodiazepine kam er nicht mehr an. Die mühsam aufrecht gehaltene Fassade zerbröselte.
Ein Leben in Erinnerung und Sehnsucht
Es war wie eine Bilanz, als er mit vor Scham und Trauer brüchiger Stimme anlässlich meines Besuchs auf der Entgiftungsstation erzählte, dass seit Jahren Konsum und Beschaffung von Heroin sein einziger Lebensinhalt waren. Alles Schöne war verschwunden. Alles, was früher sein Leben interessant und bunt gemacht hatte war dahin, lebte nur noch in seiner Erinnerung, in seiner Sehnsucht. Es war in dem Augenblick ausgelöscht worden, als er Zeuge des Suizids seiner Lebensgefährtin wurde, von deren psychischer Krankheit er wusste und deren Tod er dennoch nicht verhindern konnte. Seitdem beherrschten Drogen endgültig sein Leben.
Die Geschichte von Guido zeigt, dass Sucht ihre Geschichte hat. Guido wurde nicht süchtig geboren. Er ist im Laufe seines Lebens suchtkrank geworden, so wie andere Menschen eine schwere Infektionskrankheit bekommen oder Krebs.
Jetzt ist Guido tot. Ich weiß nicht, wie er gestorben ist. Ich weiß aber, dass ein Leben voller Sehnsucht nach Liebe, Geist, Schönheit zu Ende gegangen ist und kann nur hoffen und beten, dass Gott in seiner Güte zur Vollendung bringt, was Guido aus eigener Kraft nicht geschafft hat.


