SigridH
Anna Maria Haas
Anna Maria Haas
Christina W.
Peter S.
LutzS

Mit ‘enttäuschung’ getaggte Artikel

Armut macht unglücklich und einsam

Freitag, 18. Dezember 2009
Sigrid H.

Sigrid H.

Hallo an alle, die mich und uns so lieb unterstützt haben und sich auch mal zu Wort gemeldet haben in Form eines Kommentars. Bei mir und meinen Kindern hat sich 2009 so viel getan. Unser Abstieg ist noch nicht zu Ende und wir haben gemerkt, wie lang und tief man fallen kann. Erst wurden wir nicht beachtet, viele konnten sich Armut in Deutschland gar nicht vorstellen. Mittlerweile bekomme ich zu hören, dass wir ja nicht alleine sind und da sollte man sich halt drauf einstellen. Denn wo nichts ist, wird auch nichts hin kommen. (weiterlesen…)

Sie hat sich stets bemüht

Donnerstag, 19. November 2009

Wer diesen Satz unbedarft in seinem Zeugnis liest, freut sich. Wer aber zwischen den Zeilen lesen kann, der weiß, wie es wirklich gemeint ist: „Sie hat sich zwar bemüht, aber wirklich gereicht hat es nicht.“ Eine bittere Erkenntnis, die sich bei dieser Frau durchs ganze Leben zieht. (weiterlesen…)

Hier ist die Welt noch in Ordnung

Freitag, 30. Oktober 2009

Eine ruhige Wohngegend mit gepflegten Gärten und schönen Einfamilien-Häuschen. Auf den ersten Blick die perfekte Idylle, heile Welt pur. Der Anruf einer dort lebenden Familie hat dieses Bild in unseren Köpfen zerstört. Beim ersten Besuch tauchten wir tief in eine Familientragödie ein, die für Frau und Kinder  wie aus heiterem Himmel kam. (weiterlesen…)

Kein Arbeitgeber will uns einstellen

Montag, 26. Oktober 2009

Geldbeutel mit kleinen Münzen (c) SozialcourageWir sind froh, dass wir im Moment für die Familie da sein können, aber natürlich fehlt es beim Geld immer mal wieder. Wir wollen den Kindern ja auch mal was bieten und nicht immer nein sagen, wenn sie Wünsche haben. Es ist schlimm für die Kinder, dass sie nicht wie ihre Freunde weggehen oder sich mal etwas Schönes kaufen können, da wir uns nur ein kleines Taschengeld leisten können – und selbst das nicht immer. (weiterlesen…)

Kichernder Kobold

Samstag, 25. Juli 2009

Die neu für mich zuständige Sozialarbeiterin holt mich zum Kennenlernen in ihr Büro und sagt, ich sei haftresistent. Warum? Na ich sei langzeitlich haftgewohnt. Ausgerechnet ich? Ich, der diese Knaststruktur so abgrundtief verachtet, soll daran gewöhnt sein? Ich, der seine Popel an den Schrank abschmiert wie das Baby seinen nackten Stinkepopo am Teppich? Ich, soll jetzt entstanden sein als der neue, bessere Mensch? Bedeutet es, dass ich nicht mehr büße? Muss jetzt etwas mit mir geschehen, damit ich wieder leide? Bin ich auf dem Weg zum guten Menschen, wie der aus Sezuan?

Vielleicht hatte sie lediglich ihr Urteil heimlich durch Erkundigung gebildet. Denn ich habe eine weitere menschlich autonome überlebensstrategie entwickelt. Es ist die einer außergewöhnlichen Form von Fröhlichkeit. Ich lache und kichere andauernd absichtlich herum, brülle leise und quietsche, grunze wie ein Meerschweinchen. Ich könnte über den blödesten Unfug abgrinsen. Oder ich halte ironische Ansprachen.

Dem Hausarbeiter erkläre ich, weshalb ich vegetarisch esse, erzähle ihm etwas von seinem in Verwesung begriffenen Fleisch, frage ihn, ob er mich mit Kunstkäse oder Hartfette “umbringen” möchte. Seine Soßen? Sie sind mit Laktat vermengt, mit Mehl verdickt, als doppelte Sättigungsbeilage, deswegen trägt er einen Trommelbauch. ähnlich wird das Gemüse gestreckt. All das gehört zur Strafe und er verleibt sie sich ein – wie schön.

Ich denunziere diesen institutionellen Schwachsinn. All dies erheitert mich in aberwitziger Weise. Manche denken ich sei ver-rückt oder altersenil im Frühstadium. Keiner versteht mich. Neulich zitierte mich sogar mal ein von mir Gepeinigter, ein Mitgefangener, altersmäßig mein Sohn, zu sich und meinte, ich würde mich nicht altersgerecht bewegen. Haha, ich produziere also meine eigenen Lacherzeugnisse. Nur Lachyoga ist noch schöner. Doch ich habe das andere Lachen, das kuriose Lachen.

Finanzkrise als Anlass für Völkersuff?

Freitag, 10. Juli 2009

Wenn ein Rückfall zum Tabuthema in der Familie wird, kann es schon mal ernste Probleme geben. Gesundheitlicher Art allemal. Da steht dann der Körper des Betroffenen im teuflischen Sog auf der Kippe zwischen Leben und Tod.

Mich hat die Geschichte einiger Rückfälle stets berührt. Ich spürte die Machtlosigkeit meiner selbst, und die des Betroffenen. Diese “Einwortfrage” im ersten nüchternen Blick zurück auf den Rückfall, dieses WARUM? – sucht hilfeschreiend nach Antworten – und bekommt sie nicht. Jedenfalls nicht von mir.

Genau dieses WARUM? steht für mich wie ein Mahnmal vor der Lust sich in Spekulationen zu verzetteln. Möglicherweise um den nächsten Rückfall schon zu programmieren, indem schnelle Antworten zu flüchtigen Entschuldigungen führen. Ich mache in der Gruppe an der Stelle einen Schnitt. Sorgfältig und konsequent. Neu beleuchten können wir den Weg, der vor uns liegt, damit unsere kleinen und festen Schritte nicht ins Stolpern geraten.

Oft müssen Krisen herhalten als Grund für den Rückfall. Dabei sind Krisen zur Bewältigung und Stärkung eine gute Chance für ein besseres Leben des Lebens. Stell Dir vor, die Finanzkrise wäre Anlass für Völkersuff! Obwohl, wenn ich so in die Medien blicke …!

liebe Grüße
Lutz