Claudia H.
Tobias N.
Tobias N.
Claudia H.
Frey
Goetzens

Mit ‘ein-euro-job’ getaggte Artikel

Ungewollt schwanger

Mittwoch, 23. September 2009

Ich bin so endlos traurig. Mein Freund meldet sich nicht mehr. Seit Samstag hat er das Handy aus. Ich weiß langsam nicht mehr, was ich machen soll. Zu ihm fahren kann ich nicht, weil er viel zu weit weg ist um nur mal so hin zu fahren und mein Geldbeutel leer ist. In der Liebe habe ich noch nie Glück gehabt, entweder wurde ich betrogen oder ausgenutzt und verarscht. Das Schlimmste, was ein Mann mit mir gemacht hat, war vor vier Jahren. (weiterlesen…)

Steak statt Gras

Mittwoch, 09. September 2009

Steak © JJAVA - Fotolia.comIch hab es endlich geschafft nicht mehr zu kiffen. Darauf bin ich sehr stolz. Ich rauche jetzt schon seit zwei Monaten nicht mehr. Ich habe aufgehört, weil ich nicht mehr mein hart verdientes Geld für irgendwelche Drogen ausgeben möchte, wovon ich sowieso nichts habe.  Da gönne ich mir doch lieber mal was Leckeres zu essen wie ein gutes Steak oder so. Schmeckt besser und wird man auch noch satt von. (weiterlesen…)

Was kommt nach dem Ein-Euro-Job?

Mittwoch, 09. September 2009

Eingang zum Café Plattform in AachenIm Moment fühle ich mich nicht so besonders, weil ich nicht weiß, wie es nach meiner Zeit im Café Plattform weitergeht. Ende September ist der Ein-Euro-Job im Aachener Wohnungslosentreff vorbei. Und ich möchte nicht zuhause nur rumsitzen und nichts tun. Da kann einem ganz schnell die Decke auf den Kopf fallen. (weiterlesen…)

Arge bringt mich weg von der Familie

Donnerstag, 03. September 2009

Mannheim - meine neue HeimatDas ist mein erster Eintrag hier im Webtagebuch und möchte mich erstmal vorstellen. Ich bin letzten Monat 22 Jahre alt geworden und lebe in Mannheim, wo ich nie hin wollte, aber ich wurde von der ARGE gezwungen. Alles fing vor ein Jahr an. Ich bekam einen Termin von der ARGE, hatte ja sowieso schon Geldsperre auf dem Amt, weil ich mich verweigert hatte einen Eurojob zu machen. Sie gab mir einen Jobvorschlag in Mannheim, wo ich mich bewerben musste. Nach einem Telefonat und 10 Tage Probearbeit war ich nun hier in Mannheim. Aber es ist alles schief gelaufen. (weiterlesen…)

Verspäteter Nachruf

Montag, 23. März 2009

Heute möchte ich einen überfälligen Nachruf verfassen. Anfang des Monats ist unser Besucher, Klient, ehemaliger Mitarbeiter und auch Freund Christophe verstorben. Bis letztes Jahr im Herbst hat er im Kontaktladen mitgearbeitet. Christophe hat im Rahmen eines “Ein-Euro-Jobs” den Theken-Bereich geschmissen und war sich auch für andere Arbeit nicht zu schade.

Er half wo er konnte, ob seiner Familie, Bekannten oder anderen Besuchern des Kontaktladens. Er versuchte sein Leben wieder in geregelte Bahnen zu bekommen und ein heroin-/opiatfreies Leben zu führen. Er hatte sich ausschleichend substituieren lassen und war nach der Substitution auch einige Zeit “clean”. Er nahm einige Dinge endlich in Angriff, z.B. lies er sich seine Zähne machen. Es war eine Freude ihn aufblühen zu sehen.
Doch es kam der Tag als Christophe die Sucht wieder eingeholt hatte und er sich “etwas gegönnt” hatte.
Leider vertrug sein Körper das Gift nicht mehr in diesem Maße und es kam dazu, womit jeder Heroinkonsument rechnen muss, zu einer überdosierung.

Aus unserem Leben bist du gegangen,
in unserem Herzen bleibst du.


Dein Kontaktladen-Team

Werner schreibt sich alles auf und wirkt entschieden

Samstag, 14. März 2009

“Entschuldigung, dass ich letzte Woche nicht gekommen bin”, legt Werner gleich los, als er mich im Flur sieht. Im Behandlungsraum sprudelt es weiter aus ihm heraus: “Wissen Sie, ich bin doch knapp bei Kasse und ich kann mir keinen weiteren Strafzettel mehr wegen Schwarzfahren leisten, sonst holen die mich noch ab!”
Und dann berichtet er kurz und aufgeregt, dass das Jobcenter mit einer Kürzung drohe, wenn er nicht gute Gründe anführen kann, warum er sich zum verabredeten Termin nicht bei der Firma für den 1,50 Euro-Job gemeldet habe. Ich müsse ihm doch wenigstens glauben, dass er mit einer schweren Grippe im Bett gelegen habe. Denn Werner hat gerade wieder eine eigene Wohnung. “Aber wenn die mich kürzen, dann wird es auch mit der Miete knapp und ich habe auch noch die Schulden da… und meinen Bewährungshelfer erreiche ich auch nicht, und, und, und …”
Innerhalb nur weniger Minuten breitet Werner das ganze Problembündel, das er mit sich rumschleppt, vor mir aus. Offen berichtet er von seiner Versuchung, wieder zum Alkohol zu greifen: “Ich komm sonst nicht mehr zu Ruhe”. Und gleichzeitig weiß er, “dass das nicht hilft!” Aber für eine Langzeittherapie habe er jetzt keine Zeit: “Ich muss doch noch so vieles regeln”.
Erst nach einiger Zeit können wir gemeinsam die wichtigsten Schritte nur für die nächsten Tage verabreden: Gespräch mit der Sozialarbeiterin nebenan, Attest für das Jobcenter, Kontakt zum Bewährungshelfer und demnächst auch zur Schuldnerberatung aufnehmen. Werner schreibt sich alles auf. “Damit ich weiß, was ich machen muss”, sagt er ernst und wirkt entschieden. Geld für die Rückfahrt mit der U-Bahn hat er nicht, “Erst in fünf Tagen bekomme ich was”, erklärt er mir. “Aber ich kann meinen Freund noch mal anpumpen.”
Da er Wege machen muss, um sich beim Suchttherapeuten, beim Gesundheitsamt und später wieder bei uns vorzustellen, erhält er eine kleine Beihilfe aus unseren Spendengeldern. Die dafür gekauften Fahrscheine will Werner nächste Woche vorlegen. Ich glaube ihm heute, dass er es schaffen könnte – und ich weiß, der Boden, auf dem er sich bewegt, ist noch sehr wackelig!