Keller

Mit ‘ausweglosigkeit’ getaggte Artikel

Knapp an der Räumungsklage vorbeigeschrammt

Donnerstag, 05. Februar 2009

Als ich eingesperrt wurde, geschah das über Nacht. Ich musste vom Gefängnis aus Wohnung, Versicherungen, Telefon usw. kündigen. Nun bin ich ja Gott sei Dank der deutschen Sprache mächtig. Doch ein Gefängnisaufenthalt zieht den Unwillen der Beteiligten an: keine Ratenzahlung wird gewährt, Kündigungen werden nicht angenommen, Anträge kommen mit Bitte um Rückruf (kein Telefon) oder Zusendung weiterer Dokumente innerhalb einer Frist (Briefzensur), zurück.
Grundsätzlich ist erst einmal gar nichts möglich. Also schrieb ich einen Rapportzettel, mit der Bitte um Besuch des Sozialdienstes. Eine Woche später erschien die Beamtin und nahm meinen Antrag mit. Nach einer weiteren Woche kam sie erneut vorbei, um zu erklären, dass sie mir nicht helfen könne. Ich wollte und konnte das nicht glauben und erinnerte sie an den Wortlaut im Gesetz. Sie meinte dazu, sie wäre krank und ginge nun nach Hause. Nun war Weihnachten und nach den Feiertagen hatte die Beamtin gewechselt. Diese besuchte mich nur kurz, um mir zu erklären, dass sie nun Urlaub hätte. Im Anschluss an Ihren Urlaub war sie wochenlang krank. Also trat der Sozialdienst der Männer an mich heran, der dann aber auch plötzlich längerfristig erkrankte.
Es war Mitte März, also fünf Monate nach meiner Inhaftierung, als sich endlich eine Dame vom Sozialdienst der katholischen Frauen meiner annahm. Diese Dame hatte eine ganze Stunde für mich Zeit, durchforstete meine inzwischen dick gewordenen Unterlagen, machte ein paar Telefonate während meiner Anwesenheit und schon lief etwas. Kurz vor der Räumungsklage meiner Wohnung konnten wir finanzielle Unterstützung und auch Unterstellmöglichkeit für das wichtigste Hab und Gut meiner Familie finden. Dass meine Kinder und ich damals nicht alles verloren haben, haben wir nur dieser einen Frau vom SkF zu verdanken.
Kirche und kirchliche Organisationen sind meiner Ansicht nach, die einzige wirkliche Hilfestellung im Gefängnis. Hier wird ein persönlicher Kontakt aufgebaut und zugelassen, hier wird echte Unterstützung angeboten, notfalls auch entgegen dem System. In allen Belangen kann man sich an den Pfarrer wenden. über die Kirche und kirchlichen Organisationen werden Veranstaltungen wie Weihnachtsfeier, Chor, Kochgruppe oder Frauengruppe möglich. über die Kirche findet man Menschen, die einen ehrenamtlich besuchen oder schreiben.
Leicht ist es, in der Ausweglosigkeit der Gefängniswelt zu verzweifeln. Manch einen Gang in die Psychiatrie habe ich beobachten können. Man landet im “KHaus” und erhält Psychopharmaka, ganz legale Drogen. Wie Zombies in den Gängen wandeln, ferngesteuert vom System.