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Rainer S.
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Mit ‘aufgabe’ getaggte Artikel

Voneinander lernen, heißt siegen lernen

Mittwoch, 01. Juli 2009

Eine Stunde vor Mitternacht, der zunehmende Mond schaut durch die Balkontür. Heute war der erste Sommerlich warme Tag mit stolzen 27 °C. Hat es doch geholfen, meine Wünsche zum Sommer in der Studentischen Mittagsandacht zu verlesen. Heute habe ich wieder Blumenfotos farbigem Papier zugeordnet und später auf die vorher gefalteten A5 Bögen aufgeklebt.

Das ist eine Wohltat für die Sinne. Man ahnt den Geruch der Blüten auf den Karten. Weißer Rittersporn mit Hummel auf grün und blauen Untergrund, und anderes. Das ist ein kreativ sein, das einfach Freude bereitet. Dann die Freude des Beschreibens und später Verschenkens.

Eine liebe Musenschwester, die auch mit nervlichen Krankheiten zu tun hat, hatte mir mal diesen Tipp gegeben, farbiges Papier zu nehmen für Karten. Sie selbst übt sich in der Malerei auf Seide und hat schon einige Ausstellungen gehabt. Es ist gut, neben sich Menschen zu wissen die auch im gleichen Boot sitzen oder zuhören, die einen begleiten. So ein Erfahrungsaustausch in Lebensfragen oder künstlerisch, bringt mich immer ein Stück weiter.

Früher gab es mal eine Losung “Voneinander lernen, heißt siegen lernen”. Das war in der DDR-Zeit natürlich noch etwas anders gemeint. Trotzdem ist da aber etwas daran. Gut, dass es Anlaufstellen gibt bei den Vereinen, unter dem Dach der Kirchen oder bei dem Bruder und der Schwester neben uns, sich auszutauschen. Ein Netz, was mich hält. Zum Schluss noch folgendes “Nichts ist so hoffnungslos, dass wir nicht Grund zu neuer Hoffnung fänden”.

Ein Aufeinander-zu-gehen wünscht Susi L.

Ich habe mich selbst verloren

Dienstag, 19. Mai 2009

Zum Starten, einfach ins Video hineinklicken.

Mein Leben – Eine Sucht

Das Making of

Steffen und ich haben ihn kennengelernt: Franz vom Niederrhein. Eine außergewöhnliche Person mit einer sehr interessanten Geschichte und einer bedrückenden Vergangenheit. Angefangen hat es vor etwa zwei Monaten. Als Videojournalisten halten wir immer die Augen nach interessanten Themen oder Menschen Ausschau. Dabei gehen wir offen und positiv an die Sache ran. Vorurteile oder sonstige Hemmungen versuchen wir auszuschalten.

Unser erstes Treffen hatten wir in der Drogenberatung. Dort redeten wir über allgemeine Sachen, Franz’ Geschichte und über mich. Ich fand es interessant, ganz viele persönliche und intime Sachen zu erfahren – er, was bei uns Jugendlichen so abgeht.

Es folgten weitere zwei Treffen. Ich besuchte ihn auch einmal zu Hause. Durch die Treffen hatten wir ein sehr vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Nun mussten Steffen, der Kameramann, und Franz sich verstehen. Nur so, denke ich, kann Franz frei von seiner Vergangenheit, seiner jetzigen Situation und von der erhofften Zukunft sprechen.

Jeder macht Fehler – na und?

Der Drehtag war sehr angenehm. Als Dreierteam machten wir alle unseren Job. Dabei hatten wir eine Menge Spaß. Nach Feierabend besuchten wir noch ein Fußballspiel von Franz Lieblingsverein. Es folgten zwei Tage im Schnitt, heiße Diskussionen (was ist wichtig, um einen ehrlichen Eindruck von Franz zu vermitteln?), und die Spannung, wie es Franz selber gefällt.

Nun ist das Video fertig. Franz ist zufrieden, Steffen und ich auch. Ich hoffe sehr, dass wir Euch einen Eindruck aus Franz’ Leben vermitteln konnten. Und tut mir ein Gefallen: Lernt daraus!!! Jeder Mensch macht Fehler und keiner ist perfekt. Warum sollte also jemand benachteiligt werden, der in seiner Vergangenheit nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Schaut doch lieber, wie es dazu kommen konnte und gebt Chancen. Franz war im Gefängnis und trotzdem ist er ein sehr offener, freundlicher, hilfsbereiter und lieber Mann. Genau diesen Mann sollte man sehen lernen…

Viele Grüße
Pascal Schröder von wir-bewegen-bilder

Strukturierte Tage tun meinem Gemüt gut

Sonntag, 10. Mai 2009

In der Gärtnerei wartet die Keramik darauf, wieder geputzt zu werden. Gelber Blütenstaub bildet einen Film auf Töpfen und Regalen. Diesmal nehme ich den Staubsauger. Es geht besser als gedacht. Die Glasuren erstrahlen wieder im alten, neuen Glanz. Gut, dass ich mir diese Arbeit vor fast 16 Jahren in der Gärtnerei gesucht habe.
Ein Tag, der gut durchstrukturiert ist, bekommt dem Gemüt besser. So lassen sich die Höhen und Tiefen gut meistern mit kleinen Aufgaben. Auch während der nervlichen Erkrankungen bin ich hierher gegangen. Ambulant lässt sich da einiges machen.

Schön, der Rhododendron in seiner Blütenpracht. Es tummeln sich zahlreiche Kunden in der Gärtnerei. Die Arbeit mit dem Staubsauger macht Freude. Ich bin froh, jetzt endlich die richtige Vorgehensweise gefunden zu haben. Früher mochte ich diese Arbeit nicht so mit der Keramik. Zum Mittag gibt es Kaffee und Leberwurstbrot. Gestärkt und beglückt geht es neuen Aufgaben entgegen, begleitet von einer frischen Brise.

Viel Kraft allen wünscht Suse L aus Jena

Diese Müdigkeit erinnert mich an Hepatitis

Mittwoch, 22. April 2009

Da ich nächstes Wochenende diesen Workshop gebe, hatte ich heute früher Feierabend. Und das Erste, was ich gemacht habe ist: Ich hab mich ins Bett gelegt. Eine Stunde habe ich tatsächlich richtig geschlafen. Jetzt sitze ich hier mit einem Kaffee und versuche wieder auf Touren zu kommen. Es geht mir im Augenblick jeden Tag so, dass ich im Bus nach der Arbeit damit kämpfe, die Augen offen zu halten.

Schrecklich! Ich habe es ja schon Mal geschrieben, dieses Ausmaß von Müdigkeit erinnert mich an Hepatitis. Ich könnte ja mal einen Arzt darauf ansprechen. Als ich wegen der Grippe beim Arzt war, hatte ich auch noch drei offene Fragen. Ich habe mit der falschen Frage angefangen. In dieser Frage kam das Wort Haut vor, und der Arzt hat mich dann auf die Krebsvorsorgeuntersuchung beim Hautarzt hingewiesen und war dann auch schon aus dem Zimmer. Wenn ich das Gefühl habe zu stören, tue ich mich immer ein bisschen schwer damit, den Mund auf zu bekommen. Muss ich noch dran arbeiten.

Der Workshop am Wochenende. Sobald eine Vorstellung von diesem Workshop in mir entsteht, breche ich den Gedanken sofort ab. Wird schon. Vorbereitet habe ich mich allerdings mittlerweile doch ganz gut. 14 Stunden mit zehn Teilnehmern sind nicht komplett planbar, und die Lücken die entstehen, füllt man dann mit Routine. Ich tue so, als hätte ich welche. In sechs Wochen bin ich auch für mein Märchen gebucht. Habe ich auch erst zur Hälfte aufgeschrieben, denke aber auch, wird schon. Da aber mit einem sicheren Gefühl.

In den letzten Tagen habe ich oft gedacht, wie gut es ist, nicht in einer Leiharbeit Firma gelandet zu sein. Ich glaube ich würde durchdrehen, nur gut dass dieser Krug an mir vorbeigegangen ist. Nur gut, dass ich einen Job habe, in dem es Herausforderungen gibt, und in dem ich mit meinen Kollegen sprechen kann.

Gestern habe ich mit Lara in der Mittagspause ein Gespräch gehabt. So ein Gespräch ergibt sich in einem Jahr vielleicht ein oder zwei Mal. Schade, dass Laras Vertrag im Sommer zu Ende ist.

Das Gefühl noch gebraucht zu werden

Dienstag, 10. März 2009

Heute stand mein Besuch ganz unter dem Zeichen der eventuellen Entlassung von Herrn A. in etwa einem Jahr. Sein zuständiger Sozialarbeiter hatte in der vergangenen Woche ein Gespräch mit ihm und teilte ihm mit, dass laut der Psychologen die Therapie gut verlaufe und nun Stück für Stück seine Entlassung in ein betreutes Wohnen vorbereitet wird.
Herr A. ist nun in die Lockerungsabteilung verlegt worden. In Kürze darf er uns in Begleitung von Beamten und seinem Sozialarbeiter besuchen kommen.
Was Herr A. sich seit Jahren sehnlichst gewünscht hat, macht ihm nun plötzlich Angst.
Er erzählt mir, er hofft, dass das betreute Heim nicht so weit von Freiburg entfernt ist, damit ich ihn weiterhin begleiten kann. Er hat Angst eventuell mit Menschen in Kontakt zu kommen, die ihn negativ beeinflussen könnten, besonders was den Alkohol betrifft. Er wisse gar nicht mehr, wie es ist einkaufen zu gehen oder überhaupt mit Geld, vor allem dem Euro umzugehen, sagt er. Er wünscht sich eine Aufgabe, die ihm das Gefühl gibt, noch gebraucht zu werden.
Nach so vielen Jahren plötzlich an einen fremden Ort ohne Bezugsperson zu kommen, verunsichert ihn.