Ich hatte aus der Not heraus (konnte meinen kurzen Arbeitsweg von zwei Kilometern nicht mehr laufen!) mit 57 Jahren noch einmal Fahrstunden genommen, nachdem mein Antrag auf finanzielle Unterstützung für den Erwerb eines eigenen PKW als Schwerbehinderte genehmigt war. Das Auto zu bekommen und selbst zu fahren, war für mich daher ein unbeschreibliches Glück. So empfinde ich auch noch heute. Aber was nützt das, wenn kein Parkplatz in der Nähe des Zielortes ist? (weiterlesen…)
Autorenarchiv : Gast-Blogger
Mit einer Parkerleichterung zu mehr Lebensqualität
Montag, 30. November 2009Vor(eilige)Urteile abschalten!
Donnerstag, 26. November 2009
Ich bin fast 37 Jahre alt, berufstätig, Mutter und komme aus einem bürgerlichen Haushalt. Die Menschen, mit denen ich in meinem Leben sprach oder befreundet war, konnten unterschiedlicher nicht sein. Dafür wurde ich von so genannten “Normal-Bürgern” belächelt, vielleicht sogar hinterm Rücken verspottet. Ein Beispiel: Eine Frau mit roten, langen Dreadlocks. Sie führt jeden Tag drei Hunde aus. Von anderen Hundebesitzern wird sie gemieden, abwertend belächelt. (weiterlesen…)
Wenn Berber online gehen
Dienstag, 06. Oktober 2009Angefangen hat alles damit, dass
ich Broschüren mit Informationen für Berber – so nennen sich Wohnungslose selbst – entwerfen. Ich merkte aber schnell, dass das für mich als Wohnungsloser kaum machbar war. So entstand die Idee, eine Homepage zu gestalten. Verrückt? Vielleicht, aber ich habe mich an das Projekt rangemacht …
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Panische Angst
Dienstag, 29. September 2009Es ist 5 Uhr morgens, die Angst pocht an. Mein Puls fängt an zu rasen. Ich werde unruhig, und der Schweiß tritt mir auf die Stirn. Der ganze Körper zittert, und ich weiß nicht warum. Ich bemühe krampfhaft mein Gedächtnis, um herauszufinden, was heute die Ursache für diesen Zustand ist. Welche unangenehmen Dinge melden sich an! Leider habe ich meine Gedanken nicht wie „normale“ Menschen unter Kontrolle. Ich befinde mich ausgerechnet heute wieder in einem Zustand, den ich aber nicht richtig schildern kann. Es ist eine panische Angst, Todesangst, die mich befallen hat. (weiterlesen…)
Der Kampf gegen die Armut endet nicht mit einer warmen Suppe
Mittwoch, 10. Juni 2009Deutschland ist trotz Krise eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt. Da fällt es schwer zu verstehen, dass es tausenden Menschen an Lebensmitteln, Kleidung oder Wohnraum fehlt. Die spärlichen staatlichen Sozialleistungen führen bei vielen zu sozialem Abstieg und Isolation. Mit Tafeln weisen wir diesen Menschen einen Ort zu, der ihnen durch die überschussproduktion der Konsumgesellschaft das überleben sichert. Sind Tafelprojekte also die Lösung des Problems und sollten ausgebaut werden? Ja und nein.
Armut und Elend wird öffentlich
Nein, weil Tafelläden in ihrer jetzigen Form die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen einschränken. Sie sind Orte, an denen Armut und Elend und damit die Scham von Menschen in die öffentlichkeit getragen werden. Sich in die Warteschlange vor dem Tafelladen einreihen zu müssen widerspricht dem Freiheitsgrundsatz der Selbstbestimmung.
Begegnung und Befähigung gehören dazu
Gut und deswegen zu begrüßen ist, dass Tafeln oft Kooperationsprojekte zwischen Caritas, Kirchengemeinden und anderen Trägern sind. Dass dort Hilfen im Verbund organisiert werden und sich Ehrenamtliche wie Hauptamtliche für ein gemeinsames Ziel engagieren: Die Not der Menschen zu lindern.
Gut ist, wenn sich Menschen in den Tafeln begegnen und die Hilfeempfänger nicht nur “abgespeist” werden. Wenn Jugendliche dort kochen und den Haushalt führen lernen. Fähigkeiten, die sie in den Familienalltag einbringen können.
Doppelstrategie: Helfen und soziale Gerechtigkeit einfordern
Wirksame Armutsbekämpfung geht jedoch über die überlebenssicherung hinaus. Sie verfolgt eine Doppelstrategie: Neben den alltagsnahen Hilfen für die Betroffenen müssen wir Einfluss nehmen auf die Sozialpolitik und die Vorsorge verbessern. Dabei geht es um soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität.
Die Caritas tritt solidarisch für jene Menschen ein, die am Rande stehen. Damit konfrontiert sie zugleich große Teile der Gesellschaft mit dem Lebensrisiko, nicht immer in der Mitte zu stehen. Die Kombination aus konkreten Hilfen und struktureller Bekämpfung der Armut sollte uns als Gesellschaft allerdings dazu in die Lage versetzen, die Grundlagen für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung zu sichern – und zwar für alle Menschen.
Johannes Böcker
Diözesan-Caritasdirektor im Caritasverband für die Diözese Rottenburg-Stuttgart
Links zum Thema Tafeln
Menschenverachtende Trennung von Mitte und Rand
Donnerstag, 04. Juni 2009Ein Erfahrungsbericht über Begegnungen mit Menschen am Rand. Von Gast-Blogger Heribert Schlensok
Gute Strategie: Der Verkäufer des Obdachlosenmagazins zieht durch das Café. Ich kaufe ihm ein Heft ab. Draußen auf der Straße treffen wir uns wieder. “Hab’s schon” sage ich und wünsche ihm viel Erfolg. Obdachlosen-Magazine verkaufen ist ein Knochenjob, deren Verkäufer motivieren nicht. Der Mann lächelt. Er ist Mitte, nicht Rand.
Am Wochenende spazieren wir als Touristen durch München. Der Fußweg führt unter einer Brücke durch, rechts der Auer-Mühlbach, links eine Ansammlung Müll. Im Halbdunkeln kauert ein Obdachloser auf einer improvisierten Matratze. Sein Blick erinnert an die Augen eines gebrochenen Löwen im Käfig, sie gehen ins Unendliche. Von “Anlächeln” kann keine Rede sein, dieser Mann fokussiert nicht mehr. Er existiert offenbar jenseits des Randes.
Augen zu und wegsperren lautet die Devise
Zwei Wochen später. Ein junger Mann im Trainingsanzug bettelt auf dem Bahnsteig. Ich spreche ihn an: “Hast Du jemand der Dir hilft? Brauchst Du Beratung?” “Bin HIV positiv”, sagt er. “Termine bei der AWO”, fügt er trotzig hinzu und geht weiter. Während ich ihm verwirrt nachschaue, greift ein Security-Mann der Bahn zu. Es sieht aus, als ob er unter seiner Jacke eine Pistole gezückt hätte. Der junge Mann läuft folgsam neben ihm her, stumm fahren sie die Rolltreppe abwärts. Hier praktiziert ein öffentliches Unternehmen eine menschenverachtende Aufteilung von Mitte und Rand.
Am Sonntagmorgen bettelt eine Frau vor der Kirche. Ich muss mit dem Kinderwagen die Stufen hoch. Die Kirchenbesucher auf der Treppe sind jenseits der 70. überflüssig zu sagen, wer mir geholfen hat. Ich weiß: Spende auf die Hand ist out. Ich sollte besser einen Blogger suchen, der ihr oder dem Mann mit dem Löwenblick mittels Online-Fundraising nachhaltig hilft. Ich spende trotzdem.
Am Muttertag gehen wir echte Löwen gucken. Wunderbares Wetter, die Kinder haben gebacken. Ich halte einen frischen Muffin in der Hand, will gerade hinein beißen. Plötzlich steht eine Frau vor mir. Sie ist alt, aber ihre Augen sind jung. “Darf ich den haben?” fragt sie und zeigt auf mein Kuchenstück. “Heute ist doch Muttertag, und mir hat noch niemand etwas geschenkt.” Dieses Mal verläuft alles wie im Bilderbuch. Während ich noch “Aber ja” antworte, nimmt sie den Kuchen, geht zügig weiter und beißt hinein. “Passt doch irgendwie zum Zoo”, lächelt meine Frau.
Der Rand ist ein Kreis. Die zupackenden Frauen kennen ihn, der motivierte Verkäufer ebenfalls. Die Deutsche Bahn möchte Stacheldraht um den Außenring wickeln, schafft es aber nicht. Bleibt der Mann mit den leeren Augen.


