Es ist spät geworden im ersten 2000er-Jahrzehnt und die Stunde der Rechnungsprüfer hat geschlagen. Es gibt viel zu bilanzieren. Neben den persönlichen Highlights und Nackenschlägen beschäftigen mich momentan knapp zwei Jahre Aufnehmendes Suchtclearing (ASC) und ein Jahr Weblog „Mitten am Rand“. Das eine geschieht in Form eines Jahresberichtes, das andere mit diesem letzten Text.
Der Fortbestand des ASC scheint gesichert. Die Fallzahlen stimmen, die Kooperationen funktionieren. Zu tun gibt es für meine Kollegen und mich in der offenen Drogenszene sowieso genug. Ebenso in der JVA. Gut, dass unser abschließender Bericht das den Entscheidungsträgern auch deutlich macht. Aber wofür stehen 88 Texte an dieser Stelle?
Bei der Zahl bin ich selbst überrascht. Angefragt waren damals zwei bis drei Monate Mitarbeit, also 20 bis 30 Einträge. Daraus ist nun ein ganzes Jahr geworden. Es muss mir also Freude gemacht haben. Und nicht nur das. Das Weblog hat zunehmend für mich an Bedeutung gewonnen.
Meine Einträge habe ich wie eine Flaschenpost ins Meer geworfen, nicht wissend, an welchem Ufer sie stranden, aber hoffend, dass – wer immer sie liest – meine Berichte versteht. Die Bewertungen und Kommentare legen mir das nahe. Sie machen mir aber auch etwas Grundsätzliches deutlich: Indem ich mir meiner Gefühle und Gedanken schreibend bewusst werde, kann ich beim Leser bestimmte Reaktionen wie Interesse, Verständnis oder Widerspruch hervorrufen.
Reflexion ohne Rechenschaft
In den Texten und Gedichten bestimme ich allein Weg und Ziel der Auseinandersetzung mit meiner Arbeit. Ich bin keiner Autorität Rechenschaft schuldig, in welcher Form ich die Regungen meiner Seele in Worte fasse. So konnte ich einiges ausprobieren. Manche Einträge gefallen mir nach wie vor, manche finde ich mit dem notwendigen Abstand weniger gelungen. Ein ambivalentes Gefühl, das ich nur allzu gut aus meiner täglichen Arbeit kenne.
„Mein Job ist wie der Drogenrausch: ein im wahrsten Sinne des Wortes Echtzeit-Ereignis. Ich arbeite mit Mobilfunk und Zettelwirtschaft auf der Straße, unter der Brücke oder in irgendeinem Amt. Und manchmal auch noch in der Kontakt- und Notschlafstelle. Dabei geht es immer um Kontakt und Kommunikation mit Klienten“, habe ich vor einem Jahr geschrieben. Daran hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nichts geändert. So schließt sich dieser Kreis.
Tot ist nur die Geschichte, die Geschichten aber sind lebendig.
Mit Worten begegnen wir uns in der Sprache. Sie verbindet die Menschen miteinander. Deshalb zum Schluss ausdrücklich: vielen Dank der Caritas-Redaktion für die Einladung zu diesem Weblog und vielen Dank allen Lesern für das Interesse an meinen Einträgen und die engagierten Anmerkungen dazu.
Thorsten Bathe hat mit seinen Texten die Tür zur Welt des Streetworks weit aufgemacht. Er hat das, was er dort erlebt, immer wieder in überraschender Weise in Worte gefasst. Mal nachdenklich, mal fast kryptisch, mal heiter, mal melancholisch. Dafür vielen Dank!









Lieber Thorsten,
vielen Dank für Dein Weblog. Ich konnte mich immer wieder in Deinen Gedanken, Texten und Zitaten wieder finden. Die Flaschenpost hat auf jeden Fall ihr Ziel erreicht. Ich würde mich freuen, wenn die Texte in einer weiteren Form (Buch, Lesung etc.) einem größerem Publikum vorgestellt werden… Auf ein neues Jahrzehnt in der Suchtarbeit und eine gute Kooperation zwischen dem ASC und unserer Substitutionsambulanz!
Daniel D.
ich bedanke mich auch, für viele gedankliche ausflüge, und vieles, in dem ich mich in meiner arbeit wiederfinde…
lg carina