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Was hat sich seit dem letzten Eintrag getan? Meine Verrichtung ist geplatzt: “Warten auf meinen Sweety“. Wir haben uns Anfang September frei gegeben und getrennt. Die Romantik ist gescheitert. Völlig unerwartet? Die Umstände der Trennung waren kurios. Wenn die Sehnsucht übermächtig wird, sucht sie bei den bedürftigen, begehrenden Menschen einen Ausweg. Doch wenn sich ein Paar trennt, ist Trauerarbeit notwendig. Isolation, um Abstand zu erzeugen. Das haben der Sweety und ich vereinbart, achtsam, liebevoll. Viele Menschen wissen nicht, wie das geht.

In der Folgezeit fühlte ich mich kurzzeitig in einer besonderen Form vereinzelt, aber frei. Die Beziehung bekam unmittelbar und im Rückblick eine neue Dimension. Eine davon war das Begreifen, dass die Sehnsucht in Selbstmitleid und eher in Depressionen verblieb. Obwohl wir seit drei Jahren täglich telefonierten. Der Ausblick, trübe. Und Sweety sagt: „Ich möchte wieder lachen können.“ Fazit: Wie sehr habe ich das, was ich liebe, zu meinem Opfer gemacht.

Wie es mir jetzt geht? Ich habe mich neu verliebt. In das Steffi-Mädchen. Eine neue Sehnsucht und damit Vorstellung wächst an im Romantischen. So möchten mein Mädchen und ich bis zum Ende der Welt sein. Die an Österreich angelehnten Bayern sagen für Unendlichkeit: Ende nie.

Was mir das Schreiben des Tagebuchs persönlich gebracht hat? Beim Beschreiben der eigenen Gefühlswelt nahm ich Kontakt zu meinem Körper und zum Augenblick auf. Das führte zu einer besonderen Form von sinnlicher Sensibilität. Das Leid trat hervor. Das tragische Abbild eines Nichts wurde sichtbar. Doch ohne dass ich es sehen konnte. Nur fühlen. Die Tränen. Es war gleichwohl keine Katharsis. Mein größtes Talent ist das Selbstmitleid.


Peter S. schrieb aus seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt. Seine Texte waren nie einfach, immer verquer, was die Leserinnen und Leser zu vielen Kommentaren animierte. Auch ihm, vielen Dank für die Bereitschaft, am Weblog-Experiment der Caritas teilznehmen.

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Eine Antwort zu “Selbstmitleid ist mein größtes Talent”

  1. Polihymna sagt:

    Selbstmitleid ist auch mein grösstes Talent.Schön,dass es noch solche Menschen gibt.Doch eines finde ich nicht richtig.Sich zu isolieren und Trauerarbeit.Ich habe jemanden durch Tod verloren da bracuhte ich viel Trost und Ablenkung.Ich tröste auch gerne,weil die Menschen sich verstecken habe ich da leider nie etwas zu tun.Wenn die Menschen mehr aufeinander zugehen könnten,wenn sie traurig sind.Ich nehme gerne in den Arm.