„War klar, dass du mich wieder auf die Ballerburg warten lässt“, ärgert sich Walter. „Was regste’ dich auf, du kennst doch den Puff hier“, pflichtet ihm Roger bei. Fakt ist, dass wir immer nur so viele Klienten den Konsumraum nutzen lassen, wie er freie Plätze hat. Mit wütendem Blick in meine Richtung meckert Walter weiter: „Weißt du wie Scheiße das ist, ich bin auf Tuk.“ „Das interessiert den doch eh nicht“, antwortet Roger für mich, „der hat doch Spaß daran, uns zu traktieren“. Ein Vorwurf, den wir Mitarbeiter in diesem Zusammenhang oft hören. „Der Nächste, bitte“, sind dann die uns alle erlösenden Worte. 15 Buchstaben, die die Welt bedeuten können.
„Hallo Liebchen, wie geht’s dir?“, begrüßt Walter meine Kollegin im Konsumraum. Angekommen am Ziel hat er endlich Zeit fürs Freundlichsein und wird seinem Ruf als Kommunikator gerecht. Als der Platz neben ihm auch frei wird, ist Rolf an der Reihe. Er hat die ganze Zeit ruhig in der Kontakt- und Notschlafstelle gewartet. Während Walter zufrieden seine Witze macht, sagt Rolf auch während des Aufkochens und des Konsums kein einziges Wort. Er genießt schweigend den Kick, abgemeldet in seine eigene Welt.
Nach einigen Minuten kehrt er zurück. Seine Gedanken beginnen sich nun wieder zu fügen. Als Rolf anfängt zu sprechen, verstehen meine Kollegin und ich erstmal gar nichts. Einzelne Worte taumeln schillernd schön wie Seifenblasen durch den Raum, zerplatzen an ihrem eigenen Sinn. Sätze wie Schnüre, an denen sich die Wörter perlengleich entlangtasten.
Eben noch in unbekannte Muster verflochten, schafft das Gesprochene, gleich welchen Inhalts, ein Nacheinander. Kostbare Bruchstücke von Rolfs Erfahrungen. Aus Worten werden Orakel. Liebe, Verständnis und Erkenntnis wollen nun unbedingt ausgesprochen werden. Aber aus der hervordrängenden Lust am Sprechen wird schnell ein gewaltiger Wortschwall, der unsere Energie und Aufmerksamkeit mit sich reißt. Überflutet bleiben wir zurück.
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