Im Vorfeld hatte ich überlegt, ob ich mir das antun soll: Kunst zum Thema Rausch, Drogen und Sucht. Das alles bekomme ich doch jeden Tag auf dem Kölner Neumarkt zu sehen. Zwar nicht sorgfältig kuratiert, aber mindestens so eindrucksvoll. Und dann auch noch die weite Fahrt nach Dresden. Dort wurde eine Ausstellung gezeigt, die sich dem Umgang mit Rauschgiften in der Gegenwartskunst widmete. Meine Skepsis verflog schnell.
Denn glücklicherweise ging es diesmal nicht um bekannte Darstellungsweisen wie die dionysischen Ekstasen im alten Griechenland, die trunkenen Fabelwesen von Rubens oder die fixenden Knaben bei Larry Clark. Und es ging auch nicht um das „Draufsein“ ganzer Künstlergenerationen von van Gogh über Kirchner bis Arnulf Rainer.
„Under influence“ versammelte 15 internationale Positionen, die das Thema zum einen als subjektives Empfinden und zum anderen als gesellschaftliches Phänomen bzw. Problem darstellen. Fast alle künstlerischen Auseinandersetzungen blickten durch das Objektiv einer Kamera. Gleich im Eingangsbereich lief ein Film von Antje Majewski. Er zeigte wie sich Menschen in einem Club in Rage tanzen, bis die ersten desorientiert über den Boden kriechen. Auf die Zusammenhänge von Tanzrhythmen und Arbeitstakten wies Jeremy Deller hin. Er ließ eine der führenden Brass-Bands, die im Norden Englands immer noch für den Soundtrack von Industriearbeiterschaft und Gewerkschaftsbewegung stehen, Acid-House-Stücke einspielen.
Neben Popmusik war das Kino der andere, große Zugang in die Welt der Drogen. Oliver Pietsch hat in „The conquest of happiness“ vierzig atemberaubende Minuten lang die Hollywoodszenen zusammengeschnitten, die für die meisten Menschen den visuellen Erstkontakt mit Drogen gewesen sein dürften: Hunderte Schauspieler klopften sich auf die Armbeuge, hunderte Nadeln fuhren in hunderte Venen, Hunderte Kokainlinien wurden auf den Glastisch geklopft, hunderte Tablettenröhrchen fielen um.
Das Versprechen auf ewigen Rausch konnte „Under influence“ nicht geben. Stattdessen versprach die Ausstellung ewigen Kater. Der Rausch selbst ist in den meisten Exponaten Ausdruck der Depression geworden. „Drogen dienen heute nicht mehr so sehr dazu, den Kontakt mit den Göttern herzustellen, sondern oftmals als gesellschaftliche Stabilisatoren“, erklärte die Kuratorin Susanne Weiß. Ihr Resümee entspricht auch meinen Erfahrungen. Ach ja, ich bin übrigens froh, dass ich mir das angetan habe.









“gesellschaftliche Stabilisatoren” – das klingt irgendwie wie eine Bankrott-Erklärung, finde ich. Ich bin auch süchtig, allerdings “nur” nach Zigaretten und das hoffentlich nicht mehr lang. Übrigens, Tanzwahn gab’s schon im Mittelalter. Ich frag mich grad, für wen die Ausstellung eigentlich gedacht war und warum sie organisiert worden ist. Aber vielleicht darf man sich solche Fragen nicht stellen?
Igasho