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2009 2 Dez

Einmal in vier Wochen baden gehen

Autor: Wannebad | Kategorie: Armut, Obdachlosigkeit | RSS 2.0 |
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Badebürste © Steve Cukrov - Fotolia.comHeute komme ich etwas knapp zum Einsatz. Meine Kollegin erwartet mich schon. Wir holen den Schlüssel und gehen ins Kellergeschoss, wo die Räume des Wannenbades liegen. Überraschenderweise erwartet uns nur ein Herr. Wir kennen ihn schon lange und stellen beim Gespräch mit ihm fest: Er ist heute nicht eins mit sich und der Welt.

Nachdem er sich gründlich gewaschen und rasiert hat, bieten wir ihm einen Becher Tee an. Er lehnt ab. Stattdessen schimpft er auf die Politiker und das System. Ich versuche ihm klar zu machen, dass er durch die Ausübung seines Wahlrechts doch Einfluss nehmen kann! Aber er ist sicher: „Wählen gehe ich nicht.“ Egal welche Wahl wann ansteht …

Zwei weitere Badegäste freuen sich uns zu sehen. Einer bittet um die Bürste, die wir auf seinen Wunsch angeschafft haben. Er wird erst in vier Wochen wiederkommen. Er ist „unterwegs“, wie er es nennt. Er fragt höflich um frische Unterwäsche in XL, die wir aber leider in unserem kleinen Vorrat nicht finden können. So überlegen wir, wo wir in nächster Zeit welche besorgen können. Er verabschiedet sich höflich und freut sich.

Obwohl wir heute nur drei Badegäste hatten, gehe ich mit gutem Gefühl und zufrieden in meinen Alltag zurück. Manche Erfahrungen und Begebenheiten lassen mich „eigene Probleme“ aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Das tut gut.

Ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gruppe „Wannenbad im Herschelbad“

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