« Bunte Vögel und eintönige Moralisten Sie hat sich stets bemüht »

Geld © pixhunter.com - Fotolia.comDer alte Seneca kann einpacken. Sein Satz klingt ohnehin so abgenudelt wie die Hits von Dieter Bohlen: Für die Schule lernen oder für das Leben? Das sind Alternativen von gestern. Heute wird nur noch für den Cash gelernt. Bohlen hat das längst begriffen. Und mein Star-Schnorrer Frederick auch. „Na, willste auch mal was checken?“, begrüßt er mich vorm Kaufhof, nachdem er mich zuvor lange genug nicht beachtet hat. „Aber du weißt ja: probieren geht über studieren.“

Wir sind übereingekommen, dass er bestimmen kann, ob er mit mir sprechen will oder nicht.  Geschäftliches hat für ihn schließlich Vorrang. Für mich gilt bei ihm: Lieber manchmal nicht beachtet werden, als gar keinen Kontakt. „Und wie geht’s dir?“, frage ich ihn. „Siehste ja, ich lebe“, knurrt er zurück. Nur ein kurzes Zwinkern verrät mir, dass er es nicht böse meint.

„Danke sehr, die Frau. Einen schönen Tag noch“, hofiert Frederick dagegen sein Publikum. Er ist in seinem Element und bedankt sich höflich für den Euro, der ihm gerade zugesteckt worden ist. Belohnungen solcher Art haben allerdings auch Nebenwirkungen. Die Sozialpsychologie spricht von „Verdrängung intrinsischer Motivation“. Anreize von außen ersetzen schleichend den eigenen Antrieb. Im Fall Frederick bedeutet das, alle Bemühungen zur Veränderung seiner Lebenssituation sausen zu lassen. Denn Geld gibt es dafür nicht. „Ich bin doch nicht blöd. Fürs Entgiften bezahlt mich niemand“, höre ich ihn förmlich sagen.

Ist Seneca also doch nicht überholt? Aus meiner Sicht war sein Satz nie zutreffend. Schüler lernen nicht für die Schule und auch nicht für das Leben. Sie lernen für die Lehrer. Wenn sie die respektieren und sich anerkannt fühlen, ist das die beste Motivation. Gleiches gilt für Klienten. Ich glaube fest daran, Frederick zu ermöglichen, sich irgendwann für eine Entgiftung oder eine Substitution zu entscheiden. Selbst wenn er es mir nicht leicht macht. Auch in seinem Fall heißt die richtige Währung Aufmerksamkeit. Leider ist diese Ressource heute noch knapper als Geld.

Mehr von Frederick: Der Mick Jagger von der Domplatte

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Eine Antwort zu “„Ich bin doch nicht blöd“”

  1. B. sagt:

    Hatte mich schon gewundert, wo die Texte bleiben????
    Mick Jagger und “Ich bin doch nicht blöd” sind lustig und,
    gut.
    Und wie war das, von dem was man in der Schule lernt, bleiben nur max 20 % hängen, hätten wir statt Schule vielleicht auch auf der Straße mehr gelernt?

    Bis bald
    B.