Manche Entscheidungen haben etwas Merkwürdiges. Wir haben in der Gruppe noch mal über meinen Eisbecher gesprochen. Über den Eisbecher und unsere Regel des Gruppenausschlusses nach einem Rückfall. Für den Betroffenen ist eine solche Regel nicht gerade hilfreich. Eine Therapeutin, die ich zu dieser Regel einmal befragt habe sagte, diese Regel sei ganz einfach Schwachsinn. Und doch gilt sie jetzt auch für mich.
Aus der Sicht des Betroffenen stimme ich der Therapeutin zu. Und wenn ich an Regeln und Gesetze denke, habe ich eine Grundeinstellung, die auch nicht für eine solche Gruppenregel stimmt. Ich sehe Gesetze als Eingeständnis, nicht auf den individuellen Fall eingehen zu können und daher eine feststehende Handlungsschablone, eben das Gesetz, anwenden zu müssen. Wenn ich diese ganzen Überlegungen zusammenfasse und es ganz platt aus meiner Sicht sehe – ich habe kein wirkliches Verlangen vier Wochen raus zu sein – ja, das ist ne richtige Scheißregel.
Diese Regel dient nicht dem Betroffenen, sie dient einzig der Gruppe. Sie beendet den Sumpf aus Diskussionen über Fragen, ab wann ein Rückfall ein Rückfall ist. Beendet auch die Suche nach Gerechtigkeit. Um Gerechtigkeit nahe zu kommen braucht man eine Instanz, die außerhalb der Gruppe steht.
Ich sehe diese Regel ganz archaisch. Es ist Darwinismus. Real sieht es eben so aus, dass sich der Betroffene nach einem Rückfall fängt oder abstürzt. Archaisch gesehen leistet man etwas, das Respekt verdient und erwirbt sich dadurch die Anerkennung, die nötig ist um die Vertrauensverletzung wieder zu heilen.
Oder… Ja es ist ganz einfach archaisch.
Eine merkwürdige Sache, wenn man etwas vertritt, das weit von den eigenen Idealen entfernt ist. Etwas, das sich primär gegen sich selbst richtet. Aber ich bin damit ganz zufrieden, in der Gruppe für meinen Ausschluss gewesen zu sein. Eine Zufriedenheit mit dem Schatten, dass sich Ausschluss nach Ausschluss anfühlt. Zufrieden bin ich auch damit, ganz selbstsicher zu denken, ich werde in vier Wochen wieder dabei sein. Mit dem Schatten zu spüren, dass ein Eisbecher in der Lage sein kann, ein ganzes Gefüge zu verändern. Eine Sicherheit, die keinen Schatten hat zu denken: Es ist gut, wenn Ideale und Realität eine weite Spanne bilden ohne zu zerreißen. Abhängigkeit und Unabhängigkeit sind die Pole. Freiheit ist, sich bewegen zu können – in Angst sich immer in der Mitte halten?
lol
Tags: Ausschluss, rückfall, selbsthilfegruppe









@ Michael.
Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe Du machst dir da Gedanken,
und Du denkst mitfühlend.
Und für viele Betroffene ist deine Sichtweise sicher die bessere.
Ich habe deinen Kommentar zum Anlass genommen meine Sicht nochmal zu erklären. (siehe aktuellen Eintrag) Zu dieser Regel gibt es viele Meinungen aber leider hat jede mögliche Lösung zwei Seiten.
Ich weiß wie ich mit dieser Situation umgehen werde.Denke sogar, so vielleicht mehr zu erreichen als wenn ich zum normalen Alltag übergehen würde.
Noch mal danke
Rainer S
das es heutzutage immernoch solche Regeln gibt … ??? Ein Rückfall gehör zum Leben eines Abhängigen. Strafen dafür sind … mehr als Quatsch. Auch für die Gruppe sollte es doch “positiv” dazu beitragen können. So bekommen die “anderen” mit, wie nah man wirklich an der Kante läuft und wie schnell es passieren kann. Das erinnert alle daran, wachsam zu bleiben. Wie wärs, Dir eine andere Gruppe zu suchen, die nicht solche Regeln aufstellt? Dich vielleicht sogar nach Deinem Rückfall intensiver Rückhalt bieten kann?