Wir haben es jetzt zwei Uhr nachts und ich kann absolut nicht schlafen. Meine Versuche misslingen.Vor einigen Minuten lag ich noch in meinem Bett mit weit geöffnetem Dachfenster und beobachtete über mir den Himmel. Wow, nach langer Zeit konnte man mal wieder die Sterne sehen – eine tolle Nacht. Meine Gedanken kreisen. Früher habe ich mir oft den Himmel angeschaut, wenn ich verzweifelt war. Es war dann, als ob er mich wenigstens verstehen konnte. Mein Leben war nicht einfach, aber in der Zeit, in der ich jung war, glaubte ich einfach alles und vertrauten fast jedem. Denn ich wollte nicht so leben wie meine Eltern.
Dass dieser Weg, den ich eingeschlagen habe, so viele seelische Narben hinterlassen würden, hätte ich damals nicht gedacht. Jeder Arzt, dem ich einen kleinen Teil davon erzählte, riet zu einer Therapie. Aber wie viele Therapien soll man machen? Kann man vergessen, wenn man Kinder aus solchen Zeiten hat?
Ich kann nicht flüchten, denn meine Kinder sind mir sehr wichtig. Und auch wenn es für alle nicht leicht ist, so bin ich doch für sie verantwortlich. Ich möchte nicht, dass meine Kinder den gleichen Weg gehen wie ich. Es erfordert von einer allein erziehenden Mutter viel Kraft, alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn meine Kinder können ja nichts für meine Fehler.
Ich muss dazu einiges detaillierter erklären: Meinen Ältesten habe ich sehr jung bekommen, mit 18 Jahren. Sein Vater war Rocker in einer Motorradgang. Mit 21 Jahren hatte ich mit ihm einen Motorradunfall (Beinamputation). Mit 24 war ich von ihm geschieden, tablettenabhängig und hatte Erfahrung mit allen anderen Betäubungsmitteln. Mit 26 bekam ich mein zweites Kind. Vom heroinabhängigen Vater trennte ich mich zwei Jahre später. Ich selbst war nach der Schwangerschaft immer wieder trocken, aber wie das bei einer Partnerschaft, bei der beide Partner abhängig sind, so ist, zieht einer den anderen runter. Mit 28 Jahren kam ich nach einer Therapie und dem Tod mehrerer Freunde vom Heroin weg.
Mit fast 29 Jahren lernte ich einen neuen Partner kennen. Es hat lange gedauert, bis ich wusste, dass er Spieler war. Mit ihm habe ich zwei Söhne bekommen. Früher habe ich nicht nachgedacht, sondern einfach “heile Familie” gespielt. Ich kann meine Fehler nicht einfach auslöschen, aber ich kann das Beste aus unserer jetzigen Situation machen. Am wichtigsten ist mir dabei, meine Kinder zu stärken, ihnen ein gesundes Selbstbewusstsein mitzugeben, ihre Stärken zu fördern, ihnen trotz unserer Lage Mut zuzusprechen und ihnen meine Liebe zu zeigen. Ich hoffe es ist mir ein wenig gelungen! Mein Großer fängt bald ein Arbeitsprojekt an, mein 21-jähriger Sohn beginnt in einem Monat eine zweijährige Umschulung als Fachinformatiker. Die beiden anderen gehen zur Realschule.
Auch wenn sich die Väter kein Stück um Ihre Kinder kümmern und mir durch unterlassene Unterhaltszahlungen den Weg schwerer machen, werde ich nicht aufgeben. Denn ich bin mir sicher, auch wenn der Weg noch so steinig wird, wir werden ihn gehen. Und ich lerne Tag für Tag ein Leben in der Gegenwart zu führen und nicht in der Vergangenheit. Ja, ich glaube das ist der Weg, den ich gehen muss, ohne Hass und Wut, sondern in Dankbarkeit, dass ich so tolle Kinder habe.
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Ich lese deine Beiträge immer wieder. Vor einiger Zeit wollte ich mich eigentlich bei dir melden, weißt du noch? Irgendwie hab ich mich aber nicht getraut und da ich selber momentan viele Sorgen habe, wollte ich dich damit auch nicht noch belasten. Du hast dich bestimmt gefragt, warum ich mich nicht melde.