Rainer S.
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Archiv für Juni 2009

Fremde Hilfe oder alles auf die Selbstheilung setzen?

Montag, 22. Juni 2009

Die Ideen bleiben mir völlig aus. Ziellos leiere ich meinen Alltag herunter. Die seichten Stimmungsschwankungen, die in mein Bewusstsein schwappen, öden mich an. Meinen Gemütszustand von heute könnte man durchaus depressiv nennen.

Während meiner Drogenzeit habe ich mehrfach den Versuch unternommen, eine Psychotherapie zu machen. Dabei bin ich immer wieder auf die Tatsache verwiesen worden, dass eine solche Therapie nicht von der Krankenkasse getragen wird, wenn ein Drogenproblem besteht.

Na ja, dieses Ausschlusskriterium besteht nicht mehr. Also könnte ich mir die gelben Seiten schnappen, mir einen Therapeuten wählen und ein Vorgespräch vereinbaren. Dann könnte ich sicherlich in etwa einem halben bis einem Jahr eine Gesprächstherapie beginnen. Dieser Gedanke hellt diesen regnerischen Tag gleich richtig auf.

Die Rentenversicherung hat mir bei meiner letzten Kostenzusage für eine Drogentherapie mitgeteilt, dass es meine letzte ist. Ein Vorstrafenregister habe ich nicht, aber eine recht dicke Akte bei meiner Versicherung. Will ich diese Akte erweitern? Mir einen Arzt suchen, von dem ich nicht weiß, welche Vorbehalte er gegenüber Drogis hat?

Statistisch gesehen bin ich geheilt – mich da auf ein therapeutisches Glücksspiel einzulassen hat auch etwas Dummes. Da brauche ich nicht lange überlegen. Ein klares Nein für einen solchen Weg.

Es gibt die Selbsthilfegruppe und ich habe zu einigen Leuten aus der Drogenarbeit Kontakt. Könnte sein, dass ich dort etwas über einen zielgerichteteren Weg in Erfahrung bringen kann. Ziel in meinem jetzigen Alltag ist es, erstmal etwas rauszukriegen: Was will ich? Was will ich nicht?

Geh aus mein Herz und suche Freud

Sonntag, 21. Juni 2009

Ein Wochenende voller Farbe, Erlebnisse, Stimmungen, getragen von dem Lied “Geh aus mein Herz und suche Freud”. Als wir gestern in die Stadtkirche kamen zum Mittagsgebet, wurde mir angetragen die Andacht zu halten. Nach einer Ordnung, für jeden verfolgbar mit Liedern, Gebeten, Fürbitten. Eine Frau hatte die Bibel mit und wünschte sich einen bestimmten Text. Wir waren zu dritt in dieser Mittagsstunde. Jesus hat ja auch gesagt “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen”.

Im eigenen Gebet bitte ich um die göttliche Führung, für die Kraft und den Schutz. In diesem Fall wieder spürbar: das getragen werden, die Worte zu finden, die kleine Gemeinde im Glauben zu stärken, geeignete Texte zu lesen, von denen im Gesangbuch ein Vielzahl stehen, ob Liedtext oder Gedicht. Eine halbe Stunde dauerte die kleine Andacht, auch getragen von dem Lied “Geh aus mein Herz”. Zum Schluss um Segen gebeten und dazu etwas Schönes aus Irland gesprochen. Heimwärts ging es ein Stück zu Fuß an der Saale entlang, im Kopf acht Strophen durchgedacht vom Lied “Geh aus mein Herz”. Bei der achten Strophe meldete sich an passender Stelle eine Nachtigall im Gebüsch. Ich singe mit, wenn alles singt und lasse was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.

Alles Liebe und Gute wünscht Susi L. aus Jena

Meine Lebensphilosophie: Stell dich mitten in den Regen

Samstag, 20. Juni 2009

Heute ist wettermäßig ein durchwachsener Tag. Jacke aus bei Sonnenschein, Jacke wieder an bei Regen und kühler Brise. Ich stehe auf der Johannisstraße mit den Zeitungen auf dem Arm. Vor mir sind Bauarbeiter damit beschäftigt, neues Pflaster zu legen, das alte Potschwarz-Pflaster auszutauschen, gegen etwas Ordentliches. Der Motor der Kreissäge singt in einer bestimmten Tonlage. Mir fallen intuitiv Melodien ein zu diesem Motorakkord. Dastehend, summend, Vorbeieilenden nachschauend, Wolken fliegen sehen, meine Zeit füllende Beschäftigung.

Eine Studentin nimmt eine Zeitung. Für sie Gedichte, darunter Wolfgang Borcherts “versuch es”:

Stell sich mitten in den Regen. Glaub an seinen Tropfensegen. Hüll dich in sein Raunen ein und versuche gut zu sein.

Dieses Gedicht begleitet mich schon bald 30 Jahre. Meine Lebensmaxime, wie das Glaubensbekenntnis, wichtig für mich dieses auch zu leben. Die Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft – ständige Begleiter unseres Seins in gestern, heute und morgen. Nun weiter mit Wolfgang Borchert:

Stell dich mitten in den Wind, glaub an ihn und sei ein Kind. Lass den Sturm in dich hinein und versuche gut zu sein. Stell dich mitten in das Feuer, liebe dieses Ungeheuer in des Herzens rotem Wein und versuche gut zu sein.

In diesem Sinne, Grüße aus Jena von der Musesuse

Abzocke bei Hilfsjob

Freitag, 19. Juni 2009

Hallo da bin ich wieder. Das Gemüse ist gelüftet. Zurzeit lebe ich finanziell von Markttag zu Markttag, da für mich der Letzte im Monat schon war. Hartz 4 Geld ist alle. Ulli mein “Gemüsemann” bot mir schon an Tapeten abzureißen in seiner alten Wohnung, gegen Festpreis. Weil ich aber so etwas schon mal gemacht habe, schlug ich ihm vor mich pro Stunde zu bezahlen, da man ja nicht vorher weiß wie lange man braucht, wäre es so für beide Seiten am fairsten. Daraufhin fragte er nur: Wie lange willst du dich denn dann damit aufhalten? So als ob ich ihm das Geld aus der Tasche ziehen wollte. Ich traue ihm eher zu, dass er meine Notlage ausnutzen wollte.

Eine Nachbarin von mir kam zum Einkauf und fragte mich, ob ich ihr nicht die gelbe Tonne mit unserer tauschen würde, da unsere nach Ausstattung mit einem Vorhängeschloss ja abschließbar wäre. Nachdem ich ihr unsere Tonne gebracht hatte, gab sie mir noch Brot und Eier mit den Worten, mich doch auch ruhig zu melden, wenn etwas fehlt und das ich mich auch nicht schämen müsste, weil nach dem Krieg alle nichts hatten. Ich meine wenn es so wäre mit allen. Bis bald

Heute habe ich mir einen Traum verwirklicht

Freitag, 19. Juni 2009

Der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu. Auf dem Markt ist großes Zusammenpacken angesagt, ein Klappern, Türen schlagen, Motorengeräusche, Gemurmel. Ich sitze am Fuße des Hanfrieds, unseres Universitätsgründers und schreibe. Heute habe ich mir wieder einen Traum verwirklicht. In unserer Stadtkirche spielte jemand Nettes so schön Orgel. Freies Spiel, Improvisation. Ich ging auf die Empore und bat ihn im Piano zu spielen. Dazu gab es gelesene Gedichte, Liedtexte aus dem Gesangbuch und frei Gesprochenes von mir. Das war ein Gefühl, da oben zu stehen und zu rezitieren, in die große Hallenkirche hinein.

Einige Leute waren im Gotteshaus, die sich alles ansahen. Früh war es mir schwindelig und ich habe mich zum Arbeiten gezwungen. Und mittags dieses Geschenk, dieser Moment, dieses innige Erleben – einfach toll. So etwas stärkt, macht Freude und ist lange in der Erinnerung. Davon zehre ich an Tagen, wo es mir nicht so gut geht. Wie Sternstunden der Menschheit – unvergesslich. Meinem Orgelspieler gefiel diese Aktion auch gut. Vielleicht, wenn es die Zeit hergibt, wiederholen wir dieses Experiment. Da fällt mir doch folgendes Zitat ein von Charlie Chaplin “Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum”.

Mut zu guten Taten wünscht Musesuse aus Jena

Anstrengende Normalität

Freitag, 19. Juni 2009

Heute habe ich mir frei genommen. Außer dem Boule heute Abend habe ich eigentlich nur im Bett gelegen. Die verpasste Erholung im Urlaub fehlt mir.

Normalität ist ganz schön anstrengend. Ich habe ja mal geschrieben, für mich geht es erst mal darum Normalität zu lernen, und ich merke, dass ich damit ganz richtig gelegen habe. Es gibt so einiges in meinem Alltag, zu dem ich früher gesagt hätte du verkaufst dich. Vielleicht ist es auch das, was mich am meisten anstrengt. Ich weiß, dass ich das was ich jetzt mache, nicht 10 Jahre machen will. Da sollte noch etwas kommen.

Auch finde ich es sehr bedauerlich, dass Laras Vertrag an der Mühle bald endet. Lara ist immer wieder ein Lichtblick.