Die Ideen bleiben mir völlig aus. Ziellos leiere ich meinen Alltag herunter. Die seichten Stimmungsschwankungen, die in mein Bewusstsein schwappen, öden mich an. Meinen Gemütszustand von heute könnte man durchaus depressiv nennen.
Während meiner Drogenzeit habe ich mehrfach den Versuch unternommen, eine Psychotherapie zu machen. Dabei bin ich immer wieder auf die Tatsache verwiesen worden, dass eine solche Therapie nicht von der Krankenkasse getragen wird, wenn ein Drogenproblem besteht.
Na ja, dieses Ausschlusskriterium besteht nicht mehr. Also könnte ich mir die gelben Seiten schnappen, mir einen Therapeuten wählen und ein Vorgespräch vereinbaren. Dann könnte ich sicherlich in etwa einem halben bis einem Jahr eine Gesprächstherapie beginnen. Dieser Gedanke hellt diesen regnerischen Tag gleich richtig auf.
Die Rentenversicherung hat mir bei meiner letzten Kostenzusage für eine Drogentherapie mitgeteilt, dass es meine letzte ist. Ein Vorstrafenregister habe ich nicht, aber eine recht dicke Akte bei meiner Versicherung. Will ich diese Akte erweitern? Mir einen Arzt suchen, von dem ich nicht weiß, welche Vorbehalte er gegenüber Drogis hat?
Statistisch gesehen bin ich geheilt – mich da auf ein therapeutisches Glücksspiel einzulassen hat auch etwas Dummes. Da brauche ich nicht lange überlegen. Ein klares Nein für einen solchen Weg.
Es gibt die Selbsthilfegruppe und ich habe zu einigen Leuten aus der Drogenarbeit Kontakt. Könnte sein, dass ich dort etwas über einen zielgerichteteren Weg in Erfahrung bringen kann. Ziel in meinem jetzigen Alltag ist es, erstmal etwas rauszukriegen: Was will ich? Was will ich nicht?


