Außen und innen.
Außen Gelassenheit, innen Chaos. Ein hartes Knäuel unerfüllter Wünsche. Und
eine Kraft, die Jonas regelmäßig packt und einholt, wenn sich das
innere Meer mal wieder zurückzieht. Wie ein Fisch am Haken. Bei der Flut zuvor
war es wunderschön. Allerdings verdünnt die das Gift in seinem Körper. Und sie
führt jede Menge unreines Treibgut mit sich, das zurückbleibt, wenn die Ebbe
einsetzt.
Jonas kennt die
inneren Gezeiten nur zu gut. Er weiß, dass seine Rezeptoren, an die das Heroin
andockt, wieder frei gespült werden und die Endorphine verschwinden. Sie lösen
den Kick aus und halten den Schmerz fern. Bloß keine körperlichen Qualen – das
ist heute für Jonas die Hauptmotivation
Drogen zu konsumieren: “Ich kann mich nur noch gesund machen. Kopfkino kannste’
sowieso vergessen. Ich bin schon froh, wenn’s mir ein kleines bisschen wärmer
wird. Hauptsache nicht affig sein”.
“Gesund machen” und
“nicht affig sein” heißt für Klienten, keine Entzugserscheinungen zu erleiden. Keine
übelkeit, keine Gliederschmerzen oder Krampfanfälle. Der Schmerz strömt dann in
ihren Körper wie eiskaltes Wasser durch einen aufgerissenen Schiffsrumpf. Die
panische Angst davor ist oft der Grund für die wahnsinnigsten Reaktionen.
Anders lassen sich der Verlust jeglicher Hemmungen und der Abzock untereinander
nicht erklären. Die logische Konsequenz für viele Heroinabhängige:
Hop-oder-top. Oder wie Jonas zu sagen pflegt: “Scheiß doch der Hund drauf.”
Bei Jonas setzt das
Fluten des inneren Meeres immer seltener ein, das unreine Treibgut nimmt stetig
zu. Aber diese Erkenntnis reicht bei weitem nicht aus, ihn davon abzuhalten,
zu tun, was er glaubt, tun zu müssen. Irgendwo habe ich einmal aufgeschnappt,
dass das Chaos die gleichzeitige Anwesenheit verschiedener Ordnungen sei.
Einerseits. Andererseits denke ich: Das Chaos ist wie das Meer. Weltumspannend
und immer in Bewegung.
Tags: angst, entgiftung, heroin, panik, schmerzen









Dieser Text geht unter die Haut. Wieviel Power und Idealismus muss man haben, um sich derart intensiv mit Drogen und Konsumenten beschäftigen?