Mir ist langweilig. Blödes Rumgehänge, blöde Grippe. Die Gliederschmerzen sind weg, aber Kopfschmerzen habe ich immer noch. Vielleicht kommen die inzwischen schon vom blöden Rumhängen. überhaupt war das ne komische Krankheit. Husten, verstopfte Nase – fast gar nicht. Eigentlich halb so wild, aber ab und zu hatte ich das Gefühl, gleich kippe ich aus den Latschen.
Das Gefühl kenne ich sehr gut. Früher hatte ich das oft, dass ich unterzuckerte. Da kommt der Motor ins Stottern. Wenn man es kennt, weiß man dann auch, was zu tun ist. Traubenzucker, Cola, irgendwas, und ganz schnell, sonst kippt man tatsächlich aus den Latschen. Einmal ist es mir passiert, dass mir dieses Wissen sehr geholfen hat. Drei Tage lang hatte ich super Material. Alle Organe liefen da seit einiger Zeit auf Notstrom.
Ich wachte am dritten Tag auf und merkte, da geht gar nichts mehr. Ich überlegte, und mir fiel auf, dass ich schon seit mehr als 24 Stunden nicht mehr gepinkelt hatte. Trinken hat dann zwar auch nicht wirklich geklappt, aber eine minimale Nierentätigkeit wird es wohl gegeben haben. Tee, Wasser, Cola – alles zwecklos. In weniger als einer Minute hängt man über der Kloschüssel. Man wird da zum Spezialisten und findet heraus, was geht und was nicht. Das Einzige was ich in der Regel drin behielt, war Gatorade. Und mit Weingummi konnte ich meine Magenschleimhäute auch etwas besänftigen. Hatte ich in der Situation aber nicht und mir blieb mal wieder nicht viel Zeit. Dann hatte ich einen rettenden Geistesblitz. Eis! Der Kiosk um die Ecke. Ich schleppte mich dort hin und kaufte mir eine Packung Vanilleeis. Die Kälte beruhigt die Magenschleimhäute ja auch und es ist genug Zucker drin. Es hat geklappt, der Motor lief stotternd wieder an und zehn Minuten später saß ich auf dem Klo.
Okay, dann kann’s ja weitergehen, endlich konnte ich mich darum kümmern nachzulegen. Mein Magen hat sich nie wirklich auf Opiate eingestellt. Ab einer gewissen Dosis war es immer so weit. Doch die erreichte ich mit dem, was es normalerweise so gab, selten. Und wenn ich sie erreicht hatte, hatte ich immer noch nicht genug. Ich pendelte oft zwischen Toilette, Gatorade und meinem Besteck. Auf den Toiletten, von einem sich heftig zusammenkrampfenden Magen geschüttelt, das Rauschen des Pulses in den Ohren, und in dieser Situation völlig von Sinnfragen befreit. Das Weiß der Kloschüssel flimmert, wird tief wie ein Sternenhimmel. Wie von einem anderen Stern auf sich selbst blickend steht man neben sich, und ist von Ruhe umgeben. Zuckender Magen, verzweifelte Gedankenfetzen des Willens, treten in die Ferne. Nur noch umgeben vom Rauschen des Blutes blickt man in den Spiegel der Unsterblichkeit im Boden einer Kloschüssel.
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