“Ich brauche kein Tavor, ich brauche Geborgenheit, ich brauche keine Psychiatrie, ich brauche eine Familie”, schreit es mich in fetten Lettern an, als ich am Morgen meine E-Mails abrufe. Rosi ist eine von denen, die nicht mehr in die Ambulanz kommen. Vor einem Jahr brach sie den Kontakt ab, zog einfach weg von Frankfurt. Die Monate zuvor waren von Sorge und Hektik bestimmt: Rosi versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen! Vor wenigen Wochen nahm sie nun den Kontakt per Internet wieder auf. Ich bin erleichtert: Sie lebt noch! Aber wo und wie?
Ihr Hilfeschrei per Mail stimmt mich nachdenklich: Was brauchen die Menschen, die unsere Hilfe suchen, wirklich? Was heißt es, auf ihre Nöte zu reagieren? Und wer definiert in der Regel ihre Bedürfnisse und Nöte?
Im medizinischen Regelsystem zählt oft nur das Symptom, das ein Kranker oder eine Kranke bietet: das gebrochene Bein, die infizierte Wunde, die Lungenentzündung. Entsprechend fällt die Behandlung dann auch aus: Gips, Wundverband, Antibiotikum. Doch wer beachtet die besondere Lebenslage von Menschen wie Rosi?
Wer weiß, was es heißt, abends oder tagsüber keinen geschützten Raum zu haben, ein Ort, in dem einfach Ausruhen, Beinhochlagern oder Körperpflege und Hygiene möglich sind? Und was nützt dem Alkoholiker die zehntägige Entgiftung, wenn er sich anschließend wieder im Kreis alter Weggefährten wieder findet, deren Abstinenz schon lange her ist oder momentan undenkbar erscheint? Tagesstrukturierende Maßnahmen, Hilfestellungen bei den vielfältigen Behördengängen, die oft Frust und damit erhöhten Saufdruck bedeuten, können nicht auf Rezept verordnet werden.
Rosi, die ihr Bedürfnis nach Geborgenheit und Familie per E-Mail verschickt, erhielt psychiatrische Hilfe immer nur dann, wenn sie wieder einmal notfallmäßig in die Klinik eingeliefert wurde. Eine nachgehende Psychiatrie gab es für sie nicht und die Ansätze einer Gehstruktur sind nicht nur in diesem Fachbereich noch sehr bruchstückhaft.
Was braucht ein kranker Mensch in Wohnungsnot wirklich, um gesund werden zu können? Sicher keine strukturellen Hürden wie Praxisgebühren, Anträge, aus denen sein Mangel, kaum aber seine noch vorhandenen Ressourcen hervorgehen oder Kürzungen des Sozialgeldes, weil Termine und Auflagen nicht eingehalten werden konnten.
Ich glaube, Rosi hat Recht: Diese Menschen brauchen vor allem Beziehungen, die verlässlich sind. Sie brauchen Menschen, die sich für sie wirklich interessieren und gemeinsam mit ihnen suchen, was trotz aller Brüche und Verletzungen im Leben noch möglich ist. Ja, sie brauchen Menschen, die mit ihnen auf das vorhandene Lebenspotential in und mit aller Krankheit schauen und mit ihnen geeignete Wege gehen, dieses zu fördern und wirksam werden zu lassen.
Das ist mein Verständnis von echtem Heilsdienst.
Tags: einsamkeit, krankheit, perspektive, ressource









Für den Fall das dies Ihr letzter Eintrag war, schade, ich habe Ihre Einträge gern verfolgt.
Vor allem auch deshalb, weil mir das Mitfühlen einiger Menschen sehr geholfen hat.
Dieses Mitfühlen sehe ich auch in Ihren Beiträgen. Danke dafür.
Ähnlich wie Rosi lebte auch ich.
Ich wuchs als Co-Abhängige auf, Vater starb, Schuldgefühle, Versuch Süchtige zu retten, da Vater tot.
Vergwaltigung in der Kindheit, Krebs, Berufsunfähigkeit, Dauerburnout, Traumatherapie, eisernen Willen zu kämpfen und nie aufgegeben.
Ich rebellierte und verzweifelte auch phasenweise.
Ärzte, Drogenberatung, die Tafel, Psychologen, Esoterik, Karmaheilung …unzählige Versuche mit Naturheilpraktikern, Bioenergetic … alles half nur das Leiden zu ertragen.
Erst als ich aufhörte zu kämpfen und mein Schicksal im christlichen Glauben annahm, passierten Wunder über Wunder.
Kein Helfer, kein Notleidender heilt, ehe die Akzeptanz des Leidens fehlt und der tiefe Glaube daran, das Heilung möglich ist – dann, wenn Gott es zulässt.
Durch Esoterik machte ich Reinkarnationen und Karmaheilungen – sie führten zu einem tiefen Verständnis und Annahme der Situation.
Opferkarma – Macht, Missbrauch, Hörigkeit, Abhängigkeit – genau die Themen dieses Lebens.
In dem Moment wo ich das als Teil von mir annahm kam Hilfe von allen Seiten und Wunder wurden wahr.
Gesundheitsreform = Spiegel der Ärzte und Patienten – spiritueller Hochmut – denn nur Gott heilt – ohne seinen Willen ist keine Heilung möglich, so lange die Patienten, Notleidenden ihr Schicksal nicht annehmen und tragen, sich dagegen wehren heilen sie nicht.
Ich wünsche jeder Arztpraxis, jeder Klinik, Beratungsstelle, Drogenberatung … einen Schamanen, oder ähnliches, der Karma aufdeckt, den Helfern + Patienten den Mut es, als Teil von sich anzunehmen und dann kommen Heilungen zustande.
Auch Helfer erlernen ihre Berufe weil die Notleidenden Spiegel für sie sind.
glg Gabriele
Seit ich das erkannte, konnte ich vielen hilfreich zur Seite stehen.
So wünsche ich allen, das diese alten, neue Wege immer weitere Kreise ziehen.
… und Ärzte, wie Patienten von dem Volksdenken weg kommen, das sie die Götter in weiß sind.:-)
… das ist nicht böse gemeint, oder beleidigend – Ärzte haben sicher hochqualifizierte Ausbildungen und setzen ihre Zeit, Kraft und ihr Wissen ein – doch sie stossen an ihre Grenzen, wenn sie glauben das sie die Heiler sind.
Ändern sie ihr Denken, heilen Patienten eher, die sozialen Versicherungen werden entlastet und Ärzte haben wieder Zeit für die Menschen + bekommen mehr Lohn.
Dennoch ehre und achte ich den unermüdlichen insatz vieler Ärzte und Helfer.