Während der letzten Wochen berichtete Herr J. immer wieder
davon, dass er Weinbrand für den Magen brauche und nur so auch seine
Herzrhythmusstörungen nachlassen. Die Tabletten, die er gegen die Störungen einnehmen
soll, würden in schwummrig machen. Unsere Krankenschwester und ich wiesen ihn
mehrmals darauf hin, dass dies wohl im Zusammenhang mit Alkohol durchaus der
Fall sein könne, jedoch nicht ohne. Manches Mal ging er zur Arbeit in unserem Beschäftigungsprojekt
PVD und wir stellten Werte bis zu etwa zwei Promille fest. So war er seit
Monaten in seiner “russischen Melancholie” versunken, wie es ein Therapeut mal
nannte.
Nachdem Herr J. letzte Woche am Montag endlich einen Entgiftungsplatz
im Zentrum für Psychiatrie bekommen hatte, teilte er mir damals mit, dass er
streiken werde, nichts sagen, keine Therapieangebote wahrnehmen wolle, …
Ein paar Tage später rief mich der Therapeut an und sagte,
Herr J. wolle schon wieder zu uns zurückkommen. Dies lehnte ich ab mit dem
Hinweis, dass er dann auch bei uns sein Bündel packen könne, weil wir dann die
Maßnahme beenden (d.h. wenn er die Alkoholentgiftungsbehandlung abbricht).
Geplant war auf jeden Fall noch ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin der
Suchtberatungsstelle unseres Verbandes, die auch Sprechstunden in der Klinik
anbietet.
Glücklicherweise hielt Herr J. den Termin ein. Dort wurde
mit ihm ein Antrag für eine Auffangtherapie gestellt, in einer Einrichtung, in
der auch russisch sprechende Therapeuten arbeiten. So besteht die Chance, dass
die tief im Inneren liegenden Probleme vielleicht endlich aufgearbeitet werden
können, da Herr J. immer noch nur gebrochen Deutsch spricht.
Nun ist der stille, und eher zurück gezogen
lebende, liebenswerte Mann wieder zu uns zurückgekommen, versucht trocken zu
leben und wartet auf eine Zusage des Kostenträgers.








