SigridH
Rodemann
Bauschert
Rainer S.
SigridH
MuseSuse

Archiv für März 2009

Angst und Panik – Es bleibt so viel zurück

Dienstag, 31. März 2009

Heute Nachmittag kam meine zweite Haushaltshilfe. Die eine hilft mir in der Pflege und im Haushalt und die andere hilft mir bei meinem Bürokram und bei “Außergewöhnlichem”. Vor einem Jahr hatte ich noch eine vom Gericht zugewiesene Betreuerin für das Schriftliche, aber ich bin stolz, dass ich es mit “kleiner Hilfe” schon relativ alleine schaffe.
Meine Panik- und Angstattacken habe ich ein wenig besser im Griff. Die bekomme ich bei Behörden, im Supermarkt, an Stellen wo sich viele Menschen aufhalten. Und an Tagen, wo ich merke, es reicht das Geld wieder mal nicht oder ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen. Das ist auch so was, was von meiner Drogen- und Tablettenabhängigkeit zurückgeblieben ist, es bleibt soviel zurück… Depressionen, ängste bis hin zur Panik. Schade dass man das nicht vorher glaubt.

Immer wieder das gleiche Thema

Dienstag, 31. März 2009

Wie kann es anders
sein: Die ganze Besuchsstunde redete Herr A. von nichts anderem als seinem Besuch
bei uns. Nach über zehn Jahren Freiheitsentzug von der Welt draußen empfand er
alles als toll: die Möbel, den großen Fernsehapparat, die neuen technischen Geräte,
den schön gedeckten Tisch mit dem Kaffee und Kuchen und immer wieder betonte
er, wie schwer es ihm fiel, wieder hinter Gitter wohnen zu müssen.

Da Herr A. im Knast nur seiner Arbeit nachgeht, keine Freizeitangebote in Anspruch
nimmt und auch nicht liest, nur sehr viel fernsieht, wird dieses Ereignis bei
den nächsten Besuchen das Gesprächsthema bleiben. Erst wenn sich in seinem
Umfeld irgendetwas Neues ereignet, ist Themenwechsel angesagt.
Und dieser
Umstand wird sich bis zu seiner Entlassung auch nicht ändern.

Wie die Wirtschaftskrise auch uns trifft

Dienstag, 31. März 2009

Seit mehr als 18
Jahren arbeite ich in der Wohnungslosenhilfe. Mich reizt an der Arbeit neben der Tatsache, dass diese naturgemäß sehr abwechslungsreich
ist, die einzelnen Biographien unterschiedlichster
Personen immer wieder hautnah mitzubekommen. Regelmäßig freut es mich, wenn ich positive Nachrichten höre,
wenn sich jemand zum Beispiel wieder gut in die Gesellschaft
integrieren konnte, Arbeit oder einen guten Platz zum Leben gefunden
hat.

Allerdings gibt es auch immer wieder echt tragische Geschichten.

Heute rief mich eine Frau an, die wir seit kurzem wieder im Rahmen
unserer Hilfe betreuen. Sie berichtete leicht angetrunken unter Tränen,
dass ihr Freund, mit dem sie schon lange gemeinsam lebt, nun doch seine
Arbeit im Juni verlieren wird, obwohl sie noch vor Tagen Freude
strahlend bei mir war und berichtet hatte, Herr M. bekäme einen
unbefristeten Vertrag. So spüren wir durch die von uns beratenen
Menschen ganz direkt die Auswirklungen der Wirtschaftskrise.

Nachdem es in unserer Wohnungsloseneinrichtung etwas ruhiger geworden war, nachts während der Rufbereitschaft kaum Anrufe gekommen waren und die Belegung kurzfristig etwas unter dem Durchschnitt gelegen hatte, gab es innerhalb von etwa zwei Tagen eine drastische Veränderung. Wie aus dem Nichts kamen innerhalb kürzester Zeit drei Paare sowie etwa fünf weitere Wohnungslose zur Aufnahme. Plötzlich mussten wir überlegen, wer für die einzelnen Personen zuständig ist, Neuanträge machen, Kostenklärungen herbeiführen, Lebensgeschichten anhören, auf neue Probleme eingehen usw.

Es ist auffällig, dass ein immer größer werdender Teil unseres Klientels junge Leute unter 25 Jahren (sog. U 25) ist. Auch steigt der Frauenanteil seit Jahren. Dazu kommt, dass auch immer mehr psychisch belastete oder kranke Menschen unsere Einrichtungen anlaufen.
Unsere Krankenschwester, die rein über Spenden finanziert, zwei Mal wöchentlich im Jakobushof arbeitet, berichtete letzten Freitag, dass von den zehn neu Aufgenommenen allein fünf Psychopharmaka verschrieben bekommen oder eine Drogenproblematik im Hintergrund haben.

Ganz nah an meinem Lebensthema

Montag, 30. März 2009

Heute habe ich nur einen halben Tag gearbeitet. Mehr als 15 überstunden soll ich nicht anhäufen. Der Nachmittag ist schnell vorbei. Ich schreibe eben noch meinen Eintrag und gehe dann gleich zur Gruppe. Im Augenblick habe ich oft Drogenträume. Tagsüber hat mein Unterbewusstsein keine Chance die Steuerung zu übernehmen, aber nachts schlägt es umso heftiger zu. Diese Träume sind aber keine Träume, die durch Suchtdruck ausgelöst werden, sondern es geht da eher ums Ausbrechen. Früher habe ich gegen die Welt rebelliert, heute rebelliert mein Unterbewusstsein gegen mich.

Ich bin unzufrieden mit mir und finde keinen Weg das zu ändern. Es hat lange gedauert, bis ich mich nach meinem Heroinkonsum wieder halbwegs als normaler Mensch fühlte. Das waren gut eineinhalb Jahre. Ich habe das immer mit Muskelschwund verglichen. Es dauert lange, bis man wieder gehen kann, wenn man keine Muskeln mehr hatte. Genau so ist das für ein Nervensystem, das gewohnt ist, sich sämtliche Glückswahrnehmungen intravenös zu verschaffen. Es dauert bis sich da wieder Glückshormone bilden.

Heute ist das ein ähnliches Gefühl, zwar nicht so deutlich aber doch ähnlich. Für meine berufliche Zukunftsplanung hatte ich mir einen Zeitraum von knapp zwei Jahren gegeben. Diese Sache wird länger dauern. Nicht dass ich denke, das bleibt unverändert und dauernd spürbar so, aber ich glaube, ich bin da ganz nah an meinem Lebensthema. Jedenfalls fühlt es sich so an.

Noch kein Geld auf dem Konto…

Montag, 30. März 2009

Super… tolles Wetter für die Ferien. Die Laune ist bei so einem super Wetter schon ganz anders. Hatte heute einen Termin bei meiner Physiotherapeutin, ich versuche die Zeit trotz Schmerzen zu genießen.
Leider ist noch kein Geld auf meinem Konto, bloß nicht sich reinsteigern, sondern die Dinge akzeptieren, die ich nicht ändern kann. An manchen Tagen gar nicht so leicht … tja. Man sollte sich etwas wünschen dürfen.

1000-fache Frühjahrsgedanken

Montag, 30. März 2009

Nach der Arbeit in der Gärtnerei entschließe ich mich doch nach Hause zu gehen und einen Ruhigen zu machen, bis zur 17 Uhr Veranstaltung heute. Es gibt vorgekochtes Hühnerbein mit Reis, dann ein kurzes Schläfchen.
Nun sitze ich hier, höre Radio MDR Figaro, meinen Lieblingssender, und schreibe. In den Nachrichten Schauerliches wie z. B. Amokläufe, sonst Krise und anderes. Ja, eine Welt im Umbruch. Müssen wir nicht viel sparsamer mit unseren Naturressourcen umgehen, ein neues Bewusstsein entwickeln? Fragen über Fragen. Es gibt Prophezeiungen, dass eines Tages Kriege geführt werden um Trinkwasser und daseinswichtige Dinge.
Meine Gedanken zum Frühjahr schreibe ich an Freunde. Im Januar und Februar habe ich 1040 Kopien zweier Gedichte auf Karton mit zur Straßenzeitung verschenkt. Es ist wichtig auf Elementares hinzuweisen, auf Eigentliches. Diese Aktion habe ich über den Verkauf der Straßenzeitung finanziert. Von Elli Michler “Ich wünsche dir Zeit” und von Peter Bossegger “Wünsche zum neuen Jahr”. Beides ganz aktuell. Wie heißt es bei Letzteren:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was.

Grüße von Suse L. aus Jena