Noch ein Tag bis Weihnachten. Alle sind etwas aufgeregt – ich auch. An den Feiertagen besuche ich auch meine Mutter und bin mit meinem Freund zusammen. Ich war heute mit Frau S. auf dem Markt, dann sind wir noch in den Ein-Euro-Laden und haben uns zwei verrückte Kopfbedeckungen gekauft. Ein Hirschgeweih mit Glöckchen und eine Nikolausmütze mit Zöpfchen.
Archiv für Dezember 2008
Zwischen Hirschgeweih und Honigküchlein
Dienstag, 23. Dezember 2008Weihnachtsmarkt-Wahnsinn
Montag, 22. Dezember 2008
Worauf ich beruflich und auch privat gerne verzichten würde, ist der alljährliche innerstädtische Weihnachtsmarkt-Wahnsinn. Unglaublich viele Menschen bevölkern dann an 14 Stellen in der Stadt geschichtsträchtige Orte mit dem Ergebnis: Drängel – Schubs – zack die Haare der Frau vor mir auf dem kandierten Apfel – Drängel – Schubs – zack den Glühwein des Hintermannes auf der Jacke – Drängel – Schubs – und zack ist das Portmonee geklaut!
Zu allem Unglück findet Kölns ältester Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt statt, dem zentralen Innenstadtplatz im Einkaufsviertel oder mit den Worten eines Polizisten heimelig umschrieben: unserem Wohnzimmer. Auf dem Neumarkt verbringen meine Kolleginnen vom Aufnehmenden Suchtclearing und ich viel Zeit, er ist eine Anlaufstelle für Heroinabhängige in Köln.
So kommt es wie es kommen muss. Während des Weihnachtsmarktes ist alles in Unordnung – die Stadt, die Menschen und ihre Abläufe. Selbst das Leben von Süchtigen gerät noch weiter durcheinander. Unsere Klienten verschwinden für ein paar Wochen mehr oder weniger unfreiwillig von der Szenebildfläche und wir laufen ihnen mehr oder weniger freiwillig hinterher. Die einzige Ordnung in dieser Zeit besteht dann darin, dass Klienten und Sozialarbeiter froh sind, wenn wieder Januar ist.
Wenn die Uhren anders gehen
Montag, 22. Dezember 2008Eigentlich wollten wir ja am Wochenende auf den Weihnachtsmarkt, das klappte leider nicht, weil bis wir alles erledigt hatten mit Einkaufen, Kochen, Waschen und Putzen, war es schon wieder Abend und wir waren froh, relaxt vor dem Fernseher zu sitzen. Der Sonntag ging auch schnell vorüber.
Mein Gaswasserboiler ist immer noch kaputt und wenn mein Freund nicht zu mir gekommen wäre, hätte ich noch nicht einmal duschen können, weil ich den Boiler nicht anbekomme. In der Oase herrscht eine leicht genervte Stimmung, das hängt mit Weihnachten zusammen; es ist jedes Jahr ähnlich. Ich bemerke gerade, dass ich Mühe habe mich zu konzentrieren.
Heute Morgen kam Frau R. nicht pünktlich in die Oase. Wir haben uns große Sorgen gemacht, da sie Diabetes hat und immer unvernünftig isst. Frau RS. hat sie zuhause angerufen, aber keinen Anschluss bekommen. Um zehn Uhr kam sie endlich und alle waren erleichtert. Frau R. sagte, sie habe zwei Uhren und auf einer war es eine Stunde später als auf der anderen.
Heute kam zum letzten Mal unsere Keksfrau. Sie kommt seit sechs Jahren immer im Advent und bringt uns vier Wochen lang immer montags zwei Tüten Gebäck und einen großen Kuchen. Ihren Namen verrät sie uns nicht.
Fluchtbewegungen auf dem Weihnachtsmarkt
Freitag, 19. Dezember 2008
Aufregung pur. Die Frauen unseres Wohnungslosentreffs Oase redeten heute den ganzen Vormittag über den Besuch des Weihnachtsmarktes. Jede bekam zehn Euro für Essen und Trinken. Kaum hatte Frau Plehn vom Oasen-Team das Geld verteilt, ging es los: Frau G. entschuldigte sich, weil ihr angeblich schwindelig war und verschwand. Frau A. erhielt ihre 10 Euro und verschwand ebenso. Ihr war zwar nicht schwindelig, aber sie hatte irgendetwas anderes. Die restlichen drei liefen mit Frau Plehn gemütlich über den Mannheimer Weihnachtsmarkt, genossen es und verköstigten sich. Dann wollte unsere “Kaffeetante” nur noch runter vom Weihnachtsmarkt um beim Grimminger ihren Kaffee zu trinken. Sie nahm eine andere Frau mit, die sie im Glauben ließ, dies mit Frau Plehn besprochen zu haben. Das war aber nicht der Fall.
Mein Gaswasserboiler wurde gestern repariert und geht aber heute schon wieder nicht. Dafür ist meine Migräne weg. Ich freue mich auf das Wochenende vielleicht besuchen mein Freund und ich einen Weihnachtsmarkt in der Pfalz. Unseren Weihnachtsbraten haben wir heute eingefroren. Die Soße habe ich probiert, schmeckt hervorragend wie immer.
Kaputter Boiler und Migräne statt Weihnachtsmarkt
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Eigentlich wollte ich gestern schon anfangen zu schreiben, aber leider bekam ich mal wieder Migräne. Mein Gaswasserboiler ist kaputt und dann gab auch noch das Aufladegerät von meinem Handy seinen Geist auf. Da jeder Anfang schwer ist, fällt mir das schreiben noch nicht so leicht.
Die Oase-Frauen sind mit Frau Plehn auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Ich habe leider immer noch Kopfschmerzen und bleibe lieber bei Frau Fischer und helfe ihr den Weihnachtsbraten vorzubereiten, um ihn für Heiligabend einzufrieren. Für mich ist Weihnachten immer auch eine traurige Zeit, weil ich vor einigen Jahren obdachlos war und es niemals vergessen werde, wie es damals für mich war. Heute habe ich auch immer mehr Freude und Besinnlichkeit an Weihnachten da ich mich an meine Wohnung gewönht habe. Gott sei dank, dass es die Oase, Frau Fischer und Frau Plehn gibt, die mich psychisch und moralisch so sehr unterstützen. Ohne diesen Halt wäre mein Leben ein anderes. Heute bin ich dann nur noch froh, wenn zwischen 14 und 16 Uhr die Handwerker kommen um meinen Gaswasserboiler zu reparieren, damit ich endlich wieder heißes Wasser habe.


