SigridH
Rainer S.

Mit ‘vertrauen’ getaggte Artikel

Wer fragt, gewinnt

Mittwoch, 15. April 2009

Der letzte Ferientag bei uns in Niedersachsen, der geregelte Alltag beginnt morgen wieder. Mein “Kleinster” hatte nicht viel von den Ferien. Ohne Geld kann man nichts machen, noch nicht mal für einen Kinobesuch hat es gereicht. So etwas gab es bei mir vor vier bis fünf Jahren nicht. Wie sich das mit der Zeit verändern kann. Wenigstens hat Moma etwas von den Ferien gehabt.

Was kann ich machen? Heute Nachmittag war ich bei Bella, meiner Krankengymnastin. Man kommt zwar mit Schmerzen wieder raus, aber nach einigen Stunden und etwas Muskelkater geht es wieder für zwei bis drei Tage. Super, ich durfte wieder unter die Sonnenbank, dann habe ich einige Minuten, die ich sooooo genieße. Ich krabbele da zwar rauf und runter, aber dafür mache ich es gerne.
Heute Nacht konnte ich nur kurz schlafen, denn meine Knochen taten so doll weh, irgendwann bekommt man auch als Schmerzpatientin zu viel. Das kann sich keiner vorstellen und das wünsche ich keinem. Die Nächte verbringe ich entweder vor dem Fernseher um mich abzulenken, mit Lesen, oder ich denke nach. Ich muss halt nur aufpassen, dass ich nicht zu viel nachdenke und in Depressionen verfalle.
Da habe ich manchmal auch gute Ideen, wie ich mich aus dieser Lage befreien kann. In zwei Wochen hat Moma Konfirmation und ich weiß immer noch nicht, wie ich ihm eine kleine Feier geben kann, denn meine Gelder reichen wieder nur bis Ende nächster Woche und das ohne eine Feier.
Heute Nacht kam mir eine Idee, wie ich zu einem Frisörbesuch kommen kann. Nach der Physio bin ich zu einem tollen Frisör gefahren (dort war ich vor Jahren selber Kundin), habe denen meine Situation geschildert und gefragt, ob Sie noch ein Model brauchen. SUPER!!! Es hat geklappt. Nächste Woche habe ich einen Termin und eine Sorge weniger. Also Leute traut euch: Fragen kostet nichts und manchmal gibt es noch Menschen, die wirklich helfen und Modelle werden immer gesucht. Auch wenn es die Lehrlinge machen, keine Angst, denn sie müssen schließlich auch lernen.

Also an euch da draußen: Gebt das Kämpfen nicht auf, liebe Grüße Sigrid

Reine Vertrauenssache

Montag, 06. April 2009

Heute bin ich nicht zur Arbeit gegangen, ich bin krank. Mindestens einmal pro Jahr habe ich eine richtig heftige Erkältung. Wenn das jetzt meine Jahreserkältung ist, bin ich noch ganz gut weggekommen. Den ganzen Tag draußen arbeiten und dabei immer wieder ins Schwitzen kommen, quittiert mein Körper mit Erkältungen.
Die Kinder, die in den Osterferien in der Mühle sind, vermissen mich, habe ich gehört. Das ist eine schöne Sache. Zu vielen Kindern finde ich leicht Zugang. Ich bin halt der Kettensägemann. Und wenn es darum geht Boote zu bauen, werde ich natürlich oft angesprochen. Auch die Sache mit den drei jugendlichen vor kurzer Zeit ist ganz gut gelaufen. Ich finde Zugang und wenn ich etwas länger mit jemanden zu tun habe auch Vertrauen. Reflexionen, die man in einer Drogenkarriere normal nicht macht.
Obwohl mir Vertrauen auch schon geholfen hat mit Heroin aufzuhören. Ich wusste, wenn ich so weiter mache, habe ich noch ein halbes Jahr. Aber ich habe erst einmal nichts gemacht, keine Unmöglichkeiten versucht. Gedacht habe ich: “Das Schicksal wird mich noch mal fragen, Rainer, entweder oder.” Das Schicksal klopfte in Form einer Bankmitteilung an. Zahlen sie innerhalb der nächsten zwei Wochen ihren überzogenen Dispositionskredit in Höhe von 6800 D-Mark zurück. Normalerweise ist dann die letzte Möglichkeit sich über Wasser zu halten, ein Forcieren von Drogenkriminalität. Ich bin zu einem Freund gegangen und hab ihm meine Situation geschildert. Er hat mir 1000 Mark geliehen, die ich am nächsten Tag bei der Bank abgegeben habe. Die Bankangestellte hat sich anhand meiner Auszüge schon ein eindeutiges Bild von mir gemacht und staunte mich zu sehen.
“Ich habe meinen Kontostand ein wenig aus den Augen verloren, aber hier haben sie schon einmal 1000 Mark zurück, und wie kann es jetzt, von ihrer Seite aus, weiter gehen?”, fragte ich. Mir wurde ein Umschuldungskredit eingeräumt. Später habe ich mal bei einer Bank angefragt, ob ich einen Kredit für eine Selbstständigkeit bekommen könnte. Es fehlten mir ca. 3000 Euro. No way. Ich habe mich in den Arsch gebissen etwas von Selbstständigkeit gesagt zu haben, als Privatkredit hätte ich das Geld, denke ich, bekommen. Kredit kommt von credo, ich glaube. Bei Banken habe ich das nicht mehr, die hatten mich als umsatzstarken Junkie lieber, aber bei Kindern hab ich ihn.