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Rainer S.
SigridH
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Mit ‘vertrauen’ getaggte Artikel

Voneinander lernen, heißt siegen lernen

Mittwoch, 01. Juli 2009

Eine Stunde vor Mitternacht, der zunehmende Mond schaut durch die Balkontür. Heute war der erste Sommerlich warme Tag mit stolzen 27 °C. Hat es doch geholfen, meine Wünsche zum Sommer in der Studentischen Mittagsandacht zu verlesen. Heute habe ich wieder Blumenfotos farbigem Papier zugeordnet und später auf die vorher gefalteten A5 Bögen aufgeklebt.

Das ist eine Wohltat für die Sinne. Man ahnt den Geruch der Blüten auf den Karten. Weißer Rittersporn mit Hummel auf grün und blauen Untergrund, und anderes. Das ist ein kreativ sein, das einfach Freude bereitet. Dann die Freude des Beschreibens und später Verschenkens.

Eine liebe Musenschwester, die auch mit nervlichen Krankheiten zu tun hat, hatte mir mal diesen Tipp gegeben, farbiges Papier zu nehmen für Karten. Sie selbst übt sich in der Malerei auf Seide und hat schon einige Ausstellungen gehabt. Es ist gut, neben sich Menschen zu wissen die auch im gleichen Boot sitzen oder zuhören, die einen begleiten. So ein Erfahrungsaustausch in Lebensfragen oder künstlerisch, bringt mich immer ein Stück weiter.

Früher gab es mal eine Losung “Voneinander lernen, heißt siegen lernen”. Das war in der DDR-Zeit natürlich noch etwas anders gemeint. Trotzdem ist da aber etwas daran. Gut, dass es Anlaufstellen gibt bei den Vereinen, unter dem Dach der Kirchen oder bei dem Bruder und der Schwester neben uns, sich auszutauschen. Ein Netz, was mich hält. Zum Schluss noch folgendes “Nichts ist so hoffnungslos, dass wir nicht Grund zu neuer Hoffnung fänden”.

Ein Aufeinander-zu-gehen wünscht Susi L.

Stimmung in Schieflage

Donnerstag, 28. Mai 2009

Die ganze Woche noch nichts geschrieben. Montag Gruppe. Okay, da ging nichts. Dienstag hatte ich nach der Arbeit auch etwas Ehrenamtliches zu tun. Gestern habe ich mich um fünf ins Bett gelegt, bin um zehn noch mal aufgewacht, gedacht es wäre schon wieder morgens und Zeit zur Arbeit zu gehen. Ich hab dann noch kurz in die Glotze gekuckt und danach bis morgens durchgeschlafen.

Heute wollte ich eigentlich Boule spielen, aber die Boulekugeln, die ich mir bestellt habe, sind noch nicht da. Meinem inneren Schweinehund kam das aber sehr recht. Also habe ich heute mal wieder Zeit zum Schreiben.

Am Montag hatte ich eine Auseinandersetzung mit einer Mitarbeiterin, beziehungsweise mit meiner direkten Vorgesetzten. Zu dem Thema wird es jetzt ein Klärungsgespräch geben. An sich ist es so ganz gut. Dieses Gespräch stand aus. Ich lasse mich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, darum scheint es ziemlich zu wirken, wenn ich mal energisch Nein sage.

Die Stimmungsschieflage, die das nach sich gezogen hat, empfinde ich als nicht gerade launefördernd. Dieses Klärungsgespräch ist nötig und überfällig, und es wird sicher dazu führen dass ich mehr Handlungsspielräume und Kompetenzen bekomme, aber damit auch eine ganze Portion mehr Verantwortung trage.

Manchmal denke ich in der Art eines Schachspielers. Im Geschäftsleben habe ich es auch gemocht zu taktieren und zu wissen, mein Gegenüber tut es auch. Im Schach ist ein solcher Zug ein Damenopfer. Aber das hier ist kein Schach, es geht nicht um Taktieren, sondern um Klärung.

Klärung: Manchmal ist es einfacher zu wissen, man ist von Arschlöchern umgeben.

Auf der Autobahn der Gefühle allein am Steuer

Donnerstag, 14. Mai 2009

Auf der Autobahn - ©  sk_design - Fotolia.comWie immer: Ich kann nicht schlafen, habe Kopfschmerzen. Eigentlich müsste ich schlafen wie ein Bär, aber leider auch in dieser Nacht … nichts. Es ist wie verhext. Eigentlich kein Wunder, denn was ich in letzter Zeit hinter mir gelassen habe, finde ich zumindest enorm. Mein Leben dreht sich in einer Schnelligkeit, die ich im Moment gar nicht so in Worte fassen kann. Tausende von Gedanken und Gefühlen, die durch mich hindurchrasen.

Klar habe ich einige Menschen um mich herum, mit denen ich mich austauschen kann, aber es fehlt mir mit einem Mal etwas, das ich selbst nicht so ganz verstehe. Im Moment hätte ich gerne jemanden, der mich blind versteht und mich auffängt in diesem Gefühlschaos. Ich habe ab und zu in Selbsthilfegruppen und kleineren Seminaren von mir und meine Vergangenheit gesprochen, aber nicht in solcher öffentlichkeit.

Ich meine, bewusst dazu zu stehen und einen ganz neuen Anfang zu wagen, noch mal einen neuen Abschnitt zu begehen. Ich weiß, er wird nicht schlecht sein, aber es macht halt auch ein wenig Angst. Und heute Nacht, dachte ich zum ersten Mal darüber nach, wie es halt wäre, wenn ich doch jemand vertrauen könnte. Das mit mir und dem Vertrauen ist halt auch so eine Sache. Wer weiß schon, was das Leben für überraschungen bringt und ich denke, mit ein wenig Gottesvertrauen … Ist auf jeden Fall besser, wie wenn ich mich, wie “zu meinen besten Zeiten” tätowiert habe.

Ich bin traurig

Mittwoch, 06. Mai 2009

Unsicherheiten, Fragen, Fehler. Zu dem Kommentar von Hannes. Den Eintrag vom ersten Mai habe ich vom Redakteur löschen lassen, weil – er hat mir einfach nicht gefallen. Ich habe mir darin nicht gefallen. Darin sind einige Ansichten angerissen, denen ich in dieser Kurzform nicht gerecht werde. Aber vor allem… Ich saß im Bus und dachte über diesen Eintrag nach. Was ist da eigentlich das Problem? Ist wohl eher mein eigenes Problem.

Ich war mal in meiner Bezugsgruppe in der Therapie, das Los viel auf mich und so wurde ich in dieser Runde zum Thema. OK, ich habe mich darauf eingelassen, viel von mir preisgegeben. Viele Lücken und Defizite gezeigt. Von der etwas fassungslosen Gruppe wurde ich dann irgendwann gefragt: “Und? Wie geht es dir damit?” Mir rasten Gedanken durch den Kopf von “selber Schuld” bis “ich weiß auch nicht, wie ich da über meinen Schatten springen kann”. Die gesuchte Antwort war: Ich bin traurig. Lag nicht im Definitionsbereich möglicher opportuner Antworten. Darauf bin ich nicht gekommen.

Das wird es wohl sein, warum mir dieser Eintrag nicht gefiel. Er berührt meine eigene, wahrscheinlich zentrale, Behinderung. Im Bus habe ich dann entschieden, den Eintrag löschst du. Die meisten Menschen haben mit dem Problem nichts am Hut, und das ist auch besser so. Danke an Hannes für den Denkanstoß. Und an die Redaktion, stellen Sie meinen Fehler vom ersten Mai doch (falls möglich) wieder ins Netz.

Anmerkung der Redaktion: Beitrag vom 1. Mai ist wieder online.

Endlich frei! Ich habe keine Angst mehr zu versagen

Dienstag, 28. April 2009

Kann mal wieder nicht schlafen, meine Arthrose in meinen Knochen macht mir zu schaffen. Wir haben es jetzt 23:42 Uhr. Gestern haben wir die Konfirmation hinter uns gebracht und das gar nicht mal so schlecht, wie ich finde. Mein Sohn hat sich gestern oft bedankt, er meinte, es wäre ein schöner Tag gewesen. Der Gottesdienst war super gestaltet, eine lockere Predigt, die mich zum Nachdenken brachte. Kein Streit mit der Verwandtschaft (ihr müsst wissen, ich bin mit so viel Streit und Suchtproblemen groß geworden), super Wetter, und – wenn auch mit ganz kleinen Pannen- es war das erste Fest, wo ich war wie ich bin. Ohne dass ich mich vor meiner Familie rechtfertigen musste. Ich habe mein Ding durchgezogen, und wenn ich auch kein Geld für neue Klamotten hatte, ich bin glücklich.
Vor Jahren wäre ich nicht mit Motorradstiefeln zur Kirche erschienen, aber Moma hat sie mir geputzt und meine Söhne meinten, ich sähe cool aus. Eigentlich habe ich, wenn auch mit kleinen Hilfen, (an dieser Stelle danke ich denen, die mir mit ihren Spenden und anderen Dingen geholfen haben) es gut hinbekommen, und das im Rollstuhl. Am späten Nachmittag löste sich unsere kleine Feier auf, nur Momas Freunde hielten die Stange.

Als ich auch zur Ruhe kam, war ich so geschafft und mein Körper schmerzte, aber irgendetwas war mit mir nach diesem Tag passiert. Vielleicht muss ich noch viel lernen, mich neu kennen lernen. Ich hatte vor der Feier so eine Angst, dass ich es nicht schaffe, dass meine Verwandtschaft wieder lästert, ich es ihnen nicht recht machen kann, ich meinem Sohn nicht die Feier geben kann, die er sich wünscht.
Aber was ich nie für möglich gehalten habe, ich fühle mich zum ersten Mal frei. Mich treibt keine Angst mehr, dass ich versage, dass ich um Liebe bei meinen Eltern und Geschwistern betteln muss. Ich habe viel erkannt in der letzten Zeit, und nun sollte ich lernen mit und in meiner jetzigen Situation klar zu kommen und vor allem meine Behinderung zu akzeptieren. Es wird immer wieder Rückschläge in meinem Leben geben und vielleicht werde ich noch oft unruhig sein, aber ich glaube ich fange noch mal mit “Vertrauen und Glauben” an. Danke, lieber Gott, dass es doch immer wieder weiter geht. Und danke nochmals an diese Menschen, die an mich glaubten und die mir bzw. uns so nett geholfen haben, egal ob mit Worten oder Taten.

Zwei Jahre clean und auf der Suche nach meiner Rolle

Freitag, 17. April 2009

Der 4. April 2007 war
der letzte Tag, an dem ich Drogen genommen habe. Zwei Jahre. Wenn ich
zurückblicke, treten die Drogen in den Hintergrund. Vor zwei Jahren hatte ich
andere Probleme. Eine Betreuung, Schulden und Selbstmordgedanken waren mir
näher als der Glaube an irgendeine Form von Zukunft. Bei den Drogen, die ich zu
dieser Zeit genommen habe, handelte es sich in erster Linie um medizinisch
verordnete Psychopharmaka. Und ich bin sehr froh, dass man sich in der
Entgiftung darauf eingelassen hat, diese abzusetzen.

Diese
Entgiftungsstation war überhaupt ein Glücksgriff.
Einmal war ich dort, als eine
Bekannte starb. Zu dem Zeitpunkt war ich erst eine Woche dort und Ausgang gibt
es erst nach drei Wochen. Ich sprach mit André darüber, dass ich eigentlich
gern zu der Beerdigung fahren würde. Dann fahr hin, sagte der. Damit hatte ich
überhaupt nicht gerechnet: Ein Tagesausgang nach einer Woche. Das hat was mit
Vertrauen zu tun, oder mehr noch, mit Einfühlen. Als ich am Grab stand, dachte
ich, die nächste Beerdigung auf der du bist, ist bestimmt deine. Es waren wohl
Dinge wie dieser Ausgang, die es mir nicht möglich gemacht haben, mich ganz
abzuschreiben.

Zwei Jahre. Gewonnen
oder verloren, stolz oder wortlos? Stolz? Ist man stolz darauf, bei einem Kampf
im richtigen Augenblick in Ohnmacht zu fallen? Gibt es nach diesen zwei Jahren
irgendwelche Formeln, die ich weiterempfehlen könnte? Früher habe ich mal
Christiane F. gelesen, dabei Bong
geraucht und gedacht, das geht auch anders. Geht auch anders, sechs Milliarden
Möglichkeiten gibt es. Aber eine Dauerohnmacht trägt kein Selbstwertgefühl. Irgendwann
ist es einfacher, sich an ein bestehendes Klischee zu hängen. Die stärkste Abhängigkeit
ist, etwas sein zu wollen? Leide ich unter Rollenentzug?

Ich glaube das ist ein
pubertäres Problem, das ich da habe. Im Spiel des Lebens sind meine
Altersgenossen an ganz anderen Punkten. Fallende Aktienkurse, wie verheimliche
ich meine Seitensprünge, wie erriestere ich mir die Rentenendlösung. Mein
Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich eigentlich will. Die Rollen sind mir
momentan ausgegangen. Hurra, hurra, ich bin zwei Jahre clean, schmeckt mir zu
sehr nach Marienhof.