SigridH
Mueller
Thorsten Bathe
Thorsten Bathe
Rainer S.
Rodemann

Mit ‘traum’ getaggte Artikel

… und noch ein negativer Nachschlag

Freitag, 12. Juni 2009

Hallo an alle da draußen, leider konnte ich einige Zeit euch keine Mitteilungen schreiben. Ich hatte es am 29. Mai endlich geschafft ein Auto zu bekommen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken, besonderen Dank an die Heinz und Mia Krone Stiftung. So viele Menschen haben so viel Energie daran gesetzt und mir ein Auto vermittelt. über Pfingsten ging es mir nicht so gut, so dass ich mich am Dienstag so gefreut habe, wieder fahren zu können. Leider währte meine Freude nicht lange. Irgendwie schon wie immer ;-) .

In der Mittagszeit wollte ich meine Kinder zum Freibad bringen und an einer Kreuzung fuhr mir jemand in mein Auto. Ich liege seit über eine Woche flach, habe ein Schleudertrauma und eine Prellung im Knie, meine Brille ist kaputt und ich habe jetzt die Lauferei mit diesem Unfall. in ziemlich daneben, habe starke Schmerzen. Heute bekam ich noch eine Spritze, was mit dem Auto ist weiß ich noch nicht. Immer wenn ich denke es wird besser, bekomme ich negativen Nachschlag. Wer weiß wozu dieser Unfall gut war. Ich bete darum, dass es uns bald wieder besser geht.

Eine gute Sache habe ich aber noch, meine Kinder haben die Zimmer getauscht und ich habe jetzt ein eigenes Zimmer und brauch nicht mehr im Wohnzimmer schlafen. Mir fehlen zwar noch einige Möbel und eine Matratze, aber wie heißt es doch so schön: Kommt Zeit, kommt Rat.

So, ihr Lieben, ich wünsch euch alles Gute.
Bis bald Sigrid

Ich habe mich selbst verloren

Dienstag, 19. Mai 2009

Zum Starten, einfach ins Video hineinklicken.

Mein Leben – Eine Sucht

Das Making of

Steffen und ich haben ihn kennengelernt: Franz vom Niederrhein. Eine außergewöhnliche Person mit einer sehr interessanten Geschichte und einer bedrückenden Vergangenheit. Angefangen hat es vor etwa zwei Monaten. Als Videojournalisten halten wir immer die Augen nach interessanten Themen oder Menschen Ausschau. Dabei gehen wir offen und positiv an die Sache ran. Vorurteile oder sonstige Hemmungen versuchen wir auszuschalten.

Unser erstes Treffen hatten wir in der Drogenberatung. Dort redeten wir über allgemeine Sachen, Franz’ Geschichte und über mich. Ich fand es interessant, ganz viele persönliche und intime Sachen zu erfahren – er, was bei uns Jugendlichen so abgeht.

Es folgten weitere zwei Treffen. Ich besuchte ihn auch einmal zu Hause. Durch die Treffen hatten wir ein sehr vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Nun mussten Steffen, der Kameramann, und Franz sich verstehen. Nur so, denke ich, kann Franz frei von seiner Vergangenheit, seiner jetzigen Situation und von der erhofften Zukunft sprechen.

Jeder macht Fehler – na und?

Der Drehtag war sehr angenehm. Als Dreierteam machten wir alle unseren Job. Dabei hatten wir eine Menge Spaß. Nach Feierabend besuchten wir noch ein Fußballspiel von Franz Lieblingsverein. Es folgten zwei Tage im Schnitt, heiße Diskussionen (was ist wichtig, um einen ehrlichen Eindruck von Franz zu vermitteln?), und die Spannung, wie es Franz selber gefällt.

Nun ist das Video fertig. Franz ist zufrieden, Steffen und ich auch. Ich hoffe sehr, dass wir Euch einen Eindruck aus Franz’ Leben vermitteln konnten. Und tut mir ein Gefallen: Lernt daraus!!! Jeder Mensch macht Fehler und keiner ist perfekt. Warum sollte also jemand benachteiligt werden, der in seiner Vergangenheit nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Schaut doch lieber, wie es dazu kommen konnte und gebt Chancen. Franz war im Gefängnis und trotzdem ist er ein sehr offener, freundlicher, hilfsbereiter und lieber Mann. Genau diesen Mann sollte man sehen lernen…

Viele Grüße
Pascal Schröder von wir-bewegen-bilder

Albtraum der Sucht

Montag, 11. Mai 2009

“Ich will einfach vergessen. Doch heute gibt es kein Vergessen. Die Wut gewinnt die Oberhand. Sie besetzt alle meine Gefühle und Gedanken. Aber ich will nicht mit Gefühlen und Gedanken umgehen. Also überlasse ich sie meiner Wut. Sie verzehrt sie. Meine Traurigkeit verwandelt sich ebenfalls in Wut. Ich würde am liebsten alles zerstören, was ich sehe. Und was ich nicht zerstören kann, möchte ich verschlingen. Mir einverleiben. Durch die Nase ziehen. In die Venen jagen. Hauptsache alles ist drin.

Ich will Schnaps. Eine Flasche des reinsten, stärksten, giftigsten Alkohols auf Erden. Ich will darin ertrinken. Ich will fünfhundert Schüsse Heroin und doppelt soviel Kokain. Ich will einen Müllsack voller Pillen und eine Klebstofftube, größer als ein LKW. Ich will alles, egal was, aber so viel wie möglich. Ich will und brauche so viel, dass ich mich vergesse, auflöse, verliere, den unerträglichen Schmerz betäube, in das tiefste Dunkel eintauche, in das allertiefste Loch.

Ich will zerstören. Mich und alles andere auch. Meine Wut und meine Zerstörungslust lassen mich beinahe platzen. Ich schließe die Augen und hole tief Luft. Ich hoffe, dass mich das Atmen beruhigt. Aber es klappt nicht. Auch nicht beim nächsten Atemzug. Und beim übernächsten ebenfalls nicht. Ich will zur Ruhe kommen, aber für mich gibt es keine Ruhe. Wie bin ich hier gelandet? Wie bin an diesen Ort gelangt, in diesem Moment, mit diesem Gefühl, dieser Vergangenheit, dieser Zukunft, diesen Problemen? Wie bin ich in dieses verfluchte, vergeudete, nutzlose Leben geraten?

Ich will ruhig atmen. Ich spüre wie Zorn, Verwirrung, Bedauern, Schrecken und Scham zur perfekten Wut verschmelzen. Ich kann sie weder bremsen noch kontrollieren. Dann überkommt mich etwas anderes. Ich bin schwach, ängstlich und zerbrechlich. Ich will nicht verletzt werden. Das fühle ich immer, wenn ich weiß, dass ich verletzt werden könnte. Ich bekämpfe es jedes Mal. Und unterdrücke und verdränge es.

Ich will es nicht, doch dieses Mal fange ich an zu weinen. Das Schluchzen kommt von tief innen. Ich halte es nicht mehr zurück. Viele Jahre Sucht verkörpern sich in Tränen und Verlustgefühl. Dieses Gefühl steckt in mir, füllt mich aus, überwältigt mich. Der Verlust von Normalität, von Glück und Liebe, von Vertrauen, von Verstand, von Familie und Freunden, von Zukunft und Möglichkeiten, von Würde und Menschlichkeit, von geistiger Gesundheit. Der Verlust meiner selbst.

Im Kampf mit dem Dämon Heroinsucht

Mittwoch, 15. April 2009

Sein Gang ist der eines Kämpfers. Er steigt durch die Seile und tänzelt im Ring. Strahler werfen gleißendes Licht auf das Seilgeviert. Außerhalb existiert nur noch tiefes Schwarz. Beim Gong konzentriert sich Lorenz auf seinen Kampf. Trotzdem wird er schwer getroffen. Er versteht nicht, wie der Schlag ihn hat brutal auf den Rippen erwischen können. Dumpfer Schmerz betäubt ihn. Dieser Gegner ist übermächtig, soviel weiß er jetzt.

Wie ein Wanderer eine Weile im Schatten verweilt, und wenn er ausgeruht, wieder weiterzieht, so treffen die Geschöpfe zusammen. Verbindendes wird zu Wesentlichem. Wesentliches verbindet. Unwesentliches verschwindet. Wenn die Geschöpfe zusammentreffen, gewinnt jede Einzelheit an Wert.

Lorenz tänzelt nicht mehr auf den Fußballen im Ring, sondern steht fest auf den Sohlen. Er ist müde und schweißgebadet, aber er kämpft mit einer Leidenschaft, die vom Schmerz einer herzzerreißenden Verzweiflung entfacht wird. Eine Rechte erwischt ihn schwer am Kinn. Bevor er die Balance verliert und auf dem Boden aufschlägt, denkt Lorenz: “Ich kann diesen Kampf einfach nicht gewinnen”. Die Gewissheit der Ausweglosigkeit und eine große Müdigkeit bemächtigen sich seiner. Er spürt, dass er sich nicht mehr erheben wird.

Schiller schreibt, man habe im Leben zu wählen zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden. Lorenz hat sich über 25 Jahre für das Erstgenannte entschieden. Dabei ist ihm kein Niederschlag im Kampf mit dem Dämon Heroinsucht erspart geblieben: Familie verloren, Freundin verloren, Gesundheit verloren. Wichtiger Halt in dieser Zeit: die Kontakt- und Notschlafstelle. über viele Jahre sind wir uns dort beinahe täglich begegnet. Wir haben über seine große Leidenschaft Boxen philosophiert, uns gegenseitig von Billy Cobhams Schlagzeugspiel vorgeschwärmt und irgendwann begonnen, auch über den Verlauf seines Lebens zu sprechen.

Auf dem Ringboden liegend kommt Lorenz der Begriff der “Durchreise” in den Sinn. Wenn wir irgendwo ankommen in einem Leben, in einem Beruf, bei einem geliebten Menschen, spüren wir Glück. Wir fühlen Liebe und gleichzeitig einen Hauch von Schmerz, weil das Ankommen in dieser Welt immer nur zeitweise sein kann, denn in Wahrheit sind wir auf der Durchreise. Zeugung, Geburt, Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, Pubertät, Erwachsensein, Alter, Greisenjahre, Todesmoment – von einem übergang zum nächsten.

Vor ein paar Tagen ist Lorenz im Krankenhaus gestorben. Zum Ende hat seine Seele doch noch Frieden gefunden. Bei meinem letzten Besuch konnte ich es spüren, als wir uns zum ersten und einzigen Mal umarmt haben. Ein intimer Moment und ein persönliches Geschenk, das mich gerne an ihn denken lässt.

Kommunikation auf dem Drehstuhl

Dienstag, 14. April 2009

Gerade hatte ich Besuch. Dennis, den ich aus meiner letzten Therapie kenne. Er hat sich bei mir auf dem PC einige Einträge aus dem Tagebuch durchgelesen. Wir haben viele gemeinsame Erfahrungen und so hat mich sein Feedback sehr gefreut. Oft weiß ich nicht ob jemand, der solche Erfahrungen nicht gemacht hat meine Texte nachvollziehen kann. Dennis konnte es gut.

Ich habe oft zwischen Stühlen gesessen, mich oft zwischen Stühle gesetzt. Es ist ein Teil von mir, und es ist ein Wunsch von mir, zwischen zwei Stühlen eine Kommunikation in Gang zu bringen. Ja, ich glaube es ist ein tiefer Wunsch von mir, nicht die Welt zu verändern, aber zwischen Stühlen zu sitzen und zu merken, die Stühle drehen sich. Sie beginnen sich anzusehen. Und wenn sie sich dann ansehen, … dann will ich, glaube ich, ganz schnell weg.

Was habe ich noch vom Leben zu erwarten?

Dienstag, 07. April 2009

Gestern Nachmittag war
ich wieder bei meiner Krankengymnastin -
ich nenn sie mal Bella. Es war eine Wohltat, auch wenn ich mich hinterher kaum bewegen
kann. Für die Strapazen und für meine Psyche habe ich von ihr 20 Minuten unter
der Sonnenbank geschenkt bekommen. Sie weiß viel von mir, meinen Kindern,
meiner Situation, viel aus meiner Vergangenheit. Sie merkt sofort, wenn es mir
nicht gut geht. Ich hatte gestern schon wieder einen Kloß im Hals, hätte mich gerne
versteckt und mich einfach in meine Depressionen fallen lassen.
Aber ich habe
Kids und durch Bella ging es mir ein wenig besser.

Anschließend habe ich,
im Rollstuhl, noch einige kleine Einkäufe erledigt und bin noch ein wenig
spazieren gefahren. Wenn das Wetter es zulässt, fahre ich gerne durch die Gegend,
schaue mir Häuser an und ab und zu träume ich von meinem Traumhaus. Ich weiß,
ich werde nie eins bekommen, denn meine Schulden werde ich wohl nie bezahlen
können und die nächsten 20 Jahre werden immer ein Kampf bleiben.
Ich kann nicht
mehr arbeiten und ich sehe ja schon jetzt, dass mein Geld noch nicht einmal für
Renovierungen, Anschaffungen jeglicher Art oder sonst was reicht. Also, was
habe ich noch von diesem Leben zu erwarten?