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Mit ‘selbstbestimmung’ getaggte Artikel

Schöne Dinge gegen den Hartz-IV-Frust

Mittwoch, 15. Juli 2009

Guten Tag, da bin ich wieder. Irgendwie komme ich nicht umhin, noch mal über meine verflossene Beziehung zur Anne zu schreiben, zumal ich ihr versprochen habe, mich diesen Samstag ein letztes Mal, von ihr zu einem Tag in Brüssel einladen zu lassen. Ihr zuliebe. Vor allem spüre ich dann, wie angenehm Hartz 4 mit dem “Privileg” Familienrückhalt sein kann. Und um wie viel entspannter, gelöster, sorgenloser und somit auch viel freier sie den Tag genießen kann.

Anne sagte zu mir: “Wenn ich den Hartz-4-Frust nicht durch schöne Dinge wie, Essen gehen, Kaffee trinken gehen, schöne Sachen einkaufen, mal ein paar Tage wegfahren und auch mal ins Kabarett zu gehen, kompensieren könnte, würde es mir auch schlechter gehen.” Na ja und genau das ist es, was uns ungleich werden lässt, wodurch das Gemeinsame verloren geht. Ich wünsche uns, dass ich mich an diesem Tag nicht von meinen Aggressionen gegen diese Ungerechtigkeit übermannen lasse.

Der Kampf gegen die Armut endet nicht mit einer warmen Suppe

Mittwoch, 10. Juni 2009

Deutschland ist trotz Krise eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt. Da fällt es schwer zu verstehen, dass es tausenden Menschen an Lebensmitteln, Kleidung oder Wohnraum fehlt. Die spärlichen staatlichen Sozialleistungen führen bei vielen zu sozialem Abstieg und Isolation. Mit Tafeln weisen wir diesen Menschen einen Ort zu, der ihnen durch die überschussproduktion der Konsumgesellschaft das überleben sichert. Sind Tafelprojekte also die Lösung des Problems und sollten ausgebaut werden? Ja und nein.

Armut und Elend wird öffentlich

Nein, weil Tafelläden in ihrer jetzigen Form die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen einschränken. Sie sind Orte, an denen Armut und Elend und damit die Scham von Menschen in die öffentlichkeit getragen werden. Sich in die Warteschlange vor dem Tafelladen einreihen zu müssen widerspricht dem Freiheitsgrundsatz der Selbstbestimmung.

Begegnung und Befähigung gehören dazu

Gut und deswegen zu begrüßen ist, dass Tafeln oft Kooperationsprojekte zwischen Caritas, Kirchengemeinden und anderen Trägern sind. Dass dort Hilfen im Verbund organisiert werden und sich Ehrenamtliche wie Hauptamtliche für ein gemeinsames Ziel engagieren: Die Not der Menschen zu lindern.

Gut ist, wenn sich Menschen in den Tafeln begegnen und die Hilfeempfänger nicht nur “abgespeist” werden. Wenn Jugendliche dort kochen und den Haushalt führen lernen. Fähigkeiten, die sie in den Familienalltag einbringen können.

Doppelstrategie: Helfen und soziale Gerechtigkeit einfordern

Wirksame Armutsbekämpfung geht jedoch über die überlebenssicherung hinaus. Sie verfolgt eine Doppelstrategie: Neben den alltagsnahen Hilfen für die Betroffenen müssen wir Einfluss nehmen auf die Sozialpolitik und die Vorsorge verbessern. Dabei geht es um soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität.

Die Caritas tritt solidarisch für jene Menschen ein, die am Rande stehen. Damit konfrontiert sie zugleich große Teile der Gesellschaft mit dem Lebensrisiko, nicht immer in der Mitte zu stehen. Die Kombination aus konkreten Hilfen und struktureller Bekämpfung der Armut sollte uns als Gesellschaft allerdings dazu in die Lage versetzen, die Grundlagen für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung zu sichern – und zwar für alle Menschen.

Johannes Böcker
Diözesan-Caritasdirektor im Caritasverband für die Diözese Rottenburg-Stuttgart 

Links zum Thema Tafeln

Aktienfonds der Seele

Samstag, 30. Mai 2009

Mitunter ist es schwierig zu schreiben. Zum letzten Eintrag:
“Manchmal ist es einfacher von Arschlöchern umgeben zu sein.” Wer soll das verstehen?

Menschlichkeit
Es ist einfacher zu denken: “Ihr könnt mich mal”

Ziele
Es ist einfacher zu denken: “Ich will gewinnen”

Moral
Es ist einfacher zu denken: “Gut vs. Böse”

Entscheidung
Es ist einfacher zu denken: “Ich hab recht”

Vier Himmelsrichtungen der Emotion.

Der Aktienfonds der Seele?
Geld, Macht, Anerkennung, Durchsetzungsvermögen deren Bullen.
Armut, Zweifel, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit ihre Bären.

Geld, Macht, Anerkennung, Durchsetzungsvermögen deren Bullen.
Armut, Zweifel, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit ihre Bären.

Bevor es einen Börsencrash gibt, ne Bad Bank.
Der Verstand wird angewiesen infizierte Werte auszubuchen.
Die Konten, ihr könnt mich mal, ich will gewinnen, … haben eine unbegrenzte Deckung.

Wenn der Aufsichtsrat Gewissen zustimmt, ist alles wieder in Butter. Ein solches Manöver stärkt den Währungsindex Kreativität und so können dann sogar Gewinne verbucht werden.

Mein verspießter Aufsichtsrat sperrt sich, die Kartellbehörde prüft derzeit den Vorwurf der illegalen Verabredung von “ich bin scheiße, ihr seid schuld” der beteiligten Konzerne.
Die Argumente, die Welt ist schlecht, die Menschen böse, ziehen bei mir nicht.
Und so dümpelt mein Kreativitätsindex weiter auf niedrigem Niveau.

Ich will, dass es aufhört

Montag, 25. Mai 2009

Immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem mich bestimmte Bilder in meinem Kopf stören. Diese “Baustelle” kenne ich schon seit Jahren. Nichts, was ich nicht schon versucht hätte, damit das vorbeigeht. Zulassen, einordnen, als einen Teil von mir akzeptieren, … Es gibt so manchen Ansatz – die für mich beruhigende Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Bilder beschreiben immer wieder das Horrorszenario aus meinem frühen Leben. Der Umgang mit ihnen ist mir ein Greul.

Am Wochenende kam wieder so ein Schub. An diesem Wochenende hätten meine Eltern Geburtstag gehabt. Es war der Gang am Kalender in der Küche vorbei zum Garten. Ein wenig Ruhe am Nachmittag, und plötzlich begann die innere Vorführung von ganz allein. Ich spreche oft über diese Problematik mit einer Vertrauensperson. Diese Frau (eine Suchttherapeutin) geht manchmal ungewöhnliche Wege mit mir, um diesen Bildern das Störende zu nehmen. Sie hat bis hierher einen Weg mit mir gefunden den ich gehen kann, ohne vor mir und dem, was da in mir geschieht, davonzulaufen. Alles im Griff? Eher nicht, denn ich will das es aufhört!

Liebe Grüße
Lutz

Gebaut auf dem Treibsand der Sucht

Dienstag, 19. Mai 2009

“Geradeaus ist der Weg, Stillstand ist Rückschritt!” Nur zwei Schlagworte von so vielen Phrasen, die immer wieder den einen oder anderen “gut gemeinten” Rat füllen.

Als ich mit den ersten, eigenen Gedanken meinen Weg ansehen musste – fiel es mir nicht besonders schwer, eine innere Ablehnung zu zeigen. Das soll mein Weg sein? Und warum eigentlich? Nichts als Prügel, Missachtung, Misshandlung. Nein. Das will ich nicht. Wenn mir jemand sagt: “Dein Weg ist Dir vorgegeben” – Ich habe Probleme ihm zu glauben.

Irgendwann wendete sich mein Schicksal – vom Opfer zum Bestimmer. Ich lernte, zugegeben erst mit später Einsicht, mein eigenes Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das kaputte Werk sollte nun meiner eigenen Architektur weichen. Ich baute zu schnell und zu groß, und ohne Fundament. Und ich baute auf dem Treibsand der Sucht. Diesen zweiten Abschnitt meines Weges kann ich nach genauer Betrachtung verstehen und annehmen.

Langsam wurde mir klar, mein Weg ist mir ein Stück weit doch vorgegeben. Vielleicht ist es so etwas wie “sich seinem Schicksal ergeben”, es ist aber auch die deutliche Absicht mich der Herausforderung zu stellen. Da bin ich mitten drin – und fühle mich auch mittendrin im Leben. Heute, mit fast 50 Jahren frage ich im Stillen immer noch: Warum der erste Abschnitt in meinem damals jungen Leben mir gegeben war?