Nur wenn die Verbundenen einander unter Abwesenheit von Schuld glauben und handeln, lieben sie auch. Sonst nicht. Zwei Liebende, die nachts am See verschlungen sitzen, glauben beim jeweils anderen an das Gute. Das ist die wahre, zärtliche Romantik. Für sie und für mich, gibt es nicht das Schlechte oder die Schuld. Es gibt streng genommen und weiter geführt im Leben sowieso keine Schuld, sondern nur Konsequenzen. Das habe ich von Nietzsche gelernt. So ist es im Leben. Wir Menschen müssen kausal denken. Wer Schuld hat, muss büßen. Strafe muss sein, sagt schon der Reim. Das ist die kürzeste Straftheorie, die ich kenne. Wer mir die Schuld gibt für mein Handeln, der liebt mich nicht.
Ich war früher subversiv rituell romantisch im Bereich des Bösen. Das liegt daran, dass ich das eigentlich Schlechte naturalistisch als gut umdeutete. G.E. Moore hat dieses Phänomen dargestellt.
Es handelt sich dabei um einen naturalistischen Fehlschluss, wenn ich das gut finde, was sich gut anfühlt. Dir ist so etwas doch auch nicht fremd, falls Du es toll findest, dass ich weggesperrt bin. Ansonsten bist Du ein Romantiker. Wie schön. Fühlt es sich für Dich gut an, wenn Du weißt, dass so ein gemeiner Schuft wie ich in einem Drecksloch für Jahre weggesperrt ist? Das wäre dann dein naturalistischer Fehlschluss.
Ich konnte, als ich Böses tat und das verklärte, um mein Ziel zu erreichen, meine Gefühle kontrolliert abschalten. Ich war dann ein anderer, der bösere bessere Mensch, der Böseste unter den Bösen, besser. Aber ich blieb naturalistisch dabei gut. Diese Art, der damaligen Strebung, nenne ich eine rituelle böse subversive Romantik. Du kannst es auch schlicht formulieren: Es ist die fehlgeleitete Sehnsucht auf einer romantisch verklärten Lebenswiese. Schon wieder bizarre Romantik?



