Gleich morgens rufen wir im Krankencontainer des Ostparks an: “Hat Herr N. vergangene Nacht bei Euch geschlafen?” – “Nein”, kommt die ernüchternde Antwort. Und dann erfahren wir, dass auch Axel am Abend zuvor nicht die Möglichkeit einer übernachtung im Bett gewählt hat. Kurz nachdem die Kolleginnen ihn zu dieser Unterkunft gefahren haben, muss er sich wieder in Bewegung gesetzt haben – trotz seines hoch entzündeten Beines.
“Was geht nur in so einem Menschen vor?”, denke ich bei mir.
Doch für langes Philosophieren ist heute Morgen keine Zeit, das Wartezimmer ist
schon halb voll. Im Team sprechen wir uns ab: “Wer fährt denn mal in die
Tagesstätte?” – einer der Orte, die Axel so “anläuft”. Heute übernimmt Thomas
die Tour. Und tatsächlich, im Laufe des Vormittags trifft er auf Axel und fährt
ihn zur Behandlung in die Straßenambulanz.
Axel hat Glück: die Entzündung im Bein scheint sich nicht
weiter nach oben ausgebreitet zu haben. Aber noch ist sein linker Fuß doppelt
so dick geschwollen wie der rechte und die Haut ist an mehreren Stellen mit
kleinsten Geschwüren belegt. Wieder tun wir das Nötigste und ich erkläre Axel
erneut, warum er sein Bein hoch lagern muss, warum er Tabletten braucht und
sicherlich bald auch eine Krankenversicherung. Er hört mir geduldig zu,
schluckt die Pillen, die ich ihm geben muss. Ob er sie auch innerlich schluckt?
Ich lasse nichts unversucht, denn er ist schwer krank: Eine Pflegekraft begleitet Axel
zur Besprechung mit der Sozialarbeiterin der CASA 21, in der Beratungsstelle schräg
gegenüber. Dann fährt Angela ihn zunächst wieder zur Tagesstätte. Hier wird
Axel mit Verpflegung “eingedeckt” und wieder in den Krankencontainer gefahren.
Hoffentlich heute kein vergeblicher Akt!


