Wieder einmal Sonntag, wettermäßig mal Regen und Sonnenschein. Meine Mutter hat eingeladen zum gemütlichen Plausch bei Wein und selbstgebackenen Quarktaschen. Ich freue mich über die ungezwungene Atmosphäre der Unterhaltung. Die Eltern berichten von ihrem Urlaub im Schwangau und wir von der Reise auf die Insel Usedom. Schön, wenn Harmonie waltet zwischen Eltern und Kindern. War es doch nicht immer so.
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Zwischen Psychiatrie und Harmonie
Sonntag, 26. Juli 2009Positive Entwicklung vs. negative Vergangenheit
Samstag, 04. Juli 2009Letzten Montag hatte eine Frau aus unserer Selbsthilfegruppe einen Gerichtstermin. Es ging um die Rückführung ihrer beiden Kinder, die während der letzten zweieinhalb Jahre in einer Pflegefamilie lebten. Ich kenne sie seit zweieinhalb Jahren und ich habe es selten erlebt, dass jemand sich ähnlich positiv weiterentwickelt.
Das Gericht hat ihr, mit dem Hinweis dass man ihr das Sorgerecht entzieht, falls sie nicht einwilligt, geraten ihre Klage zurückzuziehen. G. hat sich notgedrungen darauf eingelassen. Die Pflegemutter hat gute Kontakte zum Jugendamt, es ist nicht die erste Pflege, die sie durchführt. Von diesem Verlauf habe ich einiges mitbekommen und ich denke, beim Taktieren der Pflegemutter seit längerer Zeit schon, dass das ein Vorgehen ist, das man in einem Scheidungskrieg erwarten würde.
Letzten Freitag musste G. dann im Beisein der zuständigen Sachbearbeiterin des Jugendamtes ihren Kindern mitteilen, dass sie erstmal nicht zu ihr nach Osnabrück kommen können. Erklären, dass es so besser ist. Begründet wurde diese Amtshandlung damit, dass die Kinder sich noch stabilisieren und den Vertrauensverlust bewältigen müssen. Die kleinere Tochter hat einfach nur geweint und mit dem Kopf geschüttelt, die größere stumm vor sich hin geblickt. Sie sollte nach den Sommerferien hier in OS eingeschult werden.
Mich hat mit drei Jahren ein weniger einschneidendes Erlebnis dazu gebracht, Erwachsenen pauschal nicht mehr zu trauen. Mag sein, dass ich befangen bin, mag sein, dass bei solchen Entscheidungen jeder befangen ist. Aber ich sehe das so: Ein Richter und eine Frau vom Jugendamt, die keine anfechtbaren Entscheidungen treffen wollen. Eine Kinder-Psychologin, die bestens mit der Pflegemutter kann. Eine Gutachterin, die sich dann doch lieber den Meinungen anschließt. Kinder, die nicht gefragt werden und eine Mutter, die eine Vergangenheit hat.
Bei dieser Sache fällt mir diese Seite ein http://hoerstdumich.wordpress.com/category/die-punkerin. Darin kommt auch ein Entscheidung über eine Pflegefamilie vor. Mir geht dazu mehr durch den Kopf, als ich hier jetzt schreiben will. Außerdem ich wollte mir heute ja ne schönen Tag machen. 45ster Geburtstag. 4. Juli – Unabhängigkeits-Tag.
Wie Alltägliches zur großen Freude wird
Dienstag, 23. Juni 2009An einem Stand auf dem Kirchentag in Bremen gab es Postkarten zum direkten Versand. Die jungen Betreuer des Standes erzählten mir am Wochenende von dieser Aktion. über 2000 Postkarten wurden verschickt. Die kurzen Worte waren Grußbotschaften nach Hause zu den Eltern, Großeltern, Kindern, Geschwistern, Freunden.
Ich kann mich gut daran erinnern wenn meine Oma sich aufmachte ihre Post aus dem Kasten zu holen. Wenn dann ein Brief oder eine Karte von mir darin war, dann hat sie ihre Rituale gehabt. Nachmittags hat sie sich eine Tasse Kaffee bereitet um dann die Karte hervorzuholen und zu lesen. Oma freute sich über diese Verbindung zu mir. Oft spielten ihre alten Hände mit der Karte noch eine ganze Weile während die Erinnerungen durch ihren Kopf zogen. Am Sonntag hat meine Tochter drei Karten gekauft um sie an Omi und Uromi zu schicken.
Als wir darüber sprachen fragte meine Tochter nach dem Spruch über der Wohnungstür von der inzwischen verstorbenen Uroma aus Niedersachsen. “Wer sich nicht jeden Tag selbst überwindet – dem ist die Lehre Gottes nicht eingegangen.” Aufstehen, und tun was getan werden muss. Da sein für die, die uns brauchen. Bescheidenheit war eine große Stärke meiner Oma. Ich habe lange gebraucht um zu erkennen, dass durch diese Haltung die kleinen Dinge des Alltags zu großen Freuden werden können. Danke Oma.
Herzlichst
Lutz
Warten aufs Wohngeld
Dienstag, 26. Mai 2009Die Woche fängt neu an und ich bin schon wieder voll gestresst. Mein Terminkalender ist schon wieder voll gepackt. Noch eine Woche bis zum Ersten und meine Panik steigt. Schaffe ich das Limit, das ich mir gesetzt habe? Diesen Monat ist wieder Antragsmonat.
Mein Wohngeld läuft aus, das heißt ich muss mindestens wieder zwei Monate warten bis alles genehmigt wird. Wäre vielleicht einfacher, wenn man einen Monat vorher alles beantragen könnte. Also fehlt mal wieder Geld und die Rechnungen werden hin und her geschoben. Bei Alleinerziehenden spart der Staat jeden Euro, dabei schmeißen wir den Haushalt, den Behördenkram, die Erziehung der Kinder. An manchen Tagen denke ich, dem Staat ist es schon seit Jahren egal, was aus uns wird.
Ich versuche meinen Kinder Werte zu vermitteln und bin stolz auf sie. Ich habe liebe Kinder und wenn die Großen auch einige Probleme haben. Ich versuche immer ein offenes Ohr für sie zu haben, aber trotz allem habe ich Angst zu scheitern. Jeden Monat frage ich mich, wie lange kann ich diesen Stand halten? Ich habe Angst, dass es noch schlimmer kommt.
Habe kein Geld für Kleidung, Renovierungen, Anschaffungen fallen aus, hätte gerne ein eigenes Schlafzimmer (schlafe im Wohnzimmer). Selbst der Urlaub ist in den letzten Jahren gestrichen. Je länger ich nicht mehr arbeiten kann umso größer wird unsere Armut und trotz allem, bin ich stolz, dass meine Kids Ihren Weg gehen werden und die Schule ernst nehmen.
In der nächsten Woche werde ich meine Schulden in Angriff nehmen. Wird schon schief gehen. Doch alles in allem versuche ich positiv zu denken, denn ich muss für meine Kinder da sein. Heute Morgen war ich beim Gesundheitsamt, beim Selbsthilfeforum, möchte mich wieder einer Selbsthilfegruppe anschließen. Denn immer öfter habe ich das Gefühl ich ersticke, bin gefangen in einen Käfig.


