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Mit ‘hunger’ getaggte Artikel

Zu schade für den Kochtopf

Montag, 26. Oktober 2009

Huhn © soleg - Fotolia.comEin lieber Freund schrieb mir heute, dass den Theologen in Halle ein Huhn zugeflogen ist. Das Tier ist wohl einem Geflügel-Transporter entwischt. Vorerst gehört es jetzt zur Familie des Freundes, neben Katzen und Co. Die Nachricht ließ mich schmunzeln. In den achtziger Jahren hielt ich Kaninchen im Nebengelass meiner gärtnerischen Arbeitsstelle. Irgendwann bekam ich von einem Bekannten im Tausch zwei braune Italiener-Hühner – eigentlich für den Kochtopf. (weiterlesen…)

Einreihen in die Schlange trauriger Gestalten

Freitag, 30. Januar 2009

Klatsch, wurde ich in die Zelle gesperrt, mit zwei anderen Frauen. Die beiden hatten sich innerhalb kürzester Zeit in den Haaren. Es gab fast ein Handgemenge und der Alarmknopf wurde gedrückt. Da es Abend war, kam nur eine drohende Männerstimme durch die Sprechanlage. Spätestens da wurde mir klar, wie schnell man sich in irgendwas verwickeln lassen kann.
Früh um 6 Wecken durch die Sprechanlage, dann geht an der Zellentür die Kostklappe auf zur Wasserausgabe. Wenn du das lauwarme Wasser verpasst, hast du nicht einmal einen Knast(Getreide)kaffee zum Aufwachen
Dann um 12 Uhr Zelle auf zum Essenfassen und Du reihst Dich in der Schlange trauriger Gestalten ein, um Mittag-, Abendessen und Frühstück abzuholen. Am Wochenende und an Feiertagen ist die Zelle etwa zwei Stunden geöffnet, dann Einschluss. Ein weiteres Mal geht die Kostklappe auf zur Wasserausgabe.
Um 15.30 Uhr ist dann für eine Stunde Hofgang, an dem du teilnehmen kannst. Hofgang bedeutet eine Stunde im Freien im Kreis laufen, auch wenn es anfängt zu schütten. Dann kannst du dich mit Glück vielleicht unter der Tischtennisplatte verkriechen, bis du endlich wieder hinein darfst.
Einige wenige Frauen haben sogar das Glück, eine Arbeit zu bekommen. Für einen Stundenlohn von fast einem Euro kann man sich sein eigenes Geld hart verdienen, wenn man nicht von Angehörigen finanziell unterstützt wird. Der Großteil des Lohnes wird allerdings als überbrückungsgeld abgezogen und erst bei der Entlassung ausgezahlt. So bekommt man durchschnittlich 50 Euro pro Monat zum Einkaufen zusammen.
Beim Einkauf gibt es echten Kaffee, gute Butter, frisches Obst und leckere Süßigkeiten, Hygienebedarf, wie Zahnpasta, Tampons und Shampoo oder Schreibartikel wie Briefmarken, Stifte und Papier, richtige (Plastik-)teller, echte Tassen aus Keramik und Kaffeefilteraufsätze. Auch ein Kopfkissen, einen Wasserkocher oder sogar einen kleinen Fernseher kann man dort viel zu teuer erstehen. Das Sortiment ist nicht groß und tief, nur genehmigt.
Für mindestens 70 Euro ist es sogar möglich, per Katalog Trainingsanzug und Turnschuhe zu bestellen, um dann wöchentlich eine Stunde am Sport teilnehmen zu dürfen. Sport findet allerdings nur statt, wenn genügend Gefangene sich angemeldet haben. Leider haben wenige gefangene Frauen eigene Sportkleidung!

Warmes Essen für einen Euro

Dienstag, 13. Januar 2009

Dienstags und donnerstags bieten wir ein warmes Essen für unsere Besucher an. Heute gab es Bratwürste und Pommes. Es hat sich mittlerweile eingespielt, dass dienstags extra für die Mahlzeit eingekauft wird und dadurch auch teureres Essen angeboten werden kann. Das kostet dann zwei Euro.
Einmal pro Woche bekommen wir Lebensmittelspenden der Offenburger Tafel. Aus diesen Spenden wird – wenn es möglich ist – zu großen Teilen das Essen am Donnerstag zubereitet. Oft gibt es dann zum Beispiel einen Gemüseeintopf. Da uns da weniger Kosten entstehen, kostet das Essen sogar nur einen Euro.
Diese Dienstleistung ist für einige unserer Besucher fast schon überlebenswichtig. Wir können sie aber nur anbieten, weil wir eine äußerst engagierte Ein-Euro-Kraft haben. Waltraud managt unseren kompletten Thekenbereich und kocht außerdem zwei Mal die Woche. Sie ist für unsere Einrichtung ein Glücksgriff. Unser kleines 4er-Team könnte das mit dem Essen sonst nicht leisten.
Der Kontaktladen hat seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II durchgängig Ein-Euro-Jobber. Oft haben diese uns mehr Arbeit gemacht, wie wenn wir die Aufgaben selbst erledigt hätten. Seit Oktober letzten Jahres haben wir nun unsere aktuelle Ein-Euro-Kraft. Waltraud hat mit Drogen und der Szene nichts zu tun. Sie kann sich sehr gut abgrenzen und lässt sich nicht auf irgendwelche Absprachen ein. Sie ist sehr selbstständig, organisiert und Stress gewohnt, da sie Mutter von sieben eigenen Kindern ist und schon mehrere Pflegekinder hatte. Es ist super, was Waltraud hier im Kontaktladen leistet.