Anna Maria Haas
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Peter S.
Rainer S.
Kalkum

Mit ‘hoffnung’ getaggte Artikel

Warum ich?

Donnerstag, 17. September 2009

“Warum ich?” Mit diesen Worten stellte sich eine junge Frau in unserer Lebensberatung vor. Tanja war da 23 Jahre alt und physisch wie psychisch am Ende ihrer Kraft. Ein Schicksalsschlag kurz vor dem Abitur hatte sie aus der Bahn geworfen. Der zweite ließ nicht lange auf sich warten. (weiterlesen…)

Der eigene Untergang im Strudel der Gewohnheiten

Mittwoch, 02. September 2009

gitarre © duckman76 - Fotolia.comEin Morgen mit Knoblauchbrot und Kaffee erlebt, noch im Nachthemd. Mein ganzer Körper schwingt noch von der Musik der letzten Nacht. Momente, besondere Augenblicke, Glückliches, Tragisches, die Kinder werden groß. Frühling, Sommer, Herbst und dann der Winter. Ja, der stetige Wechsel, das ist ein Thema, über das ich gerne nachdenke und heute noch verstärkt durch das Klingen der russischen Zigeunermusik in mir. (weiterlesen…)

Kluge Worte statt Prügel

Freitag, 17. Juli 2009

Zwei Mal im Jahr gibt es Zeugnisse in der Schule. Mein Kind ist auf dem Sprung ins Gymnasium. Der Tag der Zeugnisausgabe ist immer auch ein Tag der klugen Wortwahl um das Geleistete zu würdigen und das nicht so gute kritisch zu betrachten. Der Umgang mit diesem brisanten Thema ist immer wieder schwierig für mich. Ich hatte nur Prügel bezogen für die dunklen Flecke auf meinem Zeugnis.

Ich bin stolz auf meine Tochter. Sie kämpft und kämpft, steht am Ende recht gut da und trägt es mit Fassung, dass in der Mathematik nicht ihre Stärke liegt. Sie wollte unbedingt auf das Gymnasium. Und sie hat ihr Ziel erreicht. Mit Mühe, aber geschafft.

Für sie werde ich heut Abend ein Gebet sprechen. Voller Dankbarkeit und Liebe.

Wie der Verderbte Romantik erlebt

Samstag, 04. Juli 2009

Gern sage ich, die Zeit des Knastes häng ich einfach hinten dran und werde damit umso älter. Inzwischen habe ich allerdings feststellen müssen, dass ich mindestens 98 Jahre alt werden muss, um die Haftzeit auszugleichen, wenn ich von durchschnittlicher Lebenserwartung eines männlichen Wesens ausgehe. Leider ist das eine doppelte Illusion. Zum einen ist mein Opa auch ohne Knast 94 geworden. Diese Berechnung – eine typisch männliche – hätte ich mir also besser ersparen sollen.

Zum anderen entgehe ich hier nicht dem seelischen Leid und es wirkt noch nach der Haft auf mein weiteres Leben. Es wird in mir stecken, auf ewig in meinem Körper. Ich habe schon mal etliche Jahre gesessen. Ich weiß, wovon ich spreche. Wenn ich Glück habe – so genau weiß ich es nicht – bin ich sentimentaler geworden.

Die besondere Form des Gefühlsausdrucks ist eine Verzärtelung und Sensibilität den anderen Menschen und Ereignissen gegenüber – außerhalb von mit Strafe bedrohten Taten natürlich. Ob das erstere dann etwas mit Liebe zu tun hat, mit Liebesfähigkeit? Doch die böse Seite dringt in die andere. Bin ich für dich also ein Verbrecher, der dann eben in einer Spezialform rührselig sensibel sein kann? Ein bizarrer Romantiker?

Anstrengende Normalität

Freitag, 19. Juni 2009

Heute habe ich mir frei genommen. Außer dem Boule heute Abend habe ich eigentlich nur im Bett gelegen. Die verpasste Erholung im Urlaub fehlt mir.

Normalität ist ganz schön anstrengend. Ich habe ja mal geschrieben, für mich geht es erst mal darum Normalität zu lernen, und ich merke, dass ich damit ganz richtig gelegen habe. Es gibt so einiges in meinem Alltag, zu dem ich früher gesagt hätte du verkaufst dich. Vielleicht ist es auch das, was mich am meisten anstrengt. Ich weiß, dass ich das was ich jetzt mache, nicht 10 Jahre machen will. Da sollte noch etwas kommen.

Auch finde ich es sehr bedauerlich, dass Laras Vertrag an der Mühle bald endet. Lara ist immer wieder ein Lichtblick.

Schwanger hinter Gittern

Mittwoch, 10. Juni 2009

Endlich zuhause, ein langer Tag liegt hinter mir. Heute Vormittag habe Pitter, ein Klient aus der Justizvollzugsanstalt, zur Therapie gebracht. Schon seit Wochen war Pitter sehr aufgeregt. Er hatte vor einem Jahr bereits einen Therapieversuch gestartet, war aber schon nach ein paar Tagen abgehauen. Jetzt also ein neuer Versuch – mit viel Hoffnung und großen Plänen für die Zukunft, aber auch mit weichen Knien und der Sorge, dass es diesmal wieder schief gehen könnte. Dann müsste er wieder zurück in den Knast und die ganze Strafe absitzen. Dabei hat sich Pitter während der Zeit in der JVA echt Mühe gegeben und nicht der Versuchung nachgegeben, sich die Zeit durch einen Joint, einen Knaller oder ein paar Pillen leichter zu machen. Angebote habe er im letzten Jahr genug gehabt, meint er. Alle Achtung, dazu gehört viel Hoffnung und Zuversicht.

Als Pitter nun bei mir im Auto sitzt, während wir über die Autobahn Richtung Süden rollen, erzählt er mir, dass seine Freundin, ebenfalls in der JVA, ihm geschrieben habe, dass sie im 6. Monat schwanger sei. Unterwegs telefoniert er mit den Eltern seiner Freundin, um sie darüber zu informieren, dass sie bald Großeltern werden und dass er vorhat, ihre Tochter zu heiraten.

Die Freundin hat schon lange den Kontakt zu den Eltern abgebrochen, aus welchem Grund auch immer. Pitter bittet sie, ihre Tochter im Knast zu besuchen und sie in dieser schwierigen Zeit nicht allein zu lassen. Das ist ziemlich mutig von ihm, denn schließlich kennt er die Eltern nicht, denen er sich telefonisch als der neue Schwiegersohn vorstellt. Seit ich mich von Pitter in der Therapieeinrichtung verabschiedet habe, lässt mich der Gedanke an diese Geschichte nicht los.

Der Rest des Tages war vor allem mit Papierkram gefüllt. Aber wie kann man Papierkram erledigen, wenn einem den ganzen Tag Pitter und seine Freundin vor Augen stehen?