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RalphK
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Mit ‘geldprobleme’ getaggte Artikel

Ein Kampf in Körper und Seele

Montag, 22. Juni 2009

Hallo an alle da draußen, habe lange nicht mehr geschrieben. Nach meinem Unfall habe ich mich zurückgezogen, drei Wochen ging es mir richtig schlecht. Meine Freude über das Auto ist verflogen, denn die Realität hat mich wieder eingeholt. Moma ist auch so ein Ding passiert. Er wollte mein Auto richtig vor die Garage stellen und statt Bremse drückt er aufs Gaspedal. Eine Beule und der Abfluss der Regenrinne ist demoliert, zum Glück ist ihm nichts passiert. Dachte an meine Jugend, war mir früher auch sicher, dass ich Auto fahren konnte, wurde auch eines Besseren belehrt. Vorletzte Nacht steht mein Auto an der Straße und mein Spiegel wurde abgetreten. Manchmal kann ich selber nicht glauben, was für eine Scheiße nach der anderen passiert.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera: Schmerzen oder Opiate

Mein Geld neigt sich zu Ende, der Kampf im Alltag geht weiter. Mein Bürokram wächst mir über den Kopf, meine offenen Rechnungen geben mir den Rest. Nach über 14 Jahren habe ich Kontakt zum BTM, habe letzte Woche ein Schmerzpflaster bekommen. Die ersten Tage waren am Schlimmsten, musste mich andauernd übergeben, als wenn ich auf Shore wäre.

Das Schleudertrauma gab mir den Rest an Schmerzen, die ich noch ausgehalten habe. Meine Schmerzen sind zwar weniger, aber in meinem Körper Opiate zu spüren, ist nicht leichter. Mein Kampf findet im Moment in meinem Körper und in meiner Seele statt. Muss meine Depressionen in Schach halten. Jeden Tag kämpfe ich mit mir sogar um ganz einfache Erledigungen. Gerade jetzt sind so viele Sachen, die ich erledigen muss.

Müsste eine Bank überfallen um Schulbücher bezahlen zu können

Mein “kleiner Sohn” kommt auf die Realschule und Moma in die 10. Klasse. Beide haben gute Zeugnisse und ich bin sehr stolz auf sie. Habe schon die Bücherbestellung bekommen, weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll, mal eben so locker 100 Euro dafür, dann kommen noch die Hefte und alles andere dazu. Bin echt am überlegen wo die Gelder herkommen sollen, kann ja eine Bank überfallen :-).

Wenn die Wirtschaft noch mehr runtergeht, und das wird sie, dann hoffe ich nicht mit uns. Im Moment kann ich noch nicht einmal beten, habe jeglichen Mut verloren. Ziehe mich von all meinen Bekannten und Freunden zurück, ich weiß dass, das nicht richtig ist. Möchte jemand am meine Seite haben, der mich auffängt und meine bzw. unsere Sorgen gemeinsam teilt. Aber so jemanden zu finden ist genauso schwer, wie ein Sechser im Lotto. Und ich gebe zu, eine kleine Hexe zu bändigen ist auch nicht leicht :-).

Puh, war gar nicht so einfach mich wieder zu öffnen, aber es tat richtig gut.
Liebe Grüße
Sigrid

Heimlich arbeiten für ein Leben ohne Rettungsschirm

Mittwoch, 27. Mai 2009

Hallo Ralph K ist wieder
da.

Nun habe ich erst mal Zahnarztpause, bis ich meine Vertretungszeit um habe.
Auf einer Seite bin ich stolz darauf die Arbeit zu bewältigen und Geld zu verdienen,
auf der anderen Seite aber auch Angst und ein schlechtes Gewissen, weil ich den
Zuverdienst nicht angeben will
, um so viel wie möglich auf eigene Rechnung
leben zu können. Das heißt für mich: Zahnarzt bezahlen, nicht zur Tafel gehen
zu müssen und mich nicht so sehr als Mensch zweiter Klasse zu fühlen. Ohne
Rettungsschirm!

Bis bald Ralph K.

Hartz-4er bekommt nur Amalganfüllungen

Dienstag, 26. Mai 2009

Hallo,

mein Name ist Ralph K. und ich will heute anfangen
zu schreiben. Gestern bekam ich 5 Zahnfüllungen die meine Rechnung um
80 Euro anwachsen ließen. Als Hartz-4er bekommt
Mann und Frau sonst ohne Zuzahlung nur krankmachende Amalgamfüllungen.
So hoffe ich mal, gesund zu bleiben, damit ich diese Euros aufbringen kann.

Bis bald Ralph K.

Leben auf Kosten anderer

Montag, 18. Mai 2009

Vor ein paar Jahren kam Christine G. zu mir in die Beratung. Sie wurde über unsere Schwangerschaftskonfliktberatung an mich vermittelt. Sie war schwanger. Ihr Lebensgefährte drängte sie zu einem Schwangerschaftsabbruch. Sie wollte das Kind zur Welt bringen. Die Beziehung zerbrach an diesem Konflikt.

Christine G. stand alleine mit ihrem Kind da und musste sich auch um die Schulden kümmern. Ihr drogenabhängiger Lebensgefährte hatte geschickt alle Verträge und Einkäufe auf ihren Namen gemacht. Ich konnte ein paar Verträge rückgängig machen. Mit Hilfe eines Fonds und etwas Glück konnte ich für die restlichen Schulden eine verträgliche Lösung finden.

Jetzt stand Christine G. unvermittelt wieder vor meiner Tür. Es hat sie sehr viel überwindung gekostet erneut um Hilfe zu bitten. Im Herbst 2008 hat sie ihren damaligen Lebensgefährten und Vater ihres Kindes wieder in ihre Wohnung aufgenommen. Er hatte ihr hoch und heilig versprochen, dass er mit Drogen nichts mehr zu tun hätte. Sie und sein Kind wären sein Lebensinhalt. Er wollte nur mit ihnen zusammen leben. Sie planten eine gemeinsame Zukunft. Weihnachtsgeschenke und Kleidung wurden auf Raten gekauft. Christine G. ließ sich wieder überreden, Handy- und andere Verträge abzuschließen.

Anfang 2009 begannen die Probleme. Ihr Lebensgefährte, wieder oder immer noch drogenabhängig, verlangte immer wieder Geld von ihr. Die Handys hatte er verkauft. Hohe Telefonrechnungen kamen auf sie zu. Ferner entwendete er ihre EC-Karte und kaufte damit ein. In der Folge konnte die Miete und der Stromabschlag nicht abgebucht werden. Er versuchte sie einzuschüchtern und drohte mit Prügel. Christine G. wusste sich nicht mehr zu helfen und flüchtete ins Frauenhaus. Kurz darauf wurde ihr Lebensgefährte ins Zentrum für Psychiatrie eingewiesen.

Christine G. konnte mit ihrem Kind wieder in die Wohnung zurückkehren. Erneut steht sie vor diversen Verpflichtungen, die sie alleine nicht in den Griff bekommen kann.

Ein Hochzeitsgeschenk vom Amtsgericht

Dienstag, 12. Mai 2009

Unbedarft und mit jugendlichem Eifer hatte Frau N. Anfang der 90er-Jahre ein Bekleidungsgeschäft eröffnet. Nach einigen Jahren ging das Projekt in den Konkurs. Sie war enttäuscht über ihr Scheitern und nicht fähig, sich den Folgen zu stellen. Sie wurde depressiv und hat sich nicht mehr um die Schulden gekümmert.

Im Juli 2007 kam Frau N., 37 Jahre alt, das erste Mal zu mir zur Beratung. Sie hatte sich stabilisiert. Wieder berufstätig, wollte sie sich der Problematik stellen. Zu der Zeit betrug der aktuelle Schuldenstand ca. 50.000 Euro. Um ihr wieder eine Berufs- und Lebensperspektive zu geben, stellte ihr ihre Familie zur Schuldensanierung einen Betrag in Höhe von 10 Prozent der Gesamtforderung zur Verfügung.

Damit habe ich versucht, mit den Gläubigern eine Einigung zu erzielen. Die Mehrzahl stimmte meinem Vergleichsvorschlag zu. Damit die anderen Gläubiger auch zustimmen oder vom Amtsgericht per Beschluss dazu verpflichtet werden, habe ich im Dezember 2007 einen entsprechenden Antrag gestellt.

Auch persönlich ging es für Frau N. weiter aufwärts. Ende des Monats wird sie heiraten. Das schönste Hochzeitsgeschenk erhielt sie heute vom Amtsgericht. Endlich kam der Beschluss, in dem mein Vergleichsvorschlag als rechtsgültig gilt. Für alle Gläubiger ist der bindend. Jetzt muss nur noch die Vergleichssumme bezahlt werden und Frau N. ist von den restlichen Schulden befreit.

Der Haftbefehl ist vom Tisch

Freitag, 24. April 2009

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen sich nach einem Telefonat oder Beratungsgespräch nicht mehr melden. Scheinbar ist anschließend der Druck nicht mehr so groß oder die Betroffenen gehen andere Wege. So war ich etwas gespannt, ob Herr P. zu dem vereinbarten Termin kommt.

Und er kam tatsächlich. Wie besprochen war er auch bei der Staatsanwaltschaft und hat dort einen Antrag auf Umwandlung der Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit gestellt. Bevor die Staatsanwaltschaft entscheidet, will sie von mir noch weitere Unterlagen und Informationen. Ich bespreche das weitere Vorgehen mit Herrn P. Er wirkt immer noch sehr verunsichert. So richtig glauben kann er nicht, dass die Haftbefehle vom Tisch sein sollen. Ich sehe das positiv, für mich ist im Moment die größte Gefahr gebannt.

Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu planen. Er muss unbedingt die Unterhaltszahlungen für sein Kind leisten. Gerät er in Rückstand und hat nicht vorab eine Aussetzung geklärt, wird alles was ich vereinbart habe wieder hinfällig. Dann ist die Haft nicht mehr zu verhindern. Mit den anderen Gläubigern werde ich mich in den nächsten Tagen in Verbindung setzen.

Das Bankkonto wurde Herrn P. gekündigt. Bei einer anderen Bank hat er bisher kein Bankkonto bekommen. Das ist für ihn sehr ärgerlich und mit hohen Zusatzausgaben verbunden. Für jede überweisung muss er mindestens fünf Euro bezahlen. Hier werde ich ihn auch unterstützen.

Während ich diese Zeilen zu Ende bringe, kommt mal eine erfreuliche Nachricht aus Berlin. Mit der Reform des Kontopfändungsschutzes wird erstmalig ein sog. Pfändungsschutzkonto (“P-Konto”) eingeführt. Auf diesem Konto erhält ein Schuldner für sein Guthaben einen automatischen Sockel-Pfändungsschutz in Höhe seines Pfändungsfreibetrages. Dabei kommt es nicht darauf an, aus welchen Einkünften dieses Guthaben herrührt. Damit genießen künftig auch Selbstständige Pfändungsschutz für ihr Kontoguthaben. Jeder Kunde kann von seiner Bank oder Sparkasse verlangen, dass sein Girokonto als P-Konto geführt wird. Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates.

Die Reform tritt erst ein Jahr nach Verkündigung in Kraft, damit die Kreditwirtschaft ausreichend Zeit zur Umstellung hat. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die änderungen erst gegen Mitte 2010 in Kraft treten werden. Diese Reform ist überfällig und sehr zu begrüssen. Herr P. hätte heute noch sein Girokonto. Viel ärger und viele Nachteile wären ihm erspart geblieben.