Claudia H.
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Mit ‘freunde’ getaggte Artikel

Heimweh

Mittwoch, 16. September 2009

Das Wochenende war ich bei meinen Eltern und es war einfach nur wunderschön, wieder mal nach 4 Monaten zuhause zu sein. Vor allem meine Eltern waren mal sehr friedlich und haben sich nicht gestritten, was mich sehr gewundert hat. Weil sie es ja sonst jeden freie Minute machen. Aber leider gingen die zwei Tage viel zu schnell rum. (mehr…)

Menschen ärgern um aufzufallen

Dienstag, 07. Juli 2009

Maupassant hat mal gesagt, das Einzige, was der Mensch möchte, ist seiner Vereinzelung zu entrinnen. Deswegen wuseln die Menschen noch heute zu irgendwelchen Treffen. Hauptsache es gibt dort irgendwas zu essen, zu schlürfen und der Mensch ist nicht allein. Wir leiden an einer kollektiven Aufmerksamkeitsstörung. Genauso ist es im Knast, mein Freund. Sobald diese bescheuerte Tür mit dem blauen Schild “ohne Arbeit” aufgeschlossen wird, laufen wir Eingepressten los – als wenn wir noch die Tür im Kopf haben – um der Vereinzelung ein Ende zu bereiten.

Heute gehe ich zu meinem Busenfreund. Er ist sozusagen mein Zeitbusenfreund. Der beste, den ich je hatte. Aber das ist in Wirklichkeit Unfug, das wissen wir zum Glück beide. Wir brauchen uns in einer grotesken, abnormen Weise. Frank ist ein klassischer, dürrer Choleriker. Er verkörpert das, was ich so gern mag: Den nervösen, unruhigen, ständig umtriebigen Menschen, der mit sich selbst nichts anzufangen weiß, aber mit mir. Wir spielen Schach. Wann immer er verliert, fliegen die Figuren und er sagt dann, ich hätte während des Spiels andauernd gequatscht. So war es gestern, so ist es heute, so wird es morgen sein. Was interessiert Dich das? Frank sagt, der Grund seines Verlierens sei mein Gequatsche.

Aber nur in einem hat Frank recht. Wenn ich merke, die Situation ist brenzlig, stelle ich eine komplizierte Frage, beschuldige ihn, dass ich glaube, er sei ein Lümmel, weil er einen Knaben aus dem anderen Flügel begehrt und schon klappt er an, der Fisch zappelt. Ich manipuliere ihn. Das habe ich schon mit meiner Mama gemacht. Um von ihr überhaupt Aufmerksamkeit zu erhalten, habe ich sie einfach geärgert und dann darüber gekichert und später gelitten an den Striemen, die sie mir im Folgenden zuführte.

Noch heute stänkere ich gern, wenn ich merke, dass sich der Andere dadurch ärgern lässt. Am liebsten beschuldige ich kurios. Außer Menschen, die ich wirklich liebe und die mich lieben. Ich weiß, echte Liebe beschuldigt niemals. Auch Romantiker tun das nicht, und auch die wahren Gläubigen nicht, etwa die, die einen übersinnlichen Bezug zur Welt haben. Es mag den Begriff der Schuld geben, doch für Liebende ist er ausgeklammert. Wer Schuld gibt, der würgt und klammert auch.

Und abends fliegen die Glühwürmchen durch den Garten

Samstag, 04. Juli 2009

Heute ging es mit dem preiswerten Thüringenticket nach Chemnitz zu Freunden, mit Gitarre. Ich bin das erste Mal in dieser Gegend. Das Erzgebirge grenzt an mit seinen wunderschönen Höhenzügen viel Wald, Wiesen, Felder und kleine Ortschaften. Wir fahren zur Augustusburg, die auf dem Berge trohnt. Für mich Anlass alte Volkslieder zu singen zur Gitarre in dieser historischen Kulisse. Eine bezaubernde Akustik und dieser Blick über die Weiten des Erzgebirges.

Freundliches Nicken ernten wir, ein junger Mann freut sich darüber, dass endlich mal etwas los ist am Tage. Für ihn noch extra ein Lied und ein Gedicht. Weiße Wolken reisen am blauen Himmel entlang über dem historischen Gemäuer. Später geht es nach Dittersdorf in eine Gärtnerei.

Sommergewitter mit ergiebigen Regenfällen haben in dieser Gegend ganz schön gehaust. Mein Gastgeber Günther vom Gärtnerischen Fache, gärtnert dort und da herum. Bei der Kollegin in dieser Gärtnerei auch ein paar Lieder gesungen zu ihrem Feierabend. Sie freute sich riesig über diese Einlage. Ja, Musik verbindet, ob nun auf der Burg oder in der Gärtnerei. Gelegenheiten finden sich immer um Freude zu bringen. Abends flogen die Glühwürmchen durch den Garten bei geselliger Runde. Wir tranken Wein, sangen und erzählten miteinander in dieser lauen Sommernacht. Ja, ja diese lauwarmen Nächte haben sie nicht manches Geheimnisvolles?

Sommerliche Grüße von Muse Suse

Wohin mit den heimatlosen Gefühlen?

Freitag, 26. Juni 2009

Ba kenne ich schon seit 27 Jahren. Sie ist eine der wenigen, mit der ich Kontakt gehalten habe. Allerdings auch mit Unterbrechungen. Als wir in Bielefeld lebten – beide auf Heroin, beide immer mit den letzten Kröten auf der Suche nach Shore - sind wir getrennte Wege gegangen. Drogenabhängigkeit lässt keinen Platz für Freundschaft. Gerade haben wir uns für Sonntag verabredet.

Früher ist es mir schon mal aufgefallen, dass ich mich eigentlich nur dort wirklich wohl fühlte, wo es auch Tiere gab. Es sind nicht allzu viel Leute bei, oder Orte an denen ich mich zuhause fühle. Zuhause. Das besetzte Haus war Zuhause für mich. Das AJZ in Bielefeld, die alte Pauline in Detmold. Punk war ein Zuhause. Egal wo ich hingetrampt bin, ich war nicht allein. Detmold war für mich Zuhause.

Wenn ich Sonntag nach Bielefeld fahre, weiß ich, an diesen Gefühlen kann ich nicht anknüpfen. Ba ist noch mit Meta substituiert, und sie kifft noch. Wenn ich mich in das Gefühl Zuhause sinken lasse und eine Wasserpfeife steht neben mir?

Eine Ersatzsucht, die mich mit Endrorphinschüben versorgt, wie Marathon oder Segelkunstflug, habe ich bisher nicht gefunden. Ein Dogma mit Drogenersatzfunktion, so etwas habe ich auch nicht zu erwarten. Meine Gefühle werden wohl noch eine ganze Weile heimatlos sich hierhin und dorthin bewegen. Bis ich dann vielleicht irgendwann ein Zuhause in mir entdecke.

Wie Alltägliches zur großen Freude wird

Dienstag, 23. Juni 2009

An einem Stand auf dem Kirchentag in Bremen gab es Postkarten zum direkten Versand. Die jungen Betreuer des Standes erzählten mir am Wochenende von dieser Aktion. über 2000 Postkarten wurden verschickt. Die kurzen Worte waren Grußbotschaften nach Hause zu den Eltern, Großeltern, Kindern, Geschwistern, Freunden.

Ich kann mich gut daran erinnern wenn meine Oma sich aufmachte ihre Post aus dem Kasten zu holen. Wenn dann ein Brief oder eine Karte von mir darin war, dann hat sie ihre Rituale gehabt. Nachmittags hat sie sich eine Tasse Kaffee bereitet um dann die Karte hervorzuholen und zu lesen. Oma freute sich über diese Verbindung zu mir. Oft spielten ihre alten Hände mit der Karte noch eine ganze Weile während die Erinnerungen durch ihren Kopf zogen. Am Sonntag hat meine Tochter drei Karten gekauft um sie an Omi und Uromi zu schicken.

Als wir darüber sprachen fragte meine Tochter nach dem Spruch über der Wohnungstür von der inzwischen verstorbenen Uroma aus Niedersachsen. “Wer sich nicht jeden Tag selbst überwindet – dem ist die Lehre Gottes nicht eingegangen.” Aufstehen, und tun was getan werden muss. Da sein für die, die uns brauchen. Bescheidenheit war eine große Stärke meiner Oma. Ich habe lange gebraucht um zu erkennen, dass durch diese Haltung die kleinen Dinge des Alltags zu großen Freuden werden können. Danke Oma.

Herzlichst
Lutz

Wie die Straßenzeitung in die Wirtschaft kommt

Donnerstag, 28. Mai 2009

Letzte Woche war ein Benefizlauf zugunsten der Telefonseelsorge, in der Stadt. Es gab am Start Bratwurstmarken und T-Shirts mit Aufdruck Telefonseelsorge, die ein Einkaufszentrum spendierte. Die Strecke belief sich auf ca. drei Kilometer rund um Jenas Innenstadt, Läufer, Radfahrer und Spaziergänger formierten sich unübersehbar durch die Straßen.

Ich war auch dabei. Gut, dass es diese Einrichtung gibt. Habe dort schon Hilfe erfahren. Manchmal gibt es doch Fragen oder Lebensgeschichten, die man loswerden möchte. Jemand der zuhört oder nützliche Tipps bereit hat, da ist die Telefonseelsorge gerade richtig. Beim Pfarrer oder lieben Freunden kann man sich auch gut austauschen.

Nach der Wanderung im Zug mit dem leuchtenden T-Shirts, nahm ich dankbar die Bratwurst in Empfang und ein Becher mit Wasser. Eine Jazzkapelle spielte zur Unterhaltung. Später traf ich liebe Musenschwester. Sie lud mich ein, in ihrer Gaststätte zu verweilen, bei guten Kaffee und Würzfleisch. Herrlich, die gelbe Farbe des Mangosaftes, passend zu meinen bunten Sachen.

Kerstin kauft immer fünf Straßenzeitungen und legt sie dann im Gatto Bello aus, zum Lesen. Wir erzählten miteinander und freuten uns über den schönen Tag. Reich beschenkt mit Eindrücken, Bildern, gut gespeist und getrunken zu haben, nette Gespräche, eine dicke Umarmung von Kerstin und einige Zeitungen verkauft, ging es nach Hause.