Jemand aus der Gruppe schickte mir heute eine SMS. Er hat wohl einen Rückfall (Alkohol) gehabt, wollte es mir aber erstmal nur per SMS mitteilen. Um darüber zu sprechen würde er sich im Augenblick noch zu sehr schämen. Schade, ich hoffe er meldet sich bald. Schämen. Ich denke an meine Rückfälle. Habe ich mich geschämt?
Angesichts der Konsequenzen habe ich mich oft sehr schlecht gefühlt. Mir gewünscht ein anderer zu sein, jemand, der diese Zerrissenheit nicht kennt. Zerrissen sein zwischen dem, was man verspricht, was man sein möchte und der Sucht.
Irgendwann habe ich aufgegeben. “Ich bin halt ein scheiß Junkie, es ist einfach so, tut mir leid. Klar bin ich bemüht den Minimal-Ansprüchen zu genügen. Klar versuche ich so zu leben, dass ich das, was ich sage, auch tue. Klar bemühe ich mich darum auch ernst genommen zu werden. Aber versprechen werde ich keinem etwas.” Gute Voraussetzungen für Veränderungen. Glück gehabt.
Leider sind es meist eine Reihe von Abhängigkeiten, in denen man sich befindet. Beziehungen, Kontakte, materielle Abhängigkeiten. Und die Abhängigkeit von der Rolle, die man sich selbst schreibt. Angst haben allein zu sein, Angst vor Ablehnung und dann noch die Angst auf der Straße zu sitzen.
Wenn man im “normalen” Leben, also mit Arbeit, Familie, Auto, ein Suchtproblem hat, ist die Rolle, die man sich auferlegt eigentlich nie erfüllbar. Ist man dann offensichtlich aus dieser Rolle rausgefallen stellt eigentlich kein nüchtern denkender Mensch mehr Ansprüche. Schämen? Zu dem zu stehen, was man ist und will,…. unverschämt?


