Als ich das letzte Mal meine Kontoauszüge aus dem Automaten zog, war ich doch ein bisschen gespannt. Habe ich etwa Urlaubsgeld bekommen? Der Blick auf den Auszug holte mich aus dieser Träumerei. Nein, natürlich nicht. Ich habe da ja so einen Spezial-Vertrag. Mit meinem Geld komme ich zurzeit wirklich zurecht und spare mir doch jeden Monat etwas mehr zusammen.
Aber ich darf hier keinen Denkfehler machen. Mein Vertrag läuft regulär über zwei Jahre. Danach ist es sehr fraglich, ob er verlängert wird. Was nicht ganz regulär ist: In dieser Zeit werden keine Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt, und auch keine Arbeitslosenversicherung. Das bedeutet natürlich auch, wenn ich mich nach diesen zwei Jahren wieder arbeitslos melde, … bin ich von Anfang an wieder auf Hartz 4. Wäre nicht gerade clever, wenn ich dann einen anrechenbaren Kontostand habe.
Nein, ich will da wirklich nicht meckern, es ist so wie es ist schon sehr viel besser, als ich es mir vor einiger Zeit vorgestellt habe. Aber es erinnert mich eben daran, dass ich innerhalb dieser zwei Jahre etwas finden muss, was mich dann in einen normalen Status bringt. Normal – muss -Altersvorsorge – Status: Ich krieg die Krätze. Schon erschreckend wie mein Arbeitsleben sich in mein Denken einschleicht. Ich muss gar nichts, aber ich will noch etwas. Und dazu gehört es, nichts mehr mit diesem stinkenden Hartz-Käse zu tun zu haben. Aber wenn ich mich so umschaue (Löhne unter fünf Euro brutto für die so mancher arbeitet), habe ich manchmal das Gefühl, es ist schon fast unverschämt etwas zu wollen.


