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Rainer S.
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Rainer S.

Mit ‘alkohol’ getaggte Artikel

Hoch die Tassen am Vatertag

Freitag, 22. Mai 2009

©  Sebastian Corneanu - Fotolia.comAm Feiertag war ein Ausritt geplant. Ich war für die Versorgung der Reiter vorgesehen. An unserem Treffpunkt führte mein Weg durch große Menschenmengen, die sich an diesem beliebten Ausflugziel aufhielten. Meine Reiter waren schon auf dem Rückweg und so hatte ich Zeit, mich im Sinne meines trockenen Lebens noch ein bisschen umzusehen. Ich war erschrocken über die Vielzahl betrunkener Frauen. War denn heute nicht Vatertag? Herrentag? Und überhaupt: Himmelfahrt?

Die Gruppen der Jugendlichen feierten irgendwie “wer grillt am lautesten”, die Radfahrergruppen mussten immer irgendwelche Kommentare austauschen die man wahrscheinlich noch im nächsten Dorf hören konnte, und dann diese Menge von Frauen die da lallend umhertanzten und wildfremde Menschen in ihren Tanz einbeziehen wollten. Oder sie saßen an langen Tischen und prosteten sich lautstark zu, als würden sie zeigen wollen, dass sie das mindestens so gut könnten wie ihre Männer.

Mir wird schnell klar, dass es immer schon so gewesen ist. Früher habe ich nichts davon mitbekommen, heute scheint es eine verdrehte Welt. Dabei hat sich das meiste wohl in mir gedreht. Ich bin – glaube ich – zu sehr Eisblume, als dass ich im Mai mittanzen wollte.

Schmunzelnd zog ich von dannen, schweigend und ein wenig neidisch!
Liebe Grüße

Lutz

Letzter Ausweg: Der Griff zur Flasche

Freitag, 22. Mai 2009

Heute kam Herr W. zum vereinbarten Beratungsgespräch. Eigentlich wollte ich mit ihm das weitere Vorgehen in der Schuldenberatung besprechen. Sehr schnell fiel mir auf, dass sein Pfefferminzbonbon seine Alkoholfahne nicht überdecken konnte. Auch machte er einen sehr nervösen Eindruck. Auf seiner Stirn stand der Schweiß.

Darauf angesprochen, meinte er, gestern Abend hätte er etwas getrunken. Ich habe nach dem Anlass, nach Gründen gefragt. Da brach er in Tränen aus. Gestern sei wieder so ein Tag gewesen, an dem alles hoch gekommen wäre: die Trennung von seiner Lebenspartnerin, ihr Bestreben, den Kontakt zu seinem Sohn immer mehr zu beschränken, der Tod seiner Mutter vor einem Jahr, seine Verschuldung, der Druck der Gläubiger, sein Burnout-Syndrom. Er hätte keinen Ausweg mehr gesehen. Alles war ihm egal und er hätte wieder zur Flasche gegriffen. So würde er inzwischen oft reagieren. Die Gesprächstherapie hätte er vor Wochen abgebrochen.

Ich konnte ihm klar machen, dass meine Arbeit im Rahmen der Schuldnerberatung nur langfristig Erfolg haben kann, wenn er an seiner Suchtproblematik und dem Burnout-Syndrom arbeitet. Er wollte umgehend einen Beratungstermin bei unserer Suchtberatung vereinbaren. Wenn er dort regelmäßig hin geht, werde ich weiter mit ihm zusammenarbeiten.

Ich habe mich selbst verloren

Dienstag, 19. Mai 2009

Zum Starten, einfach ins Video hineinklicken.

Mein Leben – Eine Sucht

Das Making of

Steffen und ich haben ihn kennengelernt: Franz vom Niederrhein. Eine außergewöhnliche Person mit einer sehr interessanten Geschichte und einer bedrückenden Vergangenheit. Angefangen hat es vor etwa zwei Monaten. Als Videojournalisten halten wir immer die Augen nach interessanten Themen oder Menschen Ausschau. Dabei gehen wir offen und positiv an die Sache ran. Vorurteile oder sonstige Hemmungen versuchen wir auszuschalten.

Unser erstes Treffen hatten wir in der Drogenberatung. Dort redeten wir über allgemeine Sachen, Franz’ Geschichte und über mich. Ich fand es interessant, ganz viele persönliche und intime Sachen zu erfahren – er, was bei uns Jugendlichen so abgeht.

Es folgten weitere zwei Treffen. Ich besuchte ihn auch einmal zu Hause. Durch die Treffen hatten wir ein sehr vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Nun mussten Steffen, der Kameramann, und Franz sich verstehen. Nur so, denke ich, kann Franz frei von seiner Vergangenheit, seiner jetzigen Situation und von der erhofften Zukunft sprechen.

Jeder macht Fehler – na und?

Der Drehtag war sehr angenehm. Als Dreierteam machten wir alle unseren Job. Dabei hatten wir eine Menge Spaß. Nach Feierabend besuchten wir noch ein Fußballspiel von Franz Lieblingsverein. Es folgten zwei Tage im Schnitt, heiße Diskussionen (was ist wichtig, um einen ehrlichen Eindruck von Franz zu vermitteln?), und die Spannung, wie es Franz selber gefällt.

Nun ist das Video fertig. Franz ist zufrieden, Steffen und ich auch. Ich hoffe sehr, dass wir Euch einen Eindruck aus Franz’ Leben vermitteln konnten. Und tut mir ein Gefallen: Lernt daraus!!! Jeder Mensch macht Fehler und keiner ist perfekt. Warum sollte also jemand benachteiligt werden, der in seiner Vergangenheit nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Schaut doch lieber, wie es dazu kommen konnte und gebt Chancen. Franz war im Gefängnis und trotzdem ist er ein sehr offener, freundlicher, hilfsbereiter und lieber Mann. Genau diesen Mann sollte man sehen lernen…

Viele Grüße
Pascal Schröder von wir-bewegen-bilder

Kein Glück ohne Eigenleistung

Dienstag, 07. April 2009

Bis Donnerstag krankgeschrieben, keine Erkältung sondern eine Grippe. Mist. Das habe ich mir gar nicht gewünscht Der zweite Monat in Arbeit und insgesamt fünf Tage krank.
Auch die Gruppe gestern habe ich nicht mitgemacht. Aber da ist meine Quote besser. Es war das zweite Mal.
Ich habe gehört, dass die Zugriffe auf die Webtagebücher zurzeit stagnieren und überlege was ich tun kann, etwas daran zu ändern. Mir wurde schon von vielen Seiten gesagt, dass ich die Welt nicht ändern kann. Ich weiß es, aber werde es trotzdem weiter versuchen.
Aber meine Einstellung dazu hat sich schon sehr verändert. Die Dinge sind oft sehr komplex und das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint. Aus Gedanken um eine Drogenpolitik habe ich mich irgendwann völlig herausgehalten. Als Abhängiger ist es fatal zu denken, eine geregelte Vergabe von Heroin über ärzte wäre die beste Option.
Wenn es um eigene Probleme geht, ist es immer eine Sackgasse zu denken, die Gesellschaft ist schuld. Schuld, Unschuld?
Vor einiger Zeit habe ich eine Broschüre von YES gelesen. Die Forderungen und Bedürfnisse die daraus hervorgehen kann ich sehr gut nachvollziehen, aber ich würde keinem Abhängigen empfehlen sich dort anzuschließen. Wenn man diese Forderungen real durchsetzen will und die Situation real betrachtet, gibt es eigentlich nur den Weg eines Hungerstreiks. Ich denke, ich verstehe die Untertöne in dieser Broschüre.
Jeder Mensch hat einfach das Bedürfnis Teil einer Gemeinschaft sein zu können. Es ist Grundlage für das Selbstwertgefühl. Viele, die sich nicht als Teil der “normalen” Gesellschaft fühlen können, oder es nicht wollen, bilden Subgesellschaften aus. Die Forderungen und Bedürfnisse kann ich verstehen, aber … Wenn die Gesellschaft mit einer Stimme antworten könnte, wäre das ihre Antwort: “Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was!”
Es gibt da einen gesellschaftlichen Konsens. Glücklich sein, ohne Arsch aufreißen, darf es nicht geben! Erfolg ohne Leistung ist intergalaktisch verboten. Eine Leistung, die Glück rechtfertigt kann eine Idee sein, die darf auch geklaut sein. Oder ein Kuss von der Lottofee. Aber einfach so glücklich sein. Ne, das wussten schon die Asketen, Hungerstreik ist der einzige Weg. Ich werde hier weiter bei mir bleiben, aber ich werde es versuchen mehr von meinen Ansichten mitzuteilen.
Viele Drogen führen in Psychosen. So das Dogma. Dabei sind es aber meist viele Faktoren die da zusammenwirken und es ist ein längerer Prozess. Alkohol kann auch solche Wirkungen haben, aber es kann spontan zu dem führen, was man psychopathisch nennt. Alkohol kann spontan Gewalt auslösen und tut es tausendfach. Verbieten? Die Alkoholprohibition in den USA hat dafür gesorgt, dass sich dort eine Mafia etablieren konnte. Die derzeitigen Kriege werden meiner Meinung nach fast komplett aus Drogengeldern finanziert. Realpolitisch würde ich sagen, die ganzen Drogis sind mir doch scheißegal, die fülle ich so ab, dass die nicht mehr papp sagen können und lege den Drogenschwarzmarkt trocken. Aber auch scheinbare Glückseligkeit, ohne Eigenleistung, ist wie ich schon sagte, intergalaktisch völlig verboten.

Die Therapie geht zu Ende

Freitag, 03. April 2009

Nächste Woche sind meine 16 Wochen zu Ende. 16 Wochen sind eine
lange Zeit; aber man braucht sie, um Kraft und Stabilität zu bekommen gegen die
Sucht. Saufdruck in der Zeit hatte ich nicht; hoffentlich kann ich dies für die
weitere Zeit mitnehmen.

Viele Freunde habe ich kennengelernt und bleibe mit ihnen in
Verbindung. Der Körper hat sich erholt und die Psyche gefestigt. Ich habe keine
ängste vor der Zukunft, man darf sie erst gar nicht aufkommen lassen. Für die
nächste Zeit werde ich die Nachsorge und eine Selbsthilfegruppe besuchen.

Ein Dankeschön an alle Therapeuten und Mitpatienten. Beim Abschlussgespräch mit meiner Therapeutin bekam ich ein
kleines Zitat: “Es ist Zeit, neue Türen aufzustoßen, neuen Anfängen zu
vertrauen.”
Das werde ich tun.

Gruß Günter B.

Geburtsstadt von Heinz Mustermann

Donnerstag, 02. April 2009

Gerade habe ich eine Flasche Wein gekauft. Nicht für mich, sondern als Geschenk. Dazu war ich in einer Weinhandlung. Mal wieder direkt von der Arbeit in Arbeitskluft. Die Verkäuferin sah mich an und dachte wohl: “Was will der denn?” Ich sagte ihr, was ich wollte und sie war kurz davor zu sagen, “den gibt es aber nicht in Tetra Packs”. Sie packte die Flasche ein, ich bezahlte und sagte tschüs. Sie brachte ein förmliches “Auf Wiedersehen” heraus. Osnabrück. So langsam geht mir diese Stadt echt auf den Sack.
Als ich Punk war, war das in Lemgo ähnlich. Wenn man da durch die Stadt ging, blieben die Leute stehen und denen fiel fast die Einkaufstasche hin. Punk wurde dann ja auch reichlich vermarktet und in Deutschland passiert einem so was nicht mehr.
Vor etlichen Jahren lief ich mal durch Stockholm und mir fiel auf, dass die Frauen dort alle einen “eigenen” Kleidungsstil trugen. Sehenswert. Hier laufen die meisten rum wie Bauerntrampel und finden sich en vogue. (Hüft-Wulst-Hosen-Girly-Fraktion, Emu und Idioten Iro Look, …) Würde es der männlichen Generation 30+ nicht sehr entgegen kommen wenn Ganzkörper Tarnnetze in wären?
Osnabrück, die Stadt mit den glücklichsten Bürgern !? Ich glaube hier ist die Geburtsstadt von Heinz Mustermann.