Mit erhöhter Reisegeschwindigkeit rast die Informationsgesellschaft vom Fast Food zum Quick Check-in, vom Last-Minute-Urlaub zum Speed-Dating, und den Espresso zwischendurch bestellt man „to go“. Zeit? Mangelware! Umso erstaunlicher, dass es dem Boulevard-Journalismus immer wieder gelingt, von diesem kostbaren Gut auch noch ein paar Minuten zu stehlen. (weiterlesen…)
Mit ‘alkohol’ getaggte Artikel
Menschen, Drogen, Sensationen
Mittwoch, 12. August 2009Das Zweiklassen-Hartz-IV
Donnerstag, 09. Juli 2009Hallo, da bin ich auch mal wieder. Das Ende der bisherigen Beziehung zu meiner “nur noch Freundin” hat mich noch dünnhäutiger gemacht, was die unfairen Verhältnisse gegenüber Hartz-4ern mit Familienrückhalt angeht. Dieser Rückhalt verschafft einigen von ihnen ein großes Privileg: Immer was Gutes zu essen, wenn sie ihre Eltern besuchen, Geburtstagsgeld, Weihnachtsgeld, Hilfe bei finanziellen Engpässen – und von meiner Freundin weiß ich, dass das Geld ihrer Eltern sogar für dreimal im Jahr Urlaub reicht. Zudem hat Sie letzte Woche noch ein neues Auto mit Klimaanlage bekommen, welches dank Abwrackprämie von ihrer Tante gesponsert wurde. Und das alles, ohne selbst einen einzigen Cent dazu erarbeiten zu müssen.
Das alles kam mir hoch, nachdem eine alte Bekannte von mir, die ich auch diesem privilegierten Kreis zuordnen muss, erzählte: “Wenn man sich das wenige Hartz-4-Geld richtig einteilt, kann man damit hinkommen.” Ich glaube, dass mein Saufdruck viel damit zu tun hat, dass ich fast nur Hartz-4er mit eben diesen familiären Hintergründen kenne und mich alleine fühle, weil ich keine solche Familie habe.
Muss man sich für Rückfälle schämen?
Sonntag, 05. Juli 2009Jemand aus der Gruppe schickte mir heute eine SMS. Er hat wohl einen Rückfall (Alkohol) gehabt, wollte es mir aber erstmal nur per SMS mitteilen. Um darüber zu sprechen würde er sich im Augenblick noch zu sehr schämen. Schade, ich hoffe er meldet sich bald. Schämen. Ich denke an meine Rückfälle. Habe ich mich geschämt?
Angesichts der Konsequenzen habe ich mich oft sehr schlecht gefühlt. Mir gewünscht ein anderer zu sein, jemand, der diese Zerrissenheit nicht kennt. Zerrissen sein zwischen dem, was man verspricht, was man sein möchte und der Sucht.
Irgendwann habe ich aufgegeben. “Ich bin halt ein scheiß Junkie, es ist einfach so, tut mir leid. Klar bin ich bemüht den Minimal-Ansprüchen zu genügen. Klar versuche ich so zu leben, dass ich das, was ich sage, auch tue. Klar bemühe ich mich darum auch ernst genommen zu werden. Aber versprechen werde ich keinem etwas.” Gute Voraussetzungen für Veränderungen. Glück gehabt.
Leider sind es meist eine Reihe von Abhängigkeiten, in denen man sich befindet. Beziehungen, Kontakte, materielle Abhängigkeiten. Und die Abhängigkeit von der Rolle, die man sich selbst schreibt. Angst haben allein zu sein, Angst vor Ablehnung und dann noch die Angst auf der Straße zu sitzen.
Wenn man im “normalen” Leben, also mit Arbeit, Familie, Auto, ein Suchtproblem hat, ist die Rolle, die man sich auferlegt eigentlich nie erfüllbar. Ist man dann offensichtlich aus dieser Rolle rausgefallen stellt eigentlich kein nüchtern denkender Mensch mehr Ansprüche. Schämen? Zu dem zu stehen, was man ist und will,…. unverschämt?
Von leichten und schweren Prüfungen
Montag, 29. Juni 2009Nun ist es wieder ruhig in meiner Wohnung. Mein Sohn ist abgereist, haben ihn noch zum Bahnhof begleitet. Drei Tage war er hier und hat auch seine Freunde getroffen. Für uns kochte Johannes ein wunderbares Essen. Am Donnerstag verlas der Junge einen eigenen Text nach der Mittagsandacht und ich sprach von Dietrich Bonhoeffer das Gedicht “Von guten Mächten wunderbar geborgen”. Es ist ein Text, der uns beide betrifft und viele andere auch.
Jeder geht seinen Weg und muss doch leichtere und schwerere Prüfungen bestehen im Leben. Johannes hat in seinen jungen Jahren auch schon viel erfahren müssen. Ich hoffe, dass es bei Nikotingenuss bleibt und nicht Alkohol und Drogen wieder einen Stellenwert finden in seinem Dasein. Zurzeit schreibt er an zwei Theaterstückchen, das eine ist autobiographisch angelehnt.
Meine Schwermut ist gewichen mit diesem Unwohlsein, Beklommenheit nach harter Kritik einer Chorschwester. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr bei solchen Dingen. Ist doch Kirche auch ein offener Raum für Kunst, für Leben und für alles, was unserem Herrgott Freude macht. Ich denke im Gebet an diese Schwester mit, meinen Sohn und vieles andere. Rabidranath Tagore hat mal gesagt: “Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.”
Alles Liebe wünscht Susi L. aus Jena
Die teuflischen Hörner des Alkohols
Freitag, 26. Juni 2009
Ein Sommerabend in der Entgiftungsstation der Uniklinik in Rostock. Zwanzig Patienten finden sich mehr oder weniger freiwillig zur Informationsrunde im Speisesaal ein.
Mich interessieren diese Patienten. Meine öffentlichkeitsarbeit für die Selbsthilfegruppen ist jedes Mal auch eine neue Erfahrung für mich. Diesmal traf ich auf eher unmotivierte Patienten.
Ja, der Sommerabend. Ich war auch im Sommer zur Entgiftung. Meistens war ich in mich gekehrt, still im Schatten des Hauses zu finden. Den Gedanken nachhängend, was in diesem Augenblick wohl zu Hause passiert. Wie gern ich jetzt da wäre …
Ich gab den Patienten gestern einen Einblick in meine Erinnerung. Sie haben gehört, was gerade in vielen von ihnen vorging und wir kamen ins Gespräch. Ich war erschrocken über die hohe Zahl von jungen Leuten. Zwar ist es in den Statistiken schon deutlich sichtbar, und in den Medien unüberhörbar, dass der Alkohol immer mehr die Jugend vereinnahmt – aber in dieser Gegenüberstellung der teilweise noch leeren Blicke meiner Gesprächspartner hat mir der Alkohol noch einmal die Glut in seinen teuflischen Hörnern gezeigt.
Auch wenn in der nahenden Urlaubssaison die Fachkräfte in Beratungsstellen und Kliniken ihren wohlverdienten und sehr wohl auch notwendigen Urlaub erhalten und aus gleichem Grunde die ein oder andere Selbsthilfegruppe nicht so gut besucht ist wie sonst im Jahr, das gemeinsam gespannte Netzwerk bekommt sicher wieder viel zu tun – in der Hochsaison der sommerlichen Emotionen.
Gruß
Lutz
Der elende Hartz-IV-Alltag …
Donnerstag, 04. Juni 2009
Guten Tag,
bin jetzt nicht mehr ganz so fertig von meiner zweiwöchigen Vertretung am Spültisch eines Wild- und Geflügel-Marktverkäufers. Habe dessen Verkaufs- und Grillwageneinlagen, worauf das Fleisch zum Verkauf ausgelegt wird, jedesmal nach Marktende gespült. Nun ja, solange ich noch 2mal die Woche den Obst- und Gemüsemarktstand auf- und abbauen kann, hat mich der elende Hartz-IV-Alltag noch nicht ganz wieder, in dem ich von Hoffnung zu Hoffnung lebe:
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Mit möglichst wenig Geld zufrieden zu sein und von einer Festanstellung träumen.
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Mit dem sich wieder nähernden Alkohol klar zu kommen, das heißt trocken zu bleiben.
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Mit dem Abschied von meiner bisherigen Beziehung zu Anne (die längste zu einem Menschen) ein zufriedenstellendes Ende zu finden.
Jetzt muss ich mich auf den Zahnarzt nächste Woche einstellen.
Bis dann.
Ralph


