21. April 2009 15:24
Früher standen die Raubritter und Wegelagerer vor den Toren der Stadt und haben die Menschen ausgenommen. Ein paar Inkasso-Unternehmen und Rechtsanwälte haben heute diese Rolle übernommen. Ich möchte hier nicht alle Firmen anschwärzen, die sich mit der Verwaltung von Schulden beschäftigen, aber leider gibt es in der Branche einige schwarze Schafe. Sie setzen auf die Unwissenheit und Hilflosigkeit von Betroffenen.
Mir liegen Schreiben vor, in denen es z.B. um eine nicht bezahlte Rechnung in Höhe von 10 Euro geht. Innerhalb von ein paar Monaten werden daraus schnell 400 Euro. Heute wurde ich wieder mit so einem Fall konfrontiert. Frau K., eine Rentnerin im Alter von 75 Jahren, bekommt eine kleine Rente. Ergänzend erhält sie Sozialhilfe. Die Rechtsanwälte Wehnert & Kollegen haben jetzt ihr Konto gepfändet. Sie kann kein Geld mehr abheben, die Miete und Strom nicht bezahlen. Vor mehr als fünf Jahren hat Fr. K. an einem Gewinnspiel teilgenommen und um die Gewinnchancen zu erhöhen eine Bestellung aufgegeben. Den versprochenen Gewinn hat sie nie erhalten. Sie fühlte sich betrogen und hat die Rechnung nicht bezahlt. Eines Tages bekam sie dann Post von der Firma UGV Inkasso. Sie kümmerte sich nicht weiter um die Angelegenheit, da sie sich ungerecht behandelt fühlte. Schon damals kam es zu einer Kontopfändung, die mein Kollege rückgängig machen konnte.
Den Rechtsanwälten ist die Lebenssituation der Frau bekannt. Sie kennen die Einkommenssituation und wissen, dass Sie bei der Frau kein Geld einklagen können. Trotzdem versuchen sie es immer wieder. Mit Halbwahrheiten oder Kontopfändungen werden die Betroffenen unter Druck gesetzt, in der Hoffnung, Zahlungen zu erhalten. Das Vorgehen hat Methode. Nur wenige Menschen wenden sich an Schuldnerberatungsstellen oder seriöse Rechtsanwälte. Immer wieder ärgert es mich, wie hier die Unwissenheit ausgenutzt wird und wie die Menschen mit Drohbriefen und Unwahrheiten zu Zahlungen gezwungen werden sollen.