Mueller
Mueller
Mueller
Mueller
Mueller
Mueller

Autorenarchiv : Mueller

Ich habe mich selbst verloren

Dienstag, 19. Mai 2009

Zum Starten, einfach ins Video hineinklicken.

Mein Leben – Eine Sucht

Das Making of

Steffen und ich haben ihn kennengelernt: Franz vom Niederrhein. Eine außergewöhnliche Person mit einer sehr interessanten Geschichte und einer bedrückenden Vergangenheit. Angefangen hat es vor etwa zwei Monaten. Als Videojournalisten halten wir immer die Augen nach interessanten Themen oder Menschen Ausschau. Dabei gehen wir offen und positiv an die Sache ran. Vorurteile oder sonstige Hemmungen versuchen wir auszuschalten.

Unser erstes Treffen hatten wir in der Drogenberatung. Dort redeten wir über allgemeine Sachen, Franz’ Geschichte und über mich. Ich fand es interessant, ganz viele persönliche und intime Sachen zu erfahren – er, was bei uns Jugendlichen so abgeht.

Es folgten weitere zwei Treffen. Ich besuchte ihn auch einmal zu Hause. Durch die Treffen hatten wir ein sehr vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Nun mussten Steffen, der Kameramann, und Franz sich verstehen. Nur so, denke ich, kann Franz frei von seiner Vergangenheit, seiner jetzigen Situation und von der erhofften Zukunft sprechen.

Jeder macht Fehler – na und?

Der Drehtag war sehr angenehm. Als Dreierteam machten wir alle unseren Job. Dabei hatten wir eine Menge Spaß. Nach Feierabend besuchten wir noch ein Fußballspiel von Franz Lieblingsverein. Es folgten zwei Tage im Schnitt, heiße Diskussionen (was ist wichtig, um einen ehrlichen Eindruck von Franz zu vermitteln?), und die Spannung, wie es Franz selber gefällt.

Nun ist das Video fertig. Franz ist zufrieden, Steffen und ich auch. Ich hoffe sehr, dass wir Euch einen Eindruck aus Franz’ Leben vermitteln konnten. Und tut mir ein Gefallen: Lernt daraus!!! Jeder Mensch macht Fehler und keiner ist perfekt. Warum sollte also jemand benachteiligt werden, der in seiner Vergangenheit nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Schaut doch lieber, wie es dazu kommen konnte und gebt Chancen. Franz war im Gefängnis und trotzdem ist er ein sehr offener, freundlicher, hilfsbereiter und lieber Mann. Genau diesen Mann sollte man sehen lernen…

Viele Grüße
Pascal Schröder von wir-bewegen-bilder

Leere im Kopf und viel Milch um nichts

Dienstag, 24. Februar 2009

Heute schreibe ich zum letzten Mal. Das Schreiben war nicht immer einfach für mich, da es mir manchmal sehr schwer fiel mich zu konzentrieren. Seit ich wieder Alkohol trinke, fällt es mir noch schwerer, weil ich so eine Leere im Kopf habe. Am letzten Freitag war ich in der Suchtambulanz. Ich musste in ein Gerät pusten und hatte 1,8 Promille.
Ich habe mittags um 12 Uhr angefangen Wein zu trinken, bevor ich um 16 Uhr den Termin in der Ambulanz hatte. Es war mir so unangenehm dort hin zu gehen. Irgendwie brauchte ich ein entspannteres Gefühl. Die ärztin empfahl mir einen stationären Entzug zu machen. Sie wollte mich gleich aufnehmen. Da ich aber Fasching feiern wollte, und Bello nicht zu fremden Leuten geben will, habe ich abgelehnt. Ich möchte es aber mit ambulanter Unterstützung selbst versuchen.
Mein Freund hat schon wieder seine drei Sachen gepackt. Der Streit ging dieses mal um Milch. Die Milch bekommt mein Freund an seinem Arbeitsplatz und bringt sie dann zu mir nach Hause. Da bei mir fast alles überquillt vor lauter Milch, nehme ich einen Teil mit in die Oase. Mein Freund ist sehr eifersüchtig und hat Angst, dass ich einen anderen Mann kennen lernen könnte. Er glaubt felsenfest, dass es jetzt so ist und ich die Milch dem “Neuen” bringe. Er wollte Frau Fischer anrufen, und sie fragen, ob die Milch auch in der Oase angekommen ist. Was soll ich da tun? Wahrscheinlich wird er sich nicht ändern können und es wird immer wieder wegen solchen Banalitäten zum Streit kommen.

Kontrolliertes Trinken

Mittwoch, 18. Februar 2009

Heute hat uns Frau S. alle mit ihrer Fastnachtsüberdrehtheit angesteckt. Fast alle Frauen der Oase erzählten laut durcheinander. Der Geräuschpegel war enorm. Ab und zu musste Frau Fischer Ruhe brüllen, damit es leiser wurde. Auf unsere Raucherterrasse war eine kleine gefrorene Eisfläche. Frau Z. goss eine Gießkanne mit heißem Wasser darüber, weil sie dachte, es ginge damit weg. Nach drei Minuten war die halbe Terrasse zugefroren. Frau R. musste sich deshalb ganz vorsichtig auf ihren Raucherstuhl, der im Eis stand, setzen.
Meine Erkältung ist noch nicht besser geworden. Meinen Freund habe ich auch schon angesteckt. Gestern konnte ich dem Wein widerstehen, weil es mich beruhigt zu wissen, dass ich am Freitag den Termin in der Suchtambulanz habe. Ich möchte gerne mit einem Fachmann über mein Suchtproblem sprechen, ob für mich vielleicht kontrolliertes Trinken in Frage käme. Langsam wird es in der Oase leiser, alle sind ausgepowert. Ich werde jetzt gleich von meinem Freund abgeholt, und gehe mit ihm einkaufen.

Wie auf dünnem Eis

Dienstag, 17. Februar 2009

Meine gesetzliche Betreuerin Frau Sch. und ich haben beschlossen, dass es für mich einfacher ist, mit dem Trinken wieder aufzuhören, wenn ich mir professionelle Hilfe hole. Ich fühle mich im Moment wie auf dünnem Eis, kurz vor dem Einbrechen. Deshalb war ich mit Frau Sch. in der Suchtambulanz und habe mir dort für Freitag einen Termin geben lassen. Die Sprechstundenhilfe war über den späten Termin so erschrocken, dass sie zu mir sagte, ich solle bis am Freitag nicht aufhören zu trinken. Frau Sch. und ich haben uns geschockt angeschaut.
Viel ärger gibt es auch wegen des Alkohols mit meinem Freund. Er ist enttäuscht darüber, dass ich wieder rückfällig werde, obwohl ich schon so viel geschafft habe. Zu allem Unglück bin ich jetzt auch noch erkältet und kann mich nicht mehr richtig konzentrieren. Ich gehe jetzt nach Hause und lege mich ins Bett. Ich freue mich darüber, dass Frau Fischer zu mir gesagt hat, dass sie stolz auf mich ist.

Wein im Kopf und im Ausguss

Montag, 16. Februar 2009

Eine Fastnachtsveranstaltung ist nichts gegen den Trubel in der Oase. Das bin ich im Moment gar nicht mehr gewohnt. Ich war jetzt drei Tage zuhause. Am Mittwoch wurde mein Freund operiert. Da ich vor lauter Angst, ihm könnte bei der Narkose etwas passieren, nicht mehr fähig war irgendetwas zu tun, blieb auch mein ganzer Haushalt liegen. Am Donnerstagabend spitzte sich meine Angst um ihn so zu, dass ich mir beim Aldi noch kurz vor Ladenschluss, zwei Flaschen Wein gekauft habe. Nach 1,5 Flaschen war ich so fertig, dass ich schlafen ging.
Am nächsten Morgen rief ich Frau Fischer an und sagte ihr, dass ich nicht zur Arbeit kommen kann. Mir war speiübel. Frau Fischer war sauer. Da ich noch eine halbe Flasche Wein hatte, kippte ich sie aus. Ich wusste genau, wenn ich die jetzt trinke, brauche ich noch mehr. Obwohl ich verkatert war, besuchte ich meinen Freund im Krankenhaus. Da er merkte, was mit mir los war, beendete er zum X-ten mal unsere Beziehung. Er rief mich aber am Abend wieder an. Ich entschuldigte mich bei ihm, und er verzieh mir.
Frau S. sauste heute wie eine gestochene Tarantel durch die Oase. Sie erzählte laut lachend von Klaus Kinski und seiner Tochter Nastassja. Sie behauptete, dass die beiden nicht richtig ticken würden. Frau Z. überbot sie noch an Lautstärke. Sie erzählte uns wieder etwas über ihre Peiniger. Damit wir sie auch richtig verstehen konnten, musste sie lauter als Frau S. werden. Frau B. klaute wieder Kaffee und wurde dabei von Frau Fischer erwischt. Diese wurde so sauer, dass Frau B. die Flucht ergriff. Sie sagte, sie müsse aufs Wohnungsamt. Nach zehn Minuten kam sie wieder mit einer Packung Keksen und schenkte sie Frau Fischer als Friedensangebot. Diese nahm es aber nicht an. Beleidigt nahm sie ihre Kekse wieder an sich. Ich hoffe, dass es morgen wieder ruhiger wird.

Geheiltes Wadenbein

Dienstag, 10. Februar 2009

Heute ist tote Hose in der Oase. Es stürmt und regnet und niemand möchte wahrscheinlich aus dem Haus. Mein Freund muss morgen für drei Tage ins Krankenhaus. Er wird operiert. Ich mache mir deswegen große Sorgen. Ich werde ihn am Donnerstag besuchen gehen, und habe mir darum einen Tag Urlaub in der Oase genommen. Meine Arbeit macht dann Frau Z. Sie macht diese Arbeit gerne, und wir merken dann auch, dass sie nicht so verwirrt ist wie sonst. Ich hoffe, dass mit meinem Freund im Krankenhaus alles gut geht, und ich dann wieder etwas ruhiger werden kann.
Vorhin sah Frau S. beim Einkaufen Frau P., die sich vor einigen Tagen von ihrem alkoholkranken Freund getrennt hat. Allerdings war sie nicht allein. Sie lief mit Einkaufstüten bepackt mit ihm in Richtung seiner Wohnung. Ich habe mir eh gedacht, dass die Trennung nicht lange anhält. Bald wird sie wieder weinend in der Oase auftauchen, weil es nicht gut geht.
Heute kam auch nach Wochen Frau M. wieder. Sie ist im November eine Treppe hinunter gestürzt und hat sich das Wadenbein gebrochen. Das war, als wir Frau Fischer bei der Aktion “Eine Million Sterne” auf dem Vorplatz des Mannheimer Schlosses helfen wollten und die Kerzen anzündeten. Frau Fischer musste mit ihr in die Klinik. Da sie sehr beleibt ist, waren mehrere Helfer nötig, um sie in den Krankenwagen zu hieven. Auch die Bierflaschen mussten mitgenommen werden. Im Moment läuft sie noch an Krücken, kann diese aber bald weglassen. In der Zeit als sie zuhause war, und nicht laufen sollte, versorgte sie Frau O. mit ihrer täglichen Bierration. Es scheint ihr wieder sehr gut zu gehen, ihr lautes Organ dringt durch die ganze Oase.