LutzS
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Autorenarchiv : LutzS

Ströme abscheulicher Bilder und Töne

Montag, 20. Juli 2009

Sigrid und Markus (beiden vielen Dank) haben mir zu den Bildern in meinem Kopf ein paar Tipps gegeben. Wohltuende Worte. Wochen danach plagen mich immer noch diese Ströme abscheulicher Bilder und Töne. Es ist im Glauben an Gott sicher respektabel, sich das Ende dieser Störungen zu wünschen. In so vielen Fürbitten habe ich das auch schon getan.

Ich denke diese Zeiten haben auch etwas mit meinem Zustand zu tun. Wenn ich mich gut fühlen kann, bin ich offen für Weiches und Hartes. In meiner gänzlichen Verwundbarkeit schmerzt eben fühlbar mehr.

Der jüngste Auslöser war die Geschichte einer Kollegin, die von ihrer Familientrennung berichtete. Im Nachsinnen darüber hörte ich noch Kindergeschrei in der Nachbarschaft. Mir kam Gänsehaut und Angst erfüllte mich. Um mich abzulenken ging ich in den Garten um großen Mengen Brennnesseln den Garaus zu machen. Es brannten die Arme von der Berührung, die Bremsen bissen schmerzhaft – es ging mir gut.

Kluge Worte statt Prügel

Freitag, 17. Juli 2009

Zwei Mal im Jahr gibt es Zeugnisse in der Schule. Mein Kind ist auf dem Sprung ins Gymnasium. Der Tag der Zeugnisausgabe ist immer auch ein Tag der klugen Wortwahl um das Geleistete zu würdigen und das nicht so gute kritisch zu betrachten. Der Umgang mit diesem brisanten Thema ist immer wieder schwierig für mich. Ich hatte nur Prügel bezogen für die dunklen Flecke auf meinem Zeugnis.

Ich bin stolz auf meine Tochter. Sie kämpft und kämpft, steht am Ende recht gut da und trägt es mit Fassung, dass in der Mathematik nicht ihre Stärke liegt. Sie wollte unbedingt auf das Gymnasium. Und sie hat ihr Ziel erreicht. Mit Mühe, aber geschafft.

Für sie werde ich heut Abend ein Gebet sprechen. Voller Dankbarkeit und Liebe.

Hat mir der Alkohol den Speed genommen?

Mittwoch, 15. Juli 2009

“Ich kann dir helfen, die Probleme anzugehen.” Oftmals ist diese Einladung zur gemeinsamen Stressbewältigung wirklich sinnvoll und erfolgreich. Aber wenn es um meine eigenen Dinge geht, dann braucht es Zeit und eine Menge Vorgeplenkel.

“Willkommen im Club”, sagte mir ein Freund und gab mir zu erkennen, dass es ihm ebenso schwer fällt, sich um sich selbst in der gleichen Lockerheit zu kümmern wie er es mit seinen ihm anvertrauten Klienten geht. Ich war erst überrascht, später dann eher betroffen.

In meinen abendlichen Gedanken spielten sich Szenarien ab, wie es war, als es noch nicht so war? Der Mut, dieses stürmische Erobern von Gipfeln ohne ängstliche Blicke nach links, nach rechts und zurück. Nur geradeaus – immer das Ziel vor Augen. Hab ich mit dem Alkohol auch diesen Speed verbrannt? Diese Power? Oder bin ich nur ehrlicher geworden, und mehr der – der ich wirklich bin?

Lutz

Ausbeutung der Unterschicht

Montag, 13. Juli 2009

Soziale Manieren sind für mich ein Topthema für die Verantwortlichen unserer Parteien im Bundestag. Zum Beispiel die Salberei um die Rentenpolitik. Da wird gebuhlt, was das Zeug hält. Aber selbst der alte Norbert Blüm (bekannt durch die Theorie: Eines ist sicher…) sieht die Rentenpolitik der vergangenen Jahre – also auch seine eigene – als fehlerhaft bis untauglich.

Ich stehe nicht im Fokus des Wahlkampfes, doch mir fällt dazu ein wichtiger Punkt ins Auge: Wenn die Regierungen weiterhin die Legitimation zur Ausbeutung der Unterschicht erteilen, wird die Rentenkasse bald kein Thema mehr sein. Sie wird einfach nicht mehr existieren.

Der Grund liegt auf der Hand: Ein wirkungsvoller, sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz wird heute durch fünf Minijobs ersetzt. Meistens erledigen das Menschen am Rande des Existenzminimums. Wenn diese fünf Minijobber dann mal Rentner werden… Woher soll es kommen, das Geld, das die Unternehmer im Wettbewerb mit der Konkurrenz eingespart haben? Und wo ist es am Ende? Soziale Manieren erlauben kritische Fragen, doch die Berliner Bundestagsabgeordneten sind taub auf diesem Ohr.

Liebe Grüße
Lutz

Finanzkrise als Anlass für Völkersuff?

Freitag, 10. Juli 2009

Wenn ein Rückfall zum Tabuthema in der Familie wird, kann es schon mal ernste Probleme geben. Gesundheitlicher Art allemal. Da steht dann der Körper des Betroffenen im teuflischen Sog auf der Kippe zwischen Leben und Tod.

Mich hat die Geschichte einiger Rückfälle stets berührt. Ich spürte die Machtlosigkeit meiner selbst, und die des Betroffenen. Diese “Einwortfrage” im ersten nüchternen Blick zurück auf den Rückfall, dieses WARUM? – sucht hilfeschreiend nach Antworten – und bekommt sie nicht. Jedenfalls nicht von mir.

Genau dieses WARUM? steht für mich wie ein Mahnmal vor der Lust sich in Spekulationen zu verzetteln. Möglicherweise um den nächsten Rückfall schon zu programmieren, indem schnelle Antworten zu flüchtigen Entschuldigungen führen. Ich mache in der Gruppe an der Stelle einen Schnitt. Sorgfältig und konsequent. Neu beleuchten können wir den Weg, der vor uns liegt, damit unsere kleinen und festen Schritte nicht ins Stolpern geraten.

Oft müssen Krisen herhalten als Grund für den Rückfall. Dabei sind Krisen zur Bewältigung und Stärkung eine gute Chance für ein besseres Leben des Lebens. Stell Dir vor, die Finanzkrise wäre Anlass für Völkersuff! Obwohl, wenn ich so in die Medien blicke …!

liebe Grüße
Lutz

Suchtselbsthilfe ist bei den Leuten angekommen

Donnerstag, 09. Juli 2009

Da liegt die Ausgabe Juli des Gemeindeblattes in meiner Küche. Nichts hat sich an der Aufmachung geändert. Nichts hat sich in der Veröffentlichung der Selbsthilfegruppe geändert. Aber dennoch ist dies eine besondere Woche. Gleich drei Gespräche gab es, in denen die SHG durch das Amtsblatt zum Thema meiner Gesprächspartner wurde.

Zwei Jahre zieht das Inserat Monat für Monat in die Briefkästen der Bewohner in der Umgebung. Nur in diesem Monat ist es irgendwie anders angekommen. Ich werde der Sache noch nachgehen. Die Leute, denen es wichtig war, mich auf die Zeilen anzusprechen fanden mein Gehör. Sie sind nicht wirklich Kandidaten für die Teilnahme an der Gruppe, aber sie sind interessiert an der Sache. Ich habe mich gefreut über die Teilnahme, über das Interesse an der Selbsthilfearbeit und über den freundlichen Umgang mit mir.
Diese Rückmeldung aus den verschiedenen Richtungen der Gemeinde sagt mir vor allem: Suchtselbsthilfe ist im Zuge der Medienarbeit aus der jungen Vergangenheit in den Köpfen der Bürger angekommen und angenommen.

Motiviert grüßt Euch
Lutz