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Autorenarchiv : Keller

… kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Mittwoch, 18. Februar 2009

Das Wochenende war absolut genial. War mit meinen drei großen Söhnen auf Rollerblades in der City unterwegs. Es war zwar eiskalt, doch die Sonne war angenehm. Ich hoffe, dass bald wieder der Frühling lacht.
Fassungslosigkeit: Ich habe die Prüfung doch bestanden! Hab Juhu gerufen, als ich die Nachricht telefonisch übermittelt bekam. Nun habe ich eine Qualifikation mehr zum Vorweisen, bei meinen Bewerbungen.
Und das ist noch nicht alles: Zwischen meinen ganzen Spam-Mails haben sich – haltet euch gut fest! – drei verschiedene Einladungen zu Vorstellungsgesprächen versteckt. Am Mittwoch geht es los, mit meiner “Favoritenstelle” …
Ich werde euch auf dem Laufenden halten! Drückt mir bitte, bitte noch mal die Daumen! Das hat beim letzten Mal ja so hervorragend geklappt! DANKE…

Freitag der Dreizehnte

Freitag, 13. Februar 2009

War eine schreckliche Woche. Erst am Montag meine Prüfung versemmelt. Das heißt, vier Wochen Weiterbildung für die Katz. Bin sauer mit mir. Hatte wirklich gelernt und dann so was…
Mittwoch ist ein Bekannter verstorben und heute … das vierte Vorstellungsgespräch in vier Wochen. Doch was höre ich? Es wird ein Führungszeugnis verlangt. Und zwar ein umfassendes, wie bei allen öffentlichen Stellen! Klasse, ich habe bestimmt allein zehn Bewerbungen an öffentliche Stellen geschrieben und bei keiner hab ich nur den Hauch einer Chance, wie ich jetzt weiß.
Vielleicht gibt es ja jemanden, der diese Seiten liest … Dann bitte drückt mir mal die Daumen, dass ich bald eine passende Arbeit finde. DANKE!

Knapp an der Räumungsklage vorbeigeschrammt

Donnerstag, 05. Februar 2009

Als ich eingesperrt wurde, geschah das über Nacht. Ich musste vom Gefängnis aus Wohnung, Versicherungen, Telefon usw. kündigen. Nun bin ich ja Gott sei Dank der deutschen Sprache mächtig. Doch ein Gefängnisaufenthalt zieht den Unwillen der Beteiligten an: keine Ratenzahlung wird gewährt, Kündigungen werden nicht angenommen, Anträge kommen mit Bitte um Rückruf (kein Telefon) oder Zusendung weiterer Dokumente innerhalb einer Frist (Briefzensur), zurück.
Grundsätzlich ist erst einmal gar nichts möglich. Also schrieb ich einen Rapportzettel, mit der Bitte um Besuch des Sozialdienstes. Eine Woche später erschien die Beamtin und nahm meinen Antrag mit. Nach einer weiteren Woche kam sie erneut vorbei, um zu erklären, dass sie mir nicht helfen könne. Ich wollte und konnte das nicht glauben und erinnerte sie an den Wortlaut im Gesetz. Sie meinte dazu, sie wäre krank und ginge nun nach Hause. Nun war Weihnachten und nach den Feiertagen hatte die Beamtin gewechselt. Diese besuchte mich nur kurz, um mir zu erklären, dass sie nun Urlaub hätte. Im Anschluss an Ihren Urlaub war sie wochenlang krank. Also trat der Sozialdienst der Männer an mich heran, der dann aber auch plötzlich längerfristig erkrankte.
Es war Mitte März, also fünf Monate nach meiner Inhaftierung, als sich endlich eine Dame vom Sozialdienst der katholischen Frauen meiner annahm. Diese Dame hatte eine ganze Stunde für mich Zeit, durchforstete meine inzwischen dick gewordenen Unterlagen, machte ein paar Telefonate während meiner Anwesenheit und schon lief etwas. Kurz vor der Räumungsklage meiner Wohnung konnten wir finanzielle Unterstützung und auch Unterstellmöglichkeit für das wichtigste Hab und Gut meiner Familie finden. Dass meine Kinder und ich damals nicht alles verloren haben, haben wir nur dieser einen Frau vom SkF zu verdanken.
Kirche und kirchliche Organisationen sind meiner Ansicht nach, die einzige wirkliche Hilfestellung im Gefängnis. Hier wird ein persönlicher Kontakt aufgebaut und zugelassen, hier wird echte Unterstützung angeboten, notfalls auch entgegen dem System. In allen Belangen kann man sich an den Pfarrer wenden. über die Kirche und kirchlichen Organisationen werden Veranstaltungen wie Weihnachtsfeier, Chor, Kochgruppe oder Frauengruppe möglich. über die Kirche findet man Menschen, die einen ehrenamtlich besuchen oder schreiben.
Leicht ist es, in der Ausweglosigkeit der Gefängniswelt zu verzweifeln. Manch einen Gang in die Psychiatrie habe ich beobachten können. Man landet im “KHaus” und erhält Psychopharmaka, ganz legale Drogen. Wie Zombies in den Gängen wandeln, ferngesteuert vom System.

Angeben, lügen, stehlen

Dienstag, 03. Februar 2009

Mir war nicht bewusst, dass nur etwa sieben Prozent aller Strafgefangenen Frauen sind. Und man stelle sich vor, 60 Prozent der inhaftierten Frauen sind Mütter! Inhaftierte Frauen haben in im Allgemeinen einen höheren Bildungsstand als männliche Gefangene. Auch deren Delikte unterscheiden sich immens von denen der männlichen Inhaftierten. Bei Frauen geht es größtenteils um Eigentums- und Drogendelikte. Wenige Frauen werden wegen Gewaltdelikten eingesperrt!
Auch in meiner Haftanstalt waren die Frauen in deutlicher Minderzahl. Frauen und Männer wurden scharf getrennt. Begegneten sie sich auf den Gängen des JVA-Geländes, mussten wir Frauen uns meist an die Wand drücken und warten bis die Männer vorbei waren. Kein Wort, kein Händeschütteln, kein normaler Umgang war möglich. Doch hielt das einsame Herzen nicht auf, abends von Haus zu Haus zu rufen oder wenn irgend möglich, Liebesbriefe zu schmuggeln. Ja, die Einsamkeit ist wohl für den Großteil der Gefangenen kaum zu ertragen.
Kein Gefangener lebt in einer heilen Welt. Meist häufen sich die Probleme von draußen und man selbst kann kaum etwas tun, um die Situation zu verbessern. Viele dramatische Schicksale kann man dort erleben. Doch unter den Mitgefangenen ist selten ein geeigneter offener und ehrlicher Ansprechpartner zu finden. Es wird angegeben, gelogen und gestohlen. Neid und Missgunst herrschen vor. Den Beamten, dem “Arm des Gesetzes”, ist ein persönlicher Bezug zu den Gefangenen nicht möglich. Zu viel Verständnis wäre ja auch unangebracht, denn es gibt Regeln und Gesetze, keine Ausnahmen! Gute Vollzugsbeamte zeichnet eine gewisse Menschenkenntnis aus, die ein kleines Lächeln und damit Persönlichkeit im Gefängnisalltag zulassen.
Um irgendwelche Genehmigungen einzuholen, muss der Gefangene Rapportzettel schreiben. Auch die Bitte um den Besuch einer Beamtin des Sozialdienstes muss so schriftlich eingereicht werden. Doch der Sozialdienst im Gefängnis ist unterbesetzt. Oft zieht eine höchst brenzlige und wichtige persönliche Angelegenheit eines Gefangenen sich deshalb ewig hin.

Die kleine Hand an der Glasscheibe

Samstag, 31. Januar 2009

Ich wurde verurteilt wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. In meinem Fall Beihilfe zum Schmuggel von Cannabis. Ich war nicht vorbestraft. Ich erzähle das, weil es als BtmG-Häftling (Betäubungsmittelgesetz) ein richtig aufreibendes Erlebnis ist, monatlich für zwei Stunden Besuch zu empfangen: Man sitzt sich in zwei Kammern gegenüber, getrennt durch eine dicke Glasscheibe. Das Abhörgerät an der Wand leuchtet und man schreit sich an, damit man sich überhaupt verstehen kann.
Ich erinnere mich an meinen damals 10-jährigen Sohn, der vor meiner Haft noch gerne auf meinem Schoß gekuschelt hatte. Wie er in dieser Kammer seine kleine Hand an die Glasscheibe legte, um mir ein wenig nahe zu sein, werde ich nie vergessen.
Auch die “Zellenfilze” ist eine Angelegenheit, mit der man sich erst einmal abfinden muss: Man kommt also irgendwann, eventuell nichts ahnend, in die Zelle zurück und findet alle Habseligkeiten in heillosem Durcheinander vor. Persönliche Bilder von der Pinnwand entfernt, Kleider- und Vorratsschrank ausgeräumt, Bett abgezogen. Vielleicht liegt sogar ein Notizzettel mit Anweisungen dort, wie zum Beispiel dass die Fenster zu putzen sind. Oder es fehlen gar ein paar Dinge. Weggesperrt bis zur Entlassung. Der Grad der Verwüstung hängt ab von der Auffälligkeit des Häftlings und natürlich auch von der Laune der Beamtin. Die Zellen werden mindestens einmal monatlich gefilzt. Zellenfilze mit Beamtin finde ich humaner als mit Hund!
Drogenabhängigen kann es sogar passieren, dass sie zum Beispiel aus der Essensschlange abgeführt werden, um im eiskalten Duschraum zu “strippen”. Was bedeutet, sich vor den Beamtinnen auszuziehen, Kleidung und eventuell sogar den Tampon untersuchen zu lassen und wieder Kniebeugen, Fußsohlen zeigen, aber das habe ich ja vorgestern schon beschrieben…
Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, bei denen diese Vorsichtsmaßnahmen versagen und der Drogentest positiv ist – oder man konnte nicht pinkeln, was auch positiv bedeutet. Als Strafe kommt eine Woche Bunker in Frage, was letztendlich der JVA-Chef zu entscheiden hat. Bunker ist ein Raum mit Klo in der Mitte und Bibel, sonst nichts. Durch ein Sichtloch in der verschlossenen Tür kann der Wärter zusehen wie der Gefangene … die Bibel liest. Bei anderen Vergehen wird mit Einkaufssperre, Freizeitsperre (kein Aufschluss), Ausgangssperre (falls dieser gewährt wurde), Sicherheitsverwahrung oder einer Mischung daraus geahndet.

Einreihen in die Schlange trauriger Gestalten

Freitag, 30. Januar 2009

Klatsch, wurde ich in die Zelle gesperrt, mit zwei anderen Frauen. Die beiden hatten sich innerhalb kürzester Zeit in den Haaren. Es gab fast ein Handgemenge und der Alarmknopf wurde gedrückt. Da es Abend war, kam nur eine drohende Männerstimme durch die Sprechanlage. Spätestens da wurde mir klar, wie schnell man sich in irgendwas verwickeln lassen kann.
Früh um 6 Wecken durch die Sprechanlage, dann geht an der Zellentür die Kostklappe auf zur Wasserausgabe. Wenn du das lauwarme Wasser verpasst, hast du nicht einmal einen Knast(Getreide)kaffee zum Aufwachen
Dann um 12 Uhr Zelle auf zum Essenfassen und Du reihst Dich in der Schlange trauriger Gestalten ein, um Mittag-, Abendessen und Frühstück abzuholen. Am Wochenende und an Feiertagen ist die Zelle etwa zwei Stunden geöffnet, dann Einschluss. Ein weiteres Mal geht die Kostklappe auf zur Wasserausgabe.
Um 15.30 Uhr ist dann für eine Stunde Hofgang, an dem du teilnehmen kannst. Hofgang bedeutet eine Stunde im Freien im Kreis laufen, auch wenn es anfängt zu schütten. Dann kannst du dich mit Glück vielleicht unter der Tischtennisplatte verkriechen, bis du endlich wieder hinein darfst.
Einige wenige Frauen haben sogar das Glück, eine Arbeit zu bekommen. Für einen Stundenlohn von fast einem Euro kann man sich sein eigenes Geld hart verdienen, wenn man nicht von Angehörigen finanziell unterstützt wird. Der Großteil des Lohnes wird allerdings als überbrückungsgeld abgezogen und erst bei der Entlassung ausgezahlt. So bekommt man durchschnittlich 50 Euro pro Monat zum Einkaufen zusammen.
Beim Einkauf gibt es echten Kaffee, gute Butter, frisches Obst und leckere Süßigkeiten, Hygienebedarf, wie Zahnpasta, Tampons und Shampoo oder Schreibartikel wie Briefmarken, Stifte und Papier, richtige (Plastik-)teller, echte Tassen aus Keramik und Kaffeefilteraufsätze. Auch ein Kopfkissen, einen Wasserkocher oder sogar einen kleinen Fernseher kann man dort viel zu teuer erstehen. Das Sortiment ist nicht groß und tief, nur genehmigt.
Für mindestens 70 Euro ist es sogar möglich, per Katalog Trainingsanzug und Turnschuhe zu bestellen, um dann wöchentlich eine Stunde am Sport teilnehmen zu dürfen. Sport findet allerdings nur statt, wenn genügend Gefangene sich angemeldet haben. Leider haben wenige gefangene Frauen eigene Sportkleidung!